Riesen-Ärger über Reiter

Pfui deifi: Hier machen Pferde in den Badesee

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Hoch zu Ross sitzen die beiden Reiterinnen am Böhmerweiher. Rot umkreist sind die Pferdeäpfel

München - Die Hinterlassenschaften von Rössern verärgern Sonnenanbeter am Böhmerweiher im Münchner Westen.

Renate und Peter Weiß liegen am Böhmerweiher im Westen Münchens und genießen die Sonne. Es ist heiß an diesem Sonntagmittag, 31. Mai. Familien grillen am Ufer, Kinder plantschen im Weiher. Auch das Ehepaar Weiß beschließt, sich im kühlen Nass zu erfrischen. Doch dann passiert etwas, das die beiden zurückhält und den Badespaß der übrigen Gäste trübt – im wahrsten Sinne des Wortes. Zwei Reiterinnen traben auf ihren Pferden ins Wasser – und bleiben seelenruhig stehen, während das eine Pferd ins Wasser biselt und das andere seine Pferdeäpfel hineinplumpsen lässt!

Wer einmal ein Pferd beim Biseln beobachtet hat, weiß, dass es sich dabei um eine gewaltige Menge Urin handelt. Verständlich, dass dem Ehepaar Weiß die Lust am Baden vergeht. „Das war eklig“, sagt Renate Weiß. „Da hat sich eine richtig braune Brühe gebildet.“ Die 65-Jährige und ihr Mann fordern die jungen Reiterinnen auf, zumindest die Pferdeäpfel mit einer Schaufel aus dem Wasser zu holen. In der Nähe des Böhmerweihers befinden sich einige Stallungen, weshalb das Paar vermutet, dass es den Reiterinnen keine große Mühe bereitet, zu ihrem Stall zurückzureiten und eine Schaufel zu holen.

Doch die jungen Damen hoch zu Ross lachen nur. Das sei doch alles ganz natürlich. Wieso die Aufregung? „Mir ist schon klar, dass Pferde Grasfresser sind“, sagt Renate Weiß, „aber das ist trotzdem allerhand!“ Die Rentnerin, die mit ihrem Mann gern am Böhmerweiher spazieren geht, findet, die Reiterinnen sollten sich so verhalten, wie es auch gewissenhafte Hundehalter tun: Die Hinterlassenschaften ihrer Lieblinge beseitigen.

Renate und Peter Weiß sind nicht die einzigen, die das Verhalten der Reiterinnen ärgerlich finden: „Das ist alles andere als reiterlich!“, sagt Eleonore Diez-Rohrer, Chefin der Reitschule Reiten bei Freunden. „Ich habe für unsere Leute angeordnet, nicht in den Böhmerweiher zu gehen.“ Allerdings gebe es in der Gegend auch einige Reiter, die sich offenbar nicht zu benehmen wüssten. „Das ärgert uns“, sagt Eleonore Diez-Rohrer. Schließlich falle das auf alle Reiter zurück – und die hätten ohnehin schon einen schweren Stand: „Vor ein paar Jahren wurde uns der einzige Reitweg in die Aubinger Lohe zugemacht. Aber wenn wir unsere Pferde artgerecht halten, müssen wir ausreiten.“

Der Böhmerweiher (eigentlich müsste man die Böhmerweiher sagen, da es sich um zwei nah beieinander liegende Baggerseen handelt) liegt auf Münchner Stadtgebiet. Aber soweit westlich der Aubinger Lohe, dass ihn die meisten zu Gröbenzell und Puchheim rechnen.

Was am Böhmerweiher erlaubt ist, ist unklar: Offiziell ist er noch kein Badeweiher. Er war in Privatbesitz bis die Städte München und Puchheim, sowie die Gemeinde Gröbenzell und der Erholungsflächenverein München das 27 Hektar große Areal 2013 kauften. Der Erholungsflächenverein will den westlichen Weiher zu einem Badesee ausbauen. Mit Toiletten, Kiosk, Liegewiese und eventuell mit Parkplätzen. Der östliche Weiher soll ein Biotop werden. Allerdings sind sich die Lokalpolitiker der beteiligten Kommunen uneinig, was die Umsetzung anbelangt. Die Gröbenzeller Grünen wollen keinen Ausbau. Unter anderem, weil sie befürchten, dadurch noch mehr Badende anzulocken und so die Natur zu stören.

Renate Weiß findet: „Es ist kein Wunder, wenn es immer wieder Ärger wegen der Nutzung des Sees gibt, wenn sich Leute so rücksichtslos verhalten wie die Reiterinnen.“

Bettina Stuhlweißenburg

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