Fall Böhringer: Richterin zweifelt Mordurteil an

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Benedikt T. bestreitet den Mord anCharlotte Böhringer.

München - Seit zweieinhalb Jahren sitzt Benedikt T. als Mörder seiner Tante, der Parkhaus-Millionärin Charlotte Böhringer, im Gefängnis. Das Urteil des Münchner Schwurgerichts - lebenslange Haft mit besonderer Schwere der Schuld - hat der Bundesgerichtshof bestätigt.

Im derzeit laufenden Zivilverfahren um das Erbe der Millionärin allerdings scheint Zivilrichterin Brigitta Steinlehner-Stelzner erhebliche Probleme mit der Urteilsbegründung des Strafgerichts zu haben. Für sie seien entscheidende Indizien bislang nicht überzeugend nachgewiesen, teilte sie jetzt in einem Hinweisbeschluss an die Parteien mit.

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Dass sich überhaupt ein Zivilgericht mit der Frage der Indizien im Fall Böhringer beschäftigt, liegt daran, dass Benedikt T.s Anwälte Peter Witting und Jürgen Contzen den Kriminalprozess neu aufrollen wollen und sich durch die Erbanfechtungsklage neue Erkenntnisse für ein Wiederaufnahmeverfahren erhoffen. „Das Zivilgericht ist nämlich nicht an das Strafurteil gebunden“, erklärt Contzen. „Deshalb haben wir eine neue Beweisaufnahme beantragt.“

Mit der rechtskräftigen Verurteilung von Benedikt T. ist sein Anteil am Millionen-Erbe von Charlotte Böhringer an den Freistaat gefallen. Das hat das Schwurgericht so entschieden. Um das zu umgehen und an das ganze Erbe der Tante zu kommen, hat Mate T. Klage eingereicht, mit der er seinen Bruder Benedikt als erbunwürdig erklären lassen will. Als Nachweis dafür, dass es sich bei seinem Bruder um einen Mörder handelt, hat Mate T. dem Gericht als Urkunde das Strafurteil vorgelegt. Benedikt T.s Anwälte wiederum fechten diese Klage an, weil „unser Mandant die Tat nicht begangen hat und daher nicht erbunwürdig ist“, sagt Witting. „Wir versuchen nun, die Richtigkeit dieser Urkunde zu erschüttern“, erklärt Contzen.

Zum Teil scheint ihnen dies gelungen zu sein. Denn Richterin Steinlehner-Stelzner teilte nun mit, dass die Ausführungen der Schwurkammer teilweise nicht mit den Aussagen von Zeugen vor dem Zivilgericht in Einklang zu bringen seien. Etwa wenn es darum geht, ob andere Familienangehörige oder Mitarbeiter von Böhringer als Täter oder Hintermänner in Frage kommen könnten. Dies gelte auch für eine DNA-Spur von Benedikt T., die sich am Sakko der Leiche befunden habe. Die Strafrichter gingen davon aus, dass der Täter die Genspur bei der Tatausführung gesetzt hat. Steinlehner-Stelzner sagt: Für sie sei bislang nicht nachgewiesen, dass diese Spur „in einer verfänglichen Situation angetragen worden“ sei. Bis 5. Juli hätten die Parteien nun Zeit, dazu Stellung zu nehmen.

„Ich sehe mich in meiner Überzeugung, dass das Urteil fehlerhaft an zentralen Stellen ist, bestätigt“, kommentiert Witting die Aussage der Richterin. „Das ist ein erster wichtiger Schritt, und ich bin optimistisch, das bald in einem Wiederaufnahmeantrag umsetzen zu können.“

14 Indizien hat das Strafgericht zusammengetragen, die sich in der Gesamtschau nach Ansicht der Richter wie ein Ring um Benedikt T. legen. Von den 14 Indizien aber, sagt Witting, seien nur sieben überhaupt dazu geeignet, seinen Mandanten belasten zu können. „Und diese wiederum sind nicht eindeutig festgestellt.“ Offenkundig würden Lücken in der Beweisführung mit viel Fantasie und Mutmaßung ausgefüllt, sagt Witting. „Wichtige Aspekte in der Beweisführung sind zum Teil grob entstellt dargestellt und damit einer Kontrolle durch die Revisionsinstanz entzogen worden.“

Dass sein Mandant nicht der Täter sei, belege auch ein Lügendetektortest, dem sich Benedikt T. bei einer renommierten poligraphischen Gutachterin unterzogen habe, sagt Witting. „Er hat alle Fragen zur Tat wahrheitsgemäß mit Nein beantwortet.“ Die Methode sei zwar umstritten, räumt er ein. In anderen Ländern wie den USA, Kanada, Israel, Belgien und Polen sei dies aber bereits zugelassen.

Bettina Link

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