Verurteilter Neffe zieht wieder vor Gericht

Böhringer-Mord: So kämpft ER um seine Freiheit

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Bence T. (40) im April 2011 auf dem Weg zum Prozess.

Er ist ein verurteilter Mörder, glaubt aber noch immer an seine Unschuld! Bence T. (40) soll 2006 die Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer umgebracht haben. Er kämpft aber noch immer für seine Freilassung!

Über Anwalt Peter Witting versucht Bence T., der seit neun Jahren mittlerweile im Knast sitzt, die Wiederaufnahme des Mordprozesses zu erreichen. 186 Seiten stark war sein Antrag, den das Landgericht Augsburg im Dezember 2014 aber als unzulässig zurückgewiesen hatte. Zwar legte Witting sofort Beschwerde ein. Die Generalstaatsanwaltschaft hat aber beantragt, diese zurückweisen zu lassen. „Es ist so enttäuschend“, sagen die Eltern von Bence T. „Aber wir geben die Hoffnung nicht auf.“

Am 16. Mai 2006 ermordet: Charlotte Böhringer.

Sie waren Donnerstag persönlich vor Ort, als Witting einen erneuten rechtlichen Vorstoß wagte. Vor dem Oberlandesgericht versuchte er die lange Verfahrensdauer anzufechten – und verklagt den Freistaat auf 1500 Euro Schadensersatz. „Aus meiner Sicht ist es nicht zumutbar, einen Antragsteller in so einer Lebenssituation zwei Jahre lang warten zu lassen.“ Der Hintergrund: Das Landgericht Augsburg hatte den Antrag für die mögliche Wiederaufnahme des Mordfalles zwar am 1. Oktober 2012 erhalten, darüber aber bis zum 2. September 2014 noch nicht entschieden – „obwohl auch eine sofortige Haftunterbrechung beantragt war.“ Die Verzögerung will Witting nicht hinnehmen und reichte deshalb Klage am OLG ein.

Zur Verhandlung am Donnerstag durfte Bence T. nicht erscheinen. Dafür sagte Michael Schneider aus. Er ist Richter am Landgericht Augsburg und war damit beauftragt, den üppigen Wiederaufnahmeantrag zu prüfen und Bericht zu erstatten. Das konnte er aber nur nebenher erledigen, weil er als beisitzender Richter auch gegen die beiden Augsburger Polizistenmörder verhandelt hatte. Für Bence T. wurde das zum Problem! Auch am Donnerstag musste er wieder warten – das Urteil am OLG fällt erst am 8. Juni.

„Wie es ihm in bisheriger Haft unter den gegebenen Umständen ging, mag sich jeder selbst ausmalen“, sagt Witting. T.s Haltung sei trotz aller erfolglosen Versuche, die Unschuld zu beweisen weiter „ungebrochen“. Die Familie unterstütze ihn sehr.

Ob Bence T. doch noch Chancen hat, dass sein Mordprozess neu aufgerollt wird? Ungewiss! Vor ihm liegt ein langer Weg der Hoffnung. Und vor Anwalt Witting viel Arbeit. Aber: „Sollte es soweit kommen, wäre über die Schuldfrage erneut in völlig offener Weise zu entscheiden“, sagt Witting. „Dann wäre natürlich auch der Weg zum Freispruch offen.“

Andreas Thieme

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