Drei Einrichtungen auf 100 Metern

Anwohner-Aufstand gegen neue Kitas

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Der Lokaltermin des Verwaltungsgerichts

München - Drei Kitas auf 100 Metern. Das geht einigen Anwohnern in Englschalking zu weit. Die Betroffenen klagen deshalb vor dem Verwaltungsgericht.

In Englschalking sollen in einer Wohnstraße gleich drei Kindertagesstätten in einer Entfernung von nur rund 100 Metern entstehen! Zwei sind bereits genehmigt – jetzt zogen die Anwohner mit einer Sammelklage vor das Verwaltungsgericht.

Immer öfter sind in München beide Elternteile berufstätig – nur wohin mit den Kindern? Da die Stadt und die freien Träger den Bedarf nicht decken können, haben private Betreiber diesen Markt längst entdeckt. So soll in der Vollmannstraße 59 die Kita Biberbau gebaut werden, geplant von der Köhling Family Services GmbH mit 72 Plätzen. Kostenpunkt: Bis zu 860 Euro pro Betreuungsplatz im Monat. Derzeit werden dort das moderne Vorderhaus sowie eine alte Villa im Garten so ungestaltet, damit dort ab Frühjahr 2014 die Kinder bilingual in Englisch und Deutsch nach Grundsätzen der Montessori-Pädagogik betreut werden können.

Einen Steinwurf entfernt werden auf Hausnummer 43 in einer denkmalgeschützten Schreinerei Gaststätten-Einrichtungen per Hand gefertigt. Die Tage des Handwerksbetriebs sind aber wohl gezählt: Hier will die Elly & Stoffl Cosimapark GmbH eine Tagesstätte mit etwa 70 Betreuungsplätzen einrichten, ebenfalls „bilingual“ – für bis zu 950 Euro im Monat.

Und dann ist auch noch an der Ecke zur Englschalkinger Straße ein Wohnkomplex geplant – inklusive Kita.

Die Anwohner sind entsetzt, sie fürchten ein Verkehrschaos sowie Kinderlärm von drei Seiten. Am Montag nun der Prozessauftakt vor dem Verwaltungsgericht. Die tz sprach mit den Beteiligten:

Kita-Betreiber Helge Köhling

Wir planen unsere Kita für Eltern, die in der ­Nähe am Arabellapark wohnen oder für ­welche, die hier auf der Durchfahrt zur Arbeit ihre Kinder ­abliefern und holen können. Außerdem planen wir einen ­Abhol- und Bringservice. Und die Trambahn-Haltestelle ist um die Ecke. Was den Lärm betrifft: Die Kinder können morgens nicht gleich raus – und nachmittags gibt es eine Siesta. Die Anwohner haben mit ihren Klagen schon eine Verzögerung von zwei Jahren verursacht.

Anwohnerin Renate Wellmann

Ich habe nichts gegen Kinder, aber drei Kitas auf so eine kurze Entfernung: Das gibt jeden Tag ein riesiges Verkehrschaos, wenn die Mamas ihre Kinder bringen. Und abends das gleiche noch mal. Wenn da eine in unserer Einfahrt parkt, kann die was erleben. Wir haben in dieser Straße nicht so viel ­Bedarf an Betreuungsplätzen. Und die Freifläche, die es hier für die Kinder geben soll, ist doch viel zu klein. Diese Kitas hier sind außerdem nur für Leute mit ganz viel Geld. Die sollen das woanders bauen.

Anwohnerin Edith Kruschel

Unser Haus hat künftig auf zwei Seiten je eine Kita. An der Nordseite trennt uns dann nur dieser Zaun von der winzigen Spielfläche, die die Kinder dort haben werden. Das wird sicher sehr laut. Und vorne an der Straße gibt es künftig zwei Mal am Tag das große Verkehrschaos. Wir haben hier vor 35 Jahren gebaut und konnten uns damals natürlich nicht vorstellen, dass es einmal so kommen würde.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

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Johannes Welte

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