Ausgerastet wegen Hausverbot

Boazn-Prozess: Gast sticht auf Wirt wegen läppischem Grund ein

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Rechtsanwalt und Angeklagter: Thomas Pfister (li.) verteidigt Burim G. im Strafprozess vor dem Landgericht.

Er zeigte sich reuig: Burim G. hat im September vergangenen Jahres den Wirt seines Stammlokales in den Kopf gestochen. Im Prozess wird klar: Der Grund war lapidar.

München - Seine rechte Hand fährt immer wieder durch die Haare, mit der linken wischt sich Burim G. (46) die Tränen weg. Seit gestern steht der Albaner vor Gericht. Er hatte dem Wirt seiner Stammkneipe mit einem Messer attackiert. Der lapidare Grund: ein Hausverbot, das der Angeklagte nicht dulden wollte.

Am 17. September 2016 hatte er das Lokal in der Landsberger Straße aufgesucht und war mit Murat L. (40, Name geändert) in Streit geraten. Überraschend soll er dann ein Taschenmesser gezückt und dem Wirt damit laut Anklage von hinten in den Kopf gestochen haben.

Burim G. wegen versuchten Mordes angeklagt

Die Staatsanwaltschaft hat Burim G. nun wegen versuchten Mordes angeklagt. „Ich möchte ein weitgehendes Geständnis ablegen“, erklärte Verteidiger Thomas Pfister im Namen des Angeklagten, der auch verlesen ließ: „Zum Zeitpunkt meiner Verhaftung war ich ein Wrack. Ich stand unter massivem Alkoholeinfluss und war total abgerutscht.“

Schon seit Monaten hatte Murat L. seinen früheren Stammgast deshalb nicht mehr in seine Kneipe an der Landsberger Straße gelassen. Einst gut befreundet, wollte der Wirt das Verhalten von Burim G. nicht mehr dulden. Und war überrascht, ihn am 17. September trotzdem wieder am Tresen zu sehen. Gäste mussten ihn schließlich vor dem wütenden Angeklagten schützen, als dieser auf ihn losging.

„Ich bin entsetzt, was ich angerichtet habe“

„Ich bin entsetzt darüber, was ich angerichtet habe“, ließ Burim G. erklären. Vier Flaschen Wein hatte er am Tattag getrunken. „Ich weiß nicht mehr, ob ich zugestochen oder zugeschlagen habe.“ Für den Strafprozess ein entscheidendes Detail: Denn von hinten zustechen würde das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllen. Genau das geschah nach Ansicht von Staatsanwalt Laurent Lafleur: Laut Anklage schnitt G. den Wirt in den Hinterkopf. „Ich hatte Schmerzen. Im Krankenhaus musste ich genäht werden“, sagt Murat L. Und weiter: „Er war nicht Herr seiner Sinne. Mittlerweile habe ich ihm verziehen.“

Denn Burim G. hat sich behandeln lassen – gegen die Alkoholsucht und Depressionen. „Ich möchte ein besserer Mensch werden“, versprach er vor Gericht. Das Problem dabei: Zum Tatzeitpunkt stand G. schon unter Bewährung. Jetzt droht ihm eine Haftstrafe. An fünf weiteren Tagen verhandelt das Gericht, das Urteil soll am 24. Juli fallen.

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