Beliebte Anlaufstelle im Viertel

Nach 35 Jahren muss er weg: Keine Duldung für Bogenhausener Lieblingsladen - Standlfrau verzweifelt

Ihr Gemüsestand soll nach 35 Jahren zumachen: Filitsa Papazissis.
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Ihr Gemüsestand soll nach 35 Jahren zumachen: Filitsa Papazissis.

Seit 35 Jahren steht schräg gegenüber vom Cosimabad ein Gemüse- und Obst-Kiosk. Doch nun soll er weg – weil er offenbar ein Schwarzbau ist. Standlfrau und Anwohner sind verzweifelt.

München - Wenn Filitsa Papazissis in der Früh ihren Stand an der Ecke Cosima-/Englschalkinger Straße aufsperrt, ist sie schon seit Stunden unterwegs. Jeden Tag um 4 Uhr holt die 57-jährige Griechin frisches Obst und Gemüse von der Großmarkthalle. Die Bogenhauser schätzen dieses Angebot sehr. Der kleine Stand ist eine beliebte Anlaufstelle im Viertel. An der belebten Kreuzung mit Tram- und U-Bahn-Haltestelle, Schwimmbad und Bogenhauser* Krankenhaus kaufen zudem viele Passanten schnell mal was ein.

München: Nachbar erstattet Anzeige - Häuschen muss weg

Nun aber soll das grüne Häuschen abgerissen werden. Einem Nachbarn ist es offenbar ein Dorn im Auge, deshalb hat er es bei der Stadt angezeigt. Die Lokalbaukommission (LBK) rückte zur Überprüfung an und stellte fest, dass der Verkaufsstand vor 35 Jahren offenbar ohne die erforderliche Baugenehmigung errichtet wurde. Eine nachträgliche Erlaubnis sei nicht möglich, weil sie dem an der Stelle gültigen Bebauungsplan widerspräche. Auch eine Ausnahme könne man nicht machen, weil man hier begrünte Freiflächen schützen müsse. Deshalb hat die Stadt die Beseitigung des Gemüsekiosks verfügt. „Der Verkaufsstand beeinträchtigt das städtebauliche Gesamtbild und stellt die Gefahr einer städtebaulich unerwünschten Vorbildwirkung dar“, heißt es in dem Bescheid.

Drama um Standbesitzerin in Bogenhausen: „Das ist meine ganze Existenz“

„Das ist meine ganze Existenz, ich habe keinen anderen Verdienst und keinen Mann, der mich ernährt“, erwidert Papazissis. Ihr Ehemann ist früh gestorben, danach hat sie allein für ihre drei Kinder sorgen müssen. Derzeit unterstützt sie noch ihre Tochter beim Studium. Vor drei Jahren hat sie den Stand von einer Freundin gepachtet. „Ich verstehe das nicht“, sagt sie, „die Stadt sollte doch froh sein, dass es noch so kleine Läden gibt.“ Eigentlich wollte sie den Obst- und Gemüseverkauf bis zur Rente betreiben. Aber nun plötzlich dieses Schreiben von der Stadt München*. „Wenn ich hier raus muss, stehe ich auf der Straße.“

Die Zerstörung der Existenzgrundlage und die Beliebtheit des Kiosks bei allen außer einem Nachbarn sind für die LBK allerdings keine Gründe. Der Gewerbebetrieb könne ja „weiterhin an einem rechtmäßigen Standort betrieben werden“, teilt sie mit. Bis Mitte Oktober muss alles beseitigt sein, sonst drohen den Besitzern, der Wohnungseigentümergemeinschaft der Cosimastraße 2, 10 000 Euro Strafe.

München: Gang zum Gemüsestand „lieb gewonnene Gewohnheit“

Die setzt sich für eine Duldung des Stands ein. „Gerade für die Älteren ist der Gang zum Gemüsestand nicht nur aufgrund der geringen Entfernung, sondern auch wegen des persönlichen Kontakts mit der Inhaberin zur lieb gewonnenen Gewohnheit geworden“, sagt Wohnungsbesitzerin Selima Niggl. Als auf der anderen Straßenseite neu gebaut wurde, habe der Bauträger sogar ausdrücklich mit dem netten kleinen Laden vor der Haustür geworben.

Die LBK suche bei derartigen Verfahren immer nach verträglichen Lösungen, erklärt das Planungsreferat auf Anfrage. Auch im vorliegenden Fall wolle man nochmals das Gespräch suchen. Letztes Jahr stand übrigens direkt neben dem grünen Kiosk noch eine sehr beliebte Dönerbude. „Alle haben sich da versorgt“, sagt Niggl, „die Gäste vom Cosimabad, die Schüler des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums – sogar die Polizei hat da Brotzeit gemacht.“

Mittlerweile wurde der Stand auf Betreiben desselben Nachbarn entfernt. CARMEN ICK-DIETL -*tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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