Verunsicherung spürbar

Münchner „Schandfleck“ gammelt seit Jahren vor sich hin - dann kommt ein Vorschlag, der Anwohner erzürnt

Ärgert sich über den Leerstand: Norbert Werner wohnt in unmittelbarere Nähe zu dem Gebäudekompex.
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Ärgert sich über den Leerstand: Norbert Werner wohnt in unmittelbarer Nähe zu dem Gebäudekompex.

In Johanneskirchen steht ein beinahe komplett ungenutztes Gebäude. Darüber ärgern sich die Anwohner. Zugleich steigt die Verunsicherung. Wie geht es weiter?

  • Ein beinahe komplett leerstehender Gebäudekomplex in Johanneskirchen sorgt für Verunsicherung bei den Anwohnern.
  • Die Pläne des Eigentümers wurden vom Bezirksausschuss kassiert.
  • Nun ist auch ein Abriss und ein Neubau möglich.

München - Immer, wenn Norbert Werner am Freischützgarten vorbeigeht, ärgert er sich. „Das ist ein Schandfleck für Johanneskirchen“, klagt der 65-Jährige. In der Tat: Der 30 Jahre alte Wohn- und Gewerbekomplex an der Ecke Freischütz-/ Johanneskirchner Straße gammelt seit drei Jahren vor sich hin!

Das einst lebendige Stadtteilquartier ist verödet. Von den früheren Mietern in der Ladenzeile im Erdgeschoss - darunter Fotogeschäft, Optiker, Metzger, Bäcker, Friseur - ist allein eine Filiale der Stadtsparkasse noch ansässig. Eine Immobilienentwicklerin aus Düsseldorf, die 6B47 Real Estate Investors AG, hatte den Freischützgarten 2018 erworben. Nicht der erste Verkauf. Seit den 1990er-Jahren sah das Objekt mehrere Eigentümer kommen und gehen.

Wohnkomplex in München: Planungen des Eigentümers fallen wegen Bedenken durch

Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei den Nachbarn. Vor allem nach dem Rauswurf der Gewerbetreibenden durch den vorherigen Investor. Die ersten Planungen des aktuellen Eigentümers ließ der Bezirksausschuss Bogenhausen wegen städtebaulicher Bedenken durchfallen. Die Immobilienentwicklerin besserte nach und veranstaltete im Mai 2019 eine Bürgerwerkstatt.

Am Mittwochabend gegen 20.30 Uhr ereignete sich unweit der Allianz Arena ein tödlicher Unfall. Opfer wurde offenbar ein Fan des FC Bayern.

Der neue Vorschlag sah vor, die sechs Häuser mit drei Stockwerken plus Dachgeschoss abzureißen und durch einen fünf- bis achtstöckigen Neubau zu ersetzen. Gegen den Abriss wehren sich aber die Wohnungseigentümer im westlichen Teil des Gebäudekomplexes. Ihre Befürchtungen: Der Neubau würde den gemeinsamen Innenhof verkleinern, es könnte zu Schäden an den Bestandsgebäuden kommen. „Außerdem wird sich die neuen Wohnungen kein Normalverdiener leisten können“, schimpft eine Eigentümerin.

Ungewohntes Bild: Das einst lebendige Stadtteilquartier in Johanneskirchen ist verödet.

Komplex am Freischützgarten: Sanierung genauso möglich wie Abriss und Neubau

Die vom Investor beauftragte Kommunikationsagentur Heller & Partner versucht zu vermitteln: Noch sei nichts in Stein gemeißelt. Man sei mit der Eigentümergemeinschaft in konstruktiven Gesprächen. „Verschiedene Planungsalternativen sind zwischenzeitlich erarbeitet worden, bei denen sowohl die Möglichkeit einer Sanierung des Bestands oder alternativ Abriss und Neubau gegenübergestellt werden. Beide Varianten bieten Vorteile“, sagt Agenturchef Stephan Heller. Erst wenn man mit den Nachbarn eine einvernehmliche Lösung gefunden habe, werde man sich mit Bezirksausschuss und Stadt abstimmen.

Er versichert, dass es im Sinne des Eigentümers sei, wieder ein gut funktionierendes Ladenzentrum zu etablieren und den Platz vor dem Gebäudekomplex „attraktiv für das gesamte Viertel“ zu gestalten. „Es gibt bereits Mietinteressenten.“ Was die geplanten Wohnungen in den oberen Stockwerken betrifft, werde auch geförderter Wohnungsbau integriert. Wenn alles gut laufe, könnte das Vorhaben Ende 2022, Anfang 2023 fertiggestellt sein.

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