Boeing 747-800: Einmaliger München-Besuch

8000 Euro für acht Stunden guten Schlaf

München – Es ist das längste Passagierflugzeug der Welt und für viele Luftfahrtfans auch das schönste: Die Boeing 747-800 der Deutschen Lufthansa startete am Mittwoch vom Münchner Flughafen. Und so schnell wird sie nicht mehr kommen.

Die Deutsche Lufthansa (LH) hat einen Preis für acht Stunden guten Schlaf: 8000 Euro kostet ein First-Class-Ticket nach Los Angeles in einer Boeing 747-800. Ab Frankfurt. Denn von München aus wird die Fluggesellschaft den Superjumbo nicht einsetzen. Deshalb drängten sich am Mittwoch trotz Nebels und Nieselwetters Hunderte von Schaulustigen am Besucherhügel und Flughafenzaun, um einen Start mitzuerleben, den es wohl über Jahre hinweg nicht mehr geben wird.

Das bedauert Thomas Klühr allein schon aus ästhetischen Gründen. „Die A 380 ist ja auch ein schönes Flugzeug“, sagt der Münchner Statthalter der Lufthansa, „aber alle Luftfahrt-Enthusiasten lieben die Formen der Boeing 747-800. Und ich gehöre da auch dazu“. Dass der Superjumbo 15 Prozent weniger Kerosin verbrauche, 30 Prozent leiser sei als sein Vorgänger und mit einer Rumpflänge von 76,3 Meter (A 380: 75 Meter) das längste Passagierflugzeug der Welt ist, sind auch Daten für Flugzeugfans. Für ihre Passagiere trumpft die LH – allen Sparmaßnahmen in anderen Bereichen zum Trotz – mit dem ganz großen Luxus auf: die breitesten Betten, neu entwickelte Sitze, Toilettendeckel mit Lederbezug, 15-Zoll-Monitore.

Bilder vom längsten Passagierflugzeug der Welt

Zwar habe man den First-Class-Passagieren erst erklären müssen, dass sie jetzt nicht mehr im Upper Deck über den restlichen Passagieren thronen würden, erzählt Flugbegleiterin Christiane Laforce. „Aber sie waren schnell begeistert, weil es hier so extrem ruhig ist.“ Die acht Erste-Klasse-Plätze sind in der Flugzeugnase eingebaut, jenem Bereich des Fliegers, in dem es am leisesten ist, wofür auch eine zusätzliche Rumpfhülle sorgt. „Und die Passagiere genießen unser 2,08-Meter-Bett“, sagt die Flugbegleiterin. „Weniger Gimmicks wie Bars oder technisches Spielzeug, mehr Komfort – das wollen unsere Kunden, erklärt LH-Manager Dr. Reinhold Huber. „Sie sagen uns: ,Ich bewege mich sowieso nicht im Flieger.‘“

Jüngst waren Taylor Swift und Heidi Klum an Bord. „Die hatten einen anstrengenden Tag hinter sich und wollten auch nur schlafen“, erzählt Simone Wolter-Müller, ebenfalls Stewardess mit Zusatzausbildung für den Luxusbereich des Fliegers. Und gleiches gelte auch für die 94 Passagiere der Business-Class. Großer Bildschirm, Computerspiele, große Filmauswahl, alles sei da – „aber am besten gefällt den Leuten das 1,98-Meter-Bett.“

Das ist damit um zehn Zentimeter kürzer als in der First-Class, das USA-Ticket kostet aber auch um gut 5000 Euro weniger. Der Economy-Passagier (262 Plätze) zahlt für den gleichen Flug zwischen 600 und 700 Euro.

Und was kostet das Flugzeug selbst? Bei 300 Millionen US-Dollar liege der Listenpreis, sagt Huber, „und ein zweistelliger Millionenbetrag kommt für die Innenausstattung hinzu“. Vier Superjumbos hat die LH derzeit. Laut Huber ist das zu wenig, um neben die Frankfurter auch die Müncher LH-Flotte damit zu bestücken. Aber auch wenn alle 20 bestellten Flieger ausgeliefert sind, dürfte der Airport im Erdinger Moos leer ausgehen. Wegen seiner Wartungsbasis gilt er als Airbus-Flughafen. Was den Luxus betrifft, ist er schon auf dem aktuellen Stand. Die neue Innenausstattung wurde bereits in drei A 330 eingebaut, die ab diesem Winter in Ziele nach Nordamerika eingesetzt werden.

Dieter Priglmeir

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