Zoff am See

Machte hier ein Pferd vor Badenden in den Weiher?

+
Diese Pferdeäpfel sind nicht die einzigen Exkremente, die den Böhmerweiher verunreinigen.

München - Immer wieder kommt es am Böhmerweiher zu Konflikten. Der Erholungsflächenverein fordert, endlich klare Regeln für den Baggersee aufzustellen.

Am Böhmerweiher im Münchner Westen tobt ein Krieg zwischen Reitern, Badenden und Hundehaltern. Höchste Zeit, endlich eine Benutzungssatzung für das Gelände zu erlassen. Das zumindest meint der Erholungsflächenverein München, dem das Areal zusammen mit der Stadt München, der Stadt Puchheim und der Gemeinde Gröbenzell gehört. „Am Böhmerweiher herrscht eine anarchische Situation, die immer wieder zu Problemen führt“, sagt Jens Besenthal, Geschäftsführer des Erholungsflächenvereins.

Wie berichtet hatte es am Sonntag, 31. Mai, einen Streit zwischen zwei Reiterinnen und den Gröbenzellern Peter und Renate Weiß gegeben, weil eines der Rösser den Böhmerweiher mit Pferdeäpfeln verunreinigt hatte. Die Lust zu baden, sei ihr daraufhin vergangen, hatte Renate Weiß dem Münchner Merkur gesagt. Für Jens Besenthal sind derlei Konflikte nichts Neues: „Das ist mit ein Grund, warum wir die Situation am Böhmerweiher ordnen möchten. “

Bis 2013 war der Böhmerweiher Privatgrund. Sein Besitzer, der Gröbenzeller Rechtsanwalt Johann Böhmer, habe das Reiten explizit erlaubt, erklärt Besenthal. Baden dagegen habe er nur geduldet. Doch seit dem Verkauf des 27 Hektar großen Areals gibt es offiziell keine Nutzungsregeln mehr – und jeder macht, was er will.

Eine der beiden Reiterinnen, die am 31. Mai in den Konflikt verwickelt war, ist Sandra Bentz. Sie wehrt sich gegen die Vorwürfe des Ehepaares Weiß. „Es war überhaupt nicht ersichtlich, dass das Ehepaar baden wollte. Im Gegenteil, sie trugen Fahrradkleidung“, sagte die 31-Jährige gestern dem Münchner Merkur. „Sonst wären wir selbstverständlich nicht ins Wasser geritten.“ Schließlich sei sie an einem harmonischen Miteinander aller Nutzer des Sees interessiert. Die Reitschule Aubing, der sie angehöre, sensibilisiere ihre Schüler auch dahingehend. Es gebe sogar Überlegungen, rund um den Böhmerweiher Behälter aufzustellen, um die Pferdeäpfel zu entsorgen.

Allerdings sind Jens Besenthal zufolge Pferdeäpfel nicht die einzigen Hinterlassenschaften, die das Areal verunreinigen. „Der Böhmerweiher ist ein beliebter Hundeauslauf und weil es keine Kotsammler gibt, liegt da einiges herum.“ Zum Hundekot kommen menschliche Exkremente: „Wir haben festgestellt, dass ein nicht unerheblicher Teil der Hinterlassenschaften von Menschen stammt. Es gibt am Böhmerweiher ja keine Toiletten“, sagt Besenthal. Mit Blick auf den Schutz von Flora und Fauna sei das bedenklich: „Das Gelände rund um den Böhmerweiher ist ein wertvolles Biotop. Hier leben bedrohte Arten.“

Deshalb will der Erholungsflächenverein – genau wie die Städte München und Puchheim – das Westufer in einen Badebereich verwandeln. Damit dem Biotop dabei möglichst wenig Fläche verloren geht, hat der Verein Ackerland gekauft, auf dem die Liegewiese entstehen soll. Die restliche Fläche soll dem Biotop vorbehalten sein. Wann die Pläne verwirklicht werden können, ist unklar. Noch scheitert die Umsetzung ausgerechnet an den Gröbenzeller Grünen, die fürchten, eine offizielle Badezone locke noch mehr Badegäste an. Klar ist, dass Hunde und Pferde nicht mehr ins Wasser dürfen, sollte der Böhmerweiher Naherholungsgebiet werden. Trotzdem ist Besenthal zuversichtlich, einen Interessensausgleich hinzukriegen. Zum Beispiel wäre denkbar, für Pferde einen Reitpfad anzulegen, der um den See herum führt.

Bettina Stuhlweißenburg

auch interessant

Meistgelesen

Festnahmen, Prügel und randalierende Fahrgäste
Festnahmen, Prügel und randalierende Fahrgäste
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich

Kommentare