Badewannen-Mord: Nachbarn fassungslos

"Rudi hat die Familie zerstört"

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Das Opfer: Karolina B. vor einigen Jahren bei einem Volksfest-Besuch in Rosenheim

München - Der traurige Tod von Rentnerin Karolina B. (85) aus Englschalking – noch immer sind viele Fragen offen. Eine enge Freundin spricht gegenüber der tz über das Leben des Täters Rudi K.

Über das Tatmotiv ihres Sohnes Rudi K. (58), der sie vergangenen Dienstag in ihrer Badewanne ertränkte und nun in U-Haft sitzt, gibt es bislang nur Spekulationen. Eine enge Freundin des Opfers kennt Rudi K. seit Jahrzehnten. In der tz erzählt sie über sein Leben.

Das Haus von Karolina B. in Englschalking: Hier wurde sie von ihrem eigenen Sohn in der Badewanne ertränkt

„Rudi hat die Familie zerstört und mir einen lieben Menschen genommen. Diese Tat kann ich noch immer nicht glauben, es bricht mir das Herz. Denn Rudi war ein ganz feiner Kerl und vertrug sich bestens mit seiner Mutter. Auch ich verstand mich gut mit ihm. Ich kann über die ganze Familie nur das Beste berichten“, sagt Amelie G. (82, Name geändert). „Um 1980 herum zog Karolina mit ihrem Mann in unsere Nachbarschaft. Er war Steinmetz. Sie kauften das Haus, er brachte es auf Vordermann. Wir hatten uns schnell angefreundet und tranken gerne Kaffee zusammen vor dem Haus.“

Zu dieser Zeit war Sohn Rudi, der aus der ersten Ehe des Opfers hervorging, 24 Jahre alt. „Er war damals ein Pfundskerl. Durch den Tod des Vaters war er eng mit Karolina verbunden. Der Verlust hatte sie zusammengeschweißt.“

Gerade deshalb kann Amelie G. die grausige Tat nicht verstehen. „Ich weiß, dass Rudi sie sehr sanft gepflegt hat. Auch seine Frau Alice half mit. Er war ja immer da, wenn es möglich war – denn Karolina konnte sich nicht mehr selbst versorgen. Ich hätte ihm Gewalt nie zugetraut“, sagt die enge Freundin des Opfers.

Auch eine Bekannte, die die Familie B. aus der Zeit in Niederbayern kennt, weiß viel über den Täter. „Er war so ein ruhiger Mensch, nie laut mit den Kindern. Ich kann nicht glauben, dass er so etwas fertig bringt.“ Karolina hingegen sei ein ganz anderer Typ gewesen. „Sie war schon herrisch und hat die Familie geführt. Rudi war das Gegenteil von ihr: Er hat sich alles gefallen lassen und nie widersprochen.“

Dienstag vor einer Woche jedoch tötete Rudi K. seine eigene Mutter, drückte die Seniorin minutenlang unter Wasser. „Für mich ist es schwer zu glauben, dass er die Tat geplant oder Karolina mit Absicht getötet hat. Ich denke, er hat es vielleicht im Affekt getan. Vielleicht hat sie ihn geschimpft, er wollte er sie nur kurz untertauchen und hat die Nerven verloren.“

Rudi K. selbst gestand die Tat bei der Polizei vollständig. Dem dreifachen Familienvater droht lebenslange Haft wegen Mordes.

Andreas Thieme, Sebastian Arbinger

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