Neue Details zur Bluttat von Bogenhausen

Das dramatische Ende einer großen Liebe

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Hier kam es zu der Bluttat.

München - In der Nacht zum Freitag hat sich in Bogenhausen ein Beziehungsdrama abgespielt, ein Mann (65) soll seiner Freundin ins Gesicht geschossen haben. Diese rief noch selbst die Polizei.

Wer hier im schönsten Teil des Bogenhausener Herzogparks leben darf, so denken viele, der müsste es doch wohl geschafft haben. Der muss einfach reich, glücklich und zufrieden sein.

Wie sehr man sich täuschen kann: Denn hinter der weißen Fassade der Villa in der Flemingstraße wohnten seit Monaten nur noch Kummer, Misstrauen, Streit und am Ende blanker Hass. Am Donnerstagabend entlud sich offenbar ein seit Monaten schwelender Trennungsstreit zwischen dem Zahnarzt Dr. Klaus H. (65) und seiner langjährigen Lebensgefährtin, der Juristin Sandra W. (37), in einem Gewalt­exzess, der Nachbarn und Freunde zutiefst erschreckt. Kurz vor Mitternacht soll Klaus H. seiner im Bett liegenden Lebensgefährtin aus nächster Nähe ins Gesicht geschossen haben. Das Projektil blieb in Sandra W.s Hals stecken (siehe Text unten). Trotzdem schaffte sie es noch, den Polizei-Notruf 110 zu wählen und sich um ihr Kind zu kümmern. Als die Polizei kam, lag Dr. Klaus H. im Garten. Er war offenbar in Selbstmordabsicht vom Balkon im zweiten Stock gesprungen.

Früher – da war der charmante und extrem sportliche Zahnarzt Dr. Klaus H. ein echtes Partytier. Porsche, Oldtimer-Sammlung, Stammgast im P1, Segeln, Skifahren. Seine Top-Praxis in der Sonnenstraße und sein Fleiß sicherten ihm ein Leben in Wohlstand. Seine Patienten schworen auf ihn und die Frauen liebten ihn. Doch feste Bindung und Familie waren nicht sein Ding. Seine Beziehungen hielten nie sehr lange. Bis Sandra W. in sein Leben trat. Intelligent, stilvoll, elegant, unabhängig, mit beiden Beinen immer fest auf dem Boden und so gar keine verwöhnte Luxus-Lady. Sie zähmte den wilden Partylöwen. Die kleine Tochter war die Krönung dieser Liebe. Dieses Kind und das Familienleben brachten ihm die Ruhe und Zufriedenheit, die er gesucht hatte. Er wurde ein toller Vater, machte das Kind zum Mittelpunkt seines Lebens. „Nichts im Leben ist mir wichtiger“, sagte er einmal lächelnd zu Bekannten. „Für sie würde ich alles geben – sogar meine Oldtimer-Sammlung.“

Was jedoch in den vergangenen Monaten und Wochen in der Familie geschah, wissen vermutlich nicht einmal die Freunde. Neulich brach Sandra W. – nach ihrem Befinden gefragt – mitten im Supermarkt in Tränen aus. „Sie hatte ihre Mutter verloren, an der sie sehr hing. Ich dachte, das sei der alleinige Grund gewesen“, sagte eine Bekannte am Freitag tief betroffen.

Tatsächlich sprach das einstige Traumpaar schon seit dem Herbst über Trennung und schlief in getrennten Zimmern. „Der Trennungswunsch ging von der Frau aus“, bestätigte der Erste Kriminalhauptkommissar Herbert Linder. Warum – das ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Ebenso, was den Schüssen an diesem Abend vorausgegangen war. Vermutlich litt Dr. Klaus H. mehr unter der Situation, als er sich anmerken ließ. Möglicherweise hatte er auch Angst, mit der Frau auch die geliebte Tochter zu verlieren.

Sandra W. lag kurz vor Mitternacht schon in ihrem Bett, als ihr Lebensgefährte in ihr Zimmer trat und ultimativ eine Entscheidung verlangte. „Ich werde ausziehen“, sagte sie. Da zog Klaus H. die Waffe (eine Kleinkaliber-Pistole Browning 6.35) – und drückte ab. Das Projektil drang im Bereich des Kiefers in den Hals ein. Trotzdem floh Sandra W. noch aus dem Zimmer.

Die ersten Polizisten fanden den Zahnarzt mit gebrochenem Arm im Garten. Am Freitag wurde er in die Haftanstalt des Präsidiums verlegt. Gegen ihn wird wegen versuchten Mordes ermittelt. Er hatte weder Waffenschein noch -besitzkarte. Er wird bald vernommen. Dann muss er der Polizei auch erklären, woher das Einschussloch in der Windschutzscheibe seines Porsches stammt.

Dorita Plange, Sebastian Arbinger, Uli Heichele 

Bogenhausen: Einschusslöcher in Porsche

Sandras tapferer Kampf

Trotz ihrer schweren Verletzung schaffte es Sandra W. noch, sich selbst Hilfe zu rufen und sich um ihr Kind zu kümmern, das in der gleichen Wohnung bereits schlief. Sie veranlasste mit Hilfe der Polizisten sogar noch, wer sich in den nächsten Tagen und Wochen um die kleine Tochter kümmern wird, bis sie wieder gesund ist. Der Notarzt brachte sie dann in eine Klinik, wo die 37-Jährige erst am Freitag im Laufe des Tages operiert werden konnte. Nach Angaben der Mordkommission schwebte sie am Freitag nicht mehr in unmittelbarer Lebensgefahr. Das Kleinkaliber-Projektil sitzt jedoch an einer äußerst heiklen Stelle im Hals. „Die Operation erfordert das ganze Können mehrerer Spezialisten“, erklärte ein Sprecher. „Wir gehen aber davon aus, dass sie die Operation gut überstehen wird.“

dop

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