„Eine soziale Unverschämtheit“

Bogenhausen: Neuer Vermieter will Geschäftshaus auflösen

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Die betroffenen Geschäftsleute – und die Anwohner – laufen Sturm.

München - In drei Monaten müssen die bisherigen Mieter alle raus. Nicht nur die Geschäftsleute sind empört, auch im Bezirksausschuss (BA) herrscht Bedauern. Was hilft’s? Nichts …

In drei Monaten ist es soweit. Dann müssen die bisherigen Mieter alle raus. Nicht nur die Geschäftsleute sind empört, auch im Bezirksausschuss (BA) herrscht Bedauern. „Hier wird eine gut funktionierende Infrastruktur zerstört“, sagt BA-Chefin Angelika Pilz-Strasser (Grüne). Tun kann die Stadtteilpolitikerin dagegen freilich nichts.

In dem Gebäudekomplex an der Ecke Johanneskirchner -/Freischützstraße findet man alles, was man so für den Alltag braucht. In der Ladenzeile im Erdgeschoss gibt es unter anderem Bäckerei, Metzgerei, Sparkasse, Damenmoden, Lotto- und Fotogeschäft, Änderungsschneiderei, Optiker, Sonnenstudio und Gastronomie. In den beiden Stockwerken darüber liegen diverse Arztpraxen, ein Tanzstudio, eine Ballett- und eine Kampfsportschule. Ganz oben im dritten Stock gibt es auch noch Wohnungen, sie belegen jedoch nur 20 Prozent des insgesamt 7700 Quadratmeter großen Gebäudes.

Gesamte Wohn- und Geschäftsblock ging an Investor

Der gesamte Wohn- und Geschäftsblock war im April an einen Investor verkauft worden. Der neue Eigentümer will nun den Bau komplett sanieren und die meisten Flächen zu Wohnungen umbauen. Der Vermittler der Immobilie hatte das Gebäude unter genau diesem Aspekt auf dem Markt angeboten. „Das Ensemble aus den 90er Jahren zeigte aufgrund der Analysten ein starkes Potential , u.a. auch für Umnutzungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Nach Aussagen der Geschäftsleute gehe der Investor bei der Entmietung ziemlich forsch vor. Bestehende Vertragsoptionen würden einfach übergangen, berichtetet eine Ladenbesitzerin in der jüngsten BA-Sitzung. Wer der Kündigung widerspreche, dem werde sofort erklärt, dass er keinen Neuvertrag erhalte. Und den Rest erwarte eine satte Mieterhöhung. „Wir könnten in vier Monaten wieder einziehen, aber dann für mehr als das Doppelte der jetzigen Miete.“

Wieder einziehen könnten ohnehin nur die Geschäftsleute im Erdgeschoss. Wer sein Gewerbe in den oberen Stockwerken hat, hat gar keine Chance. Dort soll nach Informationen der derzeitigen Mieter alles zu Wohnungen umgebaut werden. Der Eindruck der Gewerbetreibenden: „Die wollen das einfach ganz hochwertig bestücken.“

Kein „Neubogenhausen“

Den Bezirksausschuss haben auch bereits Schreiben von Anwohnern erreicht. Man wolle kein „Neubogenhausen“, schreibt eine Frau, die gegenüber der Geschäftsmeile wohnt. „Sondern unser lebenswertes, gewachsenes Johanneskirchen erhalten“, in dem jeder, der bisher hier gewohnt habe, auch weiterhin existieren könne. „Bitte lassen Sie nicht zu, dass hier unsere komplette Infrastruktur durch Spekulanten zerstört wird“, schreibt ein anderer Anlieger an den BA. Natürlich würden Wohnungen benötigt, aber die Anwohner bräuchten ebenso Geschäfte, Ärzte und Restaurants.

„Eine soziale Unverschämtheit“ sei das alles, findet Xaver Finkenzeller, CSU-Sprecher im BA. Doch das Stadtteilparlament könne hier nur versuchen, übers Baurecht einzugreifen. Ansonsten sei das Zivilrecht und da mische sich der Bezirksausschuss nicht ein. „Ich wünsche mir eine starke Aussage von der Stadt zum Zentrenkonzept“, sagte BA-Chefin Pilz-Strasser . Eine kleinteilige Versorgung vor Ort sei unabdingbar. Man könne nicht nur Wohnungen schaffen, man müsse auch Infrastruktur und Nahversorgung erhalten, betonte auch Wolfgang Helbig (SPD).

Der Bezirksausschuss fordert von der Stadt, über den Bebauungsplan sicherzustellen, dass es in der Häuserreihe an der Freischützstraße auch künftig kleinteilige Gewerbeeinheiten sowie Gastronomie gibt. Gegebenenfalls sei eine entsprechende Veränderungssperre zu erlassen. Die Stadt müsse diese Umwandlung verhindern.

Carmen Ick-Dietl

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