Atombunker und Schiffsdiesel müssen weg

Abriss bizarr: Flick-Villa wird plattgemacht

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Ein harter Brocken: Der Flick-Villa rücken die Bagger zu Leibe.

München - So einen Abriss gibt es in München nicht alle Tage. Bagger mit schweren Stemmeisen machen derzeit die Villa des verstorbenen Unternehmers Friedrich Karl Flick (1927 - 2006) dem Erdboden gleich.

Dabei müssen auch ein Atombunker sowie ein Schiffsdieselmotor weichen. Anstelle der Milliardärs-Trutzburg entsteht ein Mehrfamilienhaus für Millionäre.

Die Fenster der Villa sind aus schusssicherem Panzerglas

Friedrich Karl Flick war einer der reichsten Männer der Republik – und ein ausgesprochen ängstlicher Mensch: Als der Industrie-Magnat sich Ende der 70er-Jahre seine 153-Zimmer-Villa im Herzogpark auf einem Ufergrundstück zur Isar errichten ließ, wurde auch ein Atombunker eingebaut. Für die Belüftung und die autarke Stromversorgung musste es ein Schiffsdieselmotor sein. Alles Dinge, die den Abriss nicht erleichtern. Und da sind noch die Scheiben aus Panzerglas, die Flick mit Maschinenpistolen testen ließ.

Die weiteren Fakten

  • Die Villa wurde 1978 bis Ende 1979 erbaut.
  • Das Anwesen kostete 28 Millionen D-Mark.
  • Es zählte 2100 Quadratmeter Wohnfläche auf 2320 Quadratmetern Grundstücksfläche.
  • Die Fenster sowie die Balkonscheiben waren fünffach verglast.
  • Fenster und Türen waren elektrisch zu betätigen.
  • Es gab einen Panikknopf sowie einen Direktnotruf zur Polizei.
  • Die Freiflächen konnten bei Glättegefahr beheizt werden.
  • Die Stromrechnung betrug rund 20 000 Euro pro Monat.

Seit vergangener Woche wird die Trutzburg dem Erdboden gleichgemacht. Niemand muss allerdings Angst haben, dass die dicken Mauern gesprengt werden. „Die Tiefgarage mit der bombensicheren Betondecke wird zersägt“, so Stefan Mayr, Geschäftsführer von M-Concept Real Estate. Der Schiffsdiesel muss zerlegt werden, er passt auf keinen Tieflader. Bis das alles bewerkstelligt ist, wird es Herbst!

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Dann entstehen bis Anfang 2016 die zehn zwischen 100 und 400 Quadratmeter großen Luxusdomizile des „P111“ an der Pienzenauer Straße. Mayr: „Es gibt schon mehrere Interessenten, auch die ersten Reservierungen liegen schon vor.“ Pro Wohnung in dem vornehm kühl gestalteten Bau müssen die Käufer zwischen 1,9 und 5,6 Millionen Euro hinlegen. Flick hätte über solche Summen nur gelächelt…

Friedrich Karl Flick

Friedrich Karl Flick (1927-2006) war lange Zeit einer der reichsten Deutschen. Sein Vermögen soll rund 6,8 Milliarden Euro betragen haben, das Firmengeflecht bestand aus über 300 Unternehmen (Stahlfirmen, Dynamit Nobel und Daimler-Benz-Aktien). Er besaß auch Villen am Wörthersee, in Düsseldorf, Palm Springs sowie ein Schloss am Bodensee. Sein Vater Friedrich hatte das Imperium gegründet, das im 3. Reich auch mithilfe von Zwangsarbeitern florierte.

Johannes Welte

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