Philipp Lahm ist Fußballer des Jahres

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Heinz Binder erzählt von seiner Arbeit

Er war der heimliche Herr der Flick-Villa

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Ihm blutet das Herz: Der ehemalige Haustechniker Heinz Binder steht vor der Flick-Villa, die gerade abgerissen wird.

München - Heinz Binder (60) ist Haustechniker in der Villa des 2006 verstorbenen Unternehmers Friedrich Karl Flick im Herzogpark. Für die tz blickt der heimliche Herr der Villa zurück und erzählt aus seinem Arbeitsalltag in der Technik-Festung.

Beim Vorstellungsgespräch vor 20 Jahren fielen Heinz Binder (60) fast die Augen aus dem Kopf. „In der Stellenanzeige stand: ‚Haustechniker gesucht’. Ich dachte an ein Bürogebäude. Dabei ging es um einzelnes Wohnhaus!“ Nicht um irgendeines: Binder wurde Haustechniker in der Milliardärs-Villa des 2006 verstorbenen Unternehmers Friedrich Karl Flick († 79) im Herzogpark.

Die Villa war Binders zweites Zuhause – auch noch unter den Nachmietern. Seit April fällt das Gebäude langsam in sich zusammen, der Abriss läuft (s. unten). „Das treibt mir fast die Tränen in die Augen.“ Für die tz blickt der heimliche Herr der Flick-Villa zurück und erzählt aus seinem Arbeitsalltag in der Technik-Festung der Superlative. 153 Räume, 2000 qm Wohnfläche. Luxus mit Schwimmbad und über 20 Bediensteten. Atomschutzbunker, kugelsichere Glaswände, Sicherheitsanlagen. „Mir ist nie langweilig geworden“, sagt Binder. „Obwohl Herr Flick mindestens ein halbes Jahr in anderen Häusern gewohnt hat.“ Binder war immer da, auf knapp 700 Quadratmetern im Keller.

Seine Arbeitsbereiche:

Kühlanlagen: „Es gab sechs Kühlräume: einen für Weißwein, für Rotwein, für Bier, Fleisch und einen für andere Lebensmittel – und zusätzlich einen Tiefkühlraum.“

Klimanalage: 13 große Anlagen temperierten jeden Raum einzeln. „Das war Doktor Flicks Hobby. Ich habe dafür gesorgt, dass er schnell seine Wunschtemperatur hatte.“

Öltanks: „Jeder der zwei Tanks für Heizung und Schwimmbad fasste 40 000 Liter. Das Haus hat bis zu 120 000 Liter pro Jahr Öl verbraucht.“ Den 101-Kubikmeter-Pool und den Whirlpool reinigte Binder mit Aktivsauerstoff.

Aufzüge: Zum gewöhnlichen Aufzug kam ein separater Speiseaufzug.

Telefonanlage: Laut Binder gab es 70 Telefonanschlüsse.

Melde- und Überwachungsanlagen: Neben Brand- und Störmeldeanlage gab es eine Personenruf- und eine Uhrenanlage. „Flick hatte in jedem Raum zwei oder drei Tasten – da wusste wir genau, wer wohin kommen soll.“ Die Uhrenanlage steuerte die Verbindung einer Zentraluhr mit den Nebenuhren. Die Videoüberwachung lief über zwölf Kameras auf dem 2320 qm-Grundstück.

Notstromaggregat: Wenn der Strom ausfiel, sprang automatisch ein Aggregat mit 320 Kilovoltampere an – angetrieben von einem Schiffsdiesel für Überseedampfer. Das war auch wichtig, wie Binder erklärt: „Es war ja alles elektrisch geregelt. Bei Stromausfall hätte man die tonnenschweren, schusssicheren Fenster und Türen nicht öffnen können. Außerdem wäre man nicht rein- oder rausgekommen, da die fünf Außentore elektrisch bedient wurden.“

Sichtschutz: „Die Villa hatte 50 elektrische Sonnenschutzrollos“, erzählt Binder. „Selbst die 42 Vorhangschienen wurden automatisch bedient.“

Die Flick-Villa ist bald Geschichte. Demnächst baut die Firma M-Concept hier ein geschätztes 40-Millionen-Euro-Projekt mit zehn Luxus-Eigentumswohnungen. Für Heinz Binder ist die Karriere aber nicht vorbei. M-Concept hat ihn übernommen. Mehr Erfahrung in luxuriöser Haustechnik hat wohl auch keiner vorzuweisen …

Promis feiern: Abriss-Party in der Flick-Villa

 

Seit Ende der 70er-Jahre stand die Villa von Friedrich Karl Flick (†79) auf dem Isargrundstück im Herzogpark. Es war nur eines von zahlreichen Domizilen des Unternehmers (Stahlfirmen, Dynamit Nobel und Daimler-Benz-Aktien). Jetzt tragen 35 Tonnen-Bagger und Kräne Stück für Stück der Trutzburg aus der RAF-Zeit ab, mindestens drei Monate lang. Die Kräne hieven tonnenschwere Panzerglas-Scheiben weg und ackern sich durch den Atombunker. Der riesige Schiffsdiesel muss erst zerlegt werden, die bombensichere Betondecke der Tiefgarage wird zerschnitten.

Vergangenheit und Zukunft

So wie oben sah die Flick-Villa aus. Drinnen entfaltete sich Luxus pur. Auf dem Grund der Villa entsteht nun ein moderner Komplex mit Luxuswohnungen (unten).





Friedrich Karl Flick

Friedrich Karl Flick (1927-2006) war lange Zeit einer der reichsten Deutschen. Sein Vermögen soll rund 6,8 Milliarden Euro betragen haben, das Firmengeflecht bestand aus über 300 Unternehmen (Stahlfirmen, Dynamit Nobel und Daimler-Benz-Aktien). Er besaß auch Villen am Wörthersee, in Düsseldorf, Palm Springs sowie ein Schloss am Bodensee. Sein Vater Friedrich hatte das Imperium gegründet, das im 3. Reich auch mithilfe von Zwangsarbeitern florierte.

 

nba/we

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