Pendler sind genervt

Tür vor Nase zugemacht: BOB lässt Fahrgäste stehen

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Die Bahn fuhr ohne die Fahrgäste nach Bayrischzell, sagt ein Pendler.

München - Dass ein Zug der BOB ausfällt, ist für Pendler nichts neues. Dass aber der Ersatzzug die Fahrgäste auf dem Gleis am Hauptbahnhof stehen lässt, schon. Jedenfalls für Pendler Michael Trömer. Er hat kein Verständnis mehr für die BOB.

Michael Trömer hat schon viel mitgemacht. Er fährt mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), seit diese 1998 ihren Betrieb aufgenommen hat. Also seit 16 Jahren. "Da hab ich einiges erlebt", sagt er. Doch das, was ihm an einem Donnerstagabend im Juli passierte, übertrifft in seinen Augen alles, was bisher war: Die BOB ließ ihre Fahrgäste einfach am Bahnsteig stehen - obwohl der Zugführer aus dem Fenster geschaut und die mindestens zehn Pendler dort gesehen hat, sagt Michael Trömer. Das war um 18.21 Uhr.

Doch die Geschichte beginnt früher, schon um kurz vor 18 Uhr am Starnberger Flügelbahnhof, direkt neben dem Hauptbahnhofgebäude. Pendler Michael Trömer will die BOB Richtung Bayrischzell nach Hause nehmen. Normalerweise fährt der Zug um 17.56 Uhr am Bahnhof ein. Doch an diesem Tag passiert erstmal gar nichts. "Um 18.05 Uhr kam dann eine Durchsage", sagt Trömer. Er merkt sich alles ganz genau. "Es hieß, der Zug würde fünf Minuten später ankommen."

Bob bietet Alternative an - und hält sie nicht ein

Doch auch das geschieht nicht. Um 18.15 Uhr waren es dann schon 20 Minuten, um die sich die Bayerische Oberlandbahn verspäten sollte. "Und um 18.19 Uhr folgte dann die Durchsage: Der Zug fällt aus." Doch die Bahn bot ihren Fahrgästen gleich eine Alternative an: Die Pendler sollten stattdessen in den Meridian nach Holzkirchen einsteigen und von dort aus weiter Richtung Bayrischzell fahren.

So weit, so einfach. Doch für Pendler Michael Trömer und ein paar andere Fahrgäste schlicht nicht durchführbar - aus einem einfachen Problem. Die BOB-Fahrgäste standen auf dem Gleis nämlich ganz hinten. Um den Meridian zu erreichen, mussten sie also erst das Gleis nach vorne laufen - und dann auf dem nächsten Gleis wieder ganz nach hinten rennen. Zeitlich war das nicht zu schaffen, sagt Michael Trömer. "Die Durchsage kam um 18.19 Uhr. Und um 18.21 Uhr sollte der Meridian losfahren." Und das tat er auch - korrekt nach Fahrplan, beschwert sich der Pendler.

Massives Informationsproblem

"Wir kamen genau pünktlich am Meridian an", sagt Michael Trömer. "Der Fahrer schaute Punkt 18.21 Uhr kurz aufs Gleis, schloss die Türen - und rauschte einfach ab. Der Fahrplan musste unter allen Umständen eingehalten werden." Dass Züge ausfallen, kann Michael Trömer verstehen. "So etwas passiert. Aber dass der Zugführer einfach losfährt, ist völlig inakzeptabel."

Die Pendler ließen das nicht auf sich sitzen und riefen sofort bei der Bayerischen Oberlandbahn an. "Doch da stießen wir nur auf Unverständnis", sagt Trömer. "Dort hieß es nur, dass der Zugführer seinen Terminplan eingehalten hat und uns nicht geholfen werden kann." Er versteht überhaupt nicht, dass ihm die BOB erst eine Alternative anbietet und diese dann nicht einhält. "Die BOB hat ein massives Problem mit ihrer Informationspolitik", meint Michael Trömer.

Letztendlich ist er an diesem Donnerstagabend mit dem nächsten Meridian in Richtung Holzkirchen gefahren. Über 40 Minuten länger als gewohnt hat seine Heimreise gedauert.

Auf Nachfrage unserer Online-Redaktion hat sich die BOB inzwischen folgendermaßen zu den Vorwürfen geäußert: Der Lokführer habe auf Fahrgäste gewartet und sei später als im Fahrplan vorgesehen abgefahren.

Die Bahn hat in letzter Zeit allerdings mit so einigen Negativ-Schlagzeilen zu tun gehabt. Ein Student hat die BOB sogar angezeigt.

pak

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