Kinder können nicht raus

Lärmschutzwand-Bau: Nachbar lässt den Bagger nicht durch

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Dunia Köhling im Garten der Kinderkrippe „Biberbau“. In den nächsten Wochen werden die Kinder hier nicht spielen können, weil der Bagger durchmuss.

Die Kinderkrippe in Bogenhausen muss eine Lärmschutzwand bauen, das hat ein Nachbar einst erstritten. Damit nicht genug, muss der Bagger dafür nun durch den Garten der Kita fahren, weil der Nachbar ihn nicht durchlässt. Die Kinder können vier Wochen lang nicht raus. 

München - Drei Meter hoch und 30 Meter lang soll sie werden, die Lärmschutzwand, die die Bogenhauser Kinderkrippe „Biberbau“ vom angrenzenden Grundstück trennt – das hat ein Nachbar vor zwei Jahren gerichtlich durchgesetzt. Nun gibt es ein neues Problem: Am heutigen Montag beginnen die Bauarbeiten, und die Einfahrt zur Krippe an der Vollmannstraße ist für den benötigten Bagger zu schmal. Über das Grundstück des Nachbarn käme er problemlos ran, doch der gewährt keinen Zugang. Nun kann Krippenleiterin Dunia Köhling ihre kleinen Gäste vier Wochen lang – so lange dauert es, bis die Wand steht – nicht in den Garten lassen. Die Schaukel, der Kletterturm und eine Baumstamm-Sitzgruppe müssen abgebaut werden, damit der Bagger seinen Weg findet.

Mit anderen Nachbarn gibt es keine Probleme

„Das ist purer Egoismus“, findet Dunia Köhling. Sie habe mehrfach das Gespräch gesucht. „Aber es gelten keine Argumente.“ Sie habe sogar angeboten, für sämtliche Schäden aufzukommen, die eventuell durch den Baggereinsatz auf dem Nebengelände entstehen. „Aber er macht sich trotzdem Sorgen, dass seine 35 Jahre alten Pflastersteine kaputtgehen könnten.“

Insgesamt sind es drei Grundstücke, die an Dunia Köhlings Garten grenzen. Mit den Besitzern der anderen beiden verstehe sie sich prächtig, behauptet sie. „Da ist alles kein Problem.“ Einer der beiden habe ihr sogar gestattet, dass der Bagger über seine Einfahrt auf das Krippengelände fährt. „Nun muss ich trotzdem eine Rampe bauen, damit er über den ersten Hügel kommt.“ Und auch die zuvor erwähnten Spielstationen müssen dafür weichen.

Die Kinder wollten gärtnern

Dass der Garten den Kindern ausgerechnet im April verschlossen bleibt, findet Dunia Köhling doppelt ärgerlich. „Der April ist nämlich Pflanzzeit, und wir hatten fest geplant, mit den Kindern Kresse, Tomaten und Erdbeeren anzupflanzen.“ Sogar ein Beet habe sie extra dafür angelegt. Das bleibt nun bis auf Weiteres ungenutzt, gepflanzt wird stattdessen in einem Krippenraum.

Immerhin, über diese vier Wochen hinaus will Köhling sich von der Riesenwand nichts verderben lassen. „Wir werden sie begrünen und bemalen, sodass sie richtig schön aussieht.“ Außerdem sei die Wand so positioniert, dass sie der Krippe trotz ihrer Höhe nicht das Tageslicht rauben kann. „Das sieht beim Nachbarn schon anders aus.“ Dieser verbaue sich, findet Köhling, nicht nur ein gutes Verhältnis zu seinen Mitmenschen, sondern auch noch die Sicht. Aus der Hälfte seiner Fenster sehe er bald nur noch Wand. Köhling will die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich das Verhältnis noch einrenkt. „Ich will mich nicht streiten“, sagt sie. „Ich will nur, dass man seinen gesunden Menschenverstand benutzt.“ 

Marian Meidel

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