„Skandal“: Schwere Vorwürfe

Das Baum-Massaker von München - Anwohner entsetzt

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Rolf Rossius ist fassungslos: „150-jährige Eichen, die letzten des Prieler Waldes, wurden hier gefällt!“

20 alte Eichen auf einem Parkgrundstück in der feinen Rudliebstraße fielen den Bauplänen des neuen Eigentümers zum Opfer - doch für diese gab es noch keine Genehmigung.

Das Grundstück gleicht einem Schlachtfeld: Baumstämme liegen kreuz und quer in riesigen Bergen von Ästen. Dazwischen Baumstümpfe. Rolf Rossius ist fassungslos: „Das Grundstück wurde radikal abrasiert!“, empört sich der 74-Jährige. Was hat sich auf dem Parkgrundstück an der Rudliebstraße 2 zugetragen? 

Nachbarin meldet Rodungstrupp 

Das „Massaker“ habe sich am 9. März ereignet, sagt Rossius, der sich auf den tz-Bericht zum Kahlschlag in Harlaching bei uns gemeldet hat. Rossius wohnt nicht in Bogenhausen, besitzt dort aber Immobilien. Eine aufgeregte Mieterin habe ihn informiert: „Sie hat mich angerufen und gesagt, dass Bäume gefällt werden – an einem Samstag!“ Er war alarmiert, fuhr hin. „Die Vernichtung war in vollem Gange.“ Verzweifelt habe er versucht, auf die Arbeiter einzuwirken. Ohne Erfolg. 

Baumfäller halten sich nicht an die Absprachen 

Von der Geschäftsführung war angeblich niemand zu erreichen.“ Tatenlos musste er zusehen, wie ein Baum nach dem anderen fiel. „Es wurden 20 alte, kerngesunde Eichen gefällt!“ Zwar seien die Nachbarn über die Arbeiten informiert worden. „Aber man hat wissentlich falsche Pläne vorgelegt. Es hieß, dass man nur im Bereich der Baugrube und der Tiefgarage rodet – und jetzt sind alle Bäume gefällt!“ Aus seiner Sicht illegal: „Nicht nur, dass mitten in der Vogelbrutzeit gefällt wurde, auch die Baugenehmigung wurde noch nicht erteilt.“ 

Bauantrag noch ohne Genehmigung

Um Bäume fällen zu dürfen, müsse eine genehmigte Planung vorliegen, so Rossius, der in der Baubranche tätig ist. Ein Sprecher des Planungsreferats bestätigt auf tz-Anfrage, dass ein Bauantrag für ein Dreifamilienhaus mit Tiefgarage vorliege, aber „noch keine Baugenehmigung“ erteilt sei. 

Ein Verbrechen an der Natur

Ob widerrechtlich gerodet wurde, konnte aufgrund der knappen Anfrage bis Redaktionsschluss am Freitag nicht geklärt werden. Der Eigentümer wollte sich auf tz-Anfrage nicht äußern. Rossius will „diesen Skandal“ nicht auf sich beruhen lassen und Strafanzeige erstatten. „Es wäre im Sinne des früheren Eigentümers gewesen“, sagt er. „Er hat die Bäume gehegt und gepflegt wie seine Kinder. Vor drei Jahren ist er gestorben. Wenn er wüsste, was jetzt passiert ist – er würde sich im Grab umdrehen.

Daniela Schmitt

Lesen Sie auch: Arbeiter eilten mit Motorsägen auf Villengrundstück in Obermenzing: Zahlreiche Bäume gefällt - ohne Erlaubnis 

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