Eine Vision für den Nordosten

München plant: Ideenwettbewerb soll beste Variante für neues Wohngebiet hervorbringen

Umstritten: das Entwicklungsgebiet Nordost

Der Stadtrat hat am Mittwoch einen Ideenwettbewerb für die Entwicklung eines neuen Wohngebiets im Münchner Nordosten beschlossen. Eine Bebauung dürfte frühestens 2030 kommen. Parteiübergreifend wurden Enteignungen ausgeschlossen.

Der erste Spatenstich für das neue Stadtviertel liegt in weiter Ferne, doch die Emotionen kochen schon jetzt hoch. Zuletzt prangerte der Bauernverband mit harschen Worten die geplante städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) an. Im Planungsausschuss des Stadtrats war man gestern bemüht, zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren.

Ideenwettbewerb soll zeigen, welche Flächen geeignet sind

Die Fakten: 600 Hektar groß ist der Umgriff des Entwicklungsgebiets in den Stadtbezirken Bogenhausen und Trudering-Riem. Ein Viertel dieser Fläche ist im Besitz der Stadt. Der am Mittwoch gefasste Eckdatenbeschluss beinhaltet einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb. Das Ziel: Es soll eine Vision für den Münchner Nordosten entwickelt werden. Welche Flächen können bebaut werden? Wo soll Grün bleiben oder neu entstehen? Welche Formen der Mobilität sind denkbar, welche Verkehrskonzepte? Welche Zukunft hat der Pferdesport in Daglfing? OB Dieter Reiter (SPD) resümierte: „Es ist die Chance für ein modellhaftes und nachhaltiges Stadtquartier.“ Nach Ende des Wettbewerbs werde man auch klarer sehen, wie viel Fläche überhaupt bebaut wird und welche Einwohnerzahl realistisch sei.

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Die CSU hatte beantragt, dass in dem EU-weiten Wettbewerb Nutzungsdichten für 10 000, 20 000 beziehungsweise 30 000 Einwohner untersucht werden sollten. Mit diesem Vorstoß konnten sich alle Fraktionen anfreunden – mit Ausnahme der Bayernpartei, die als einzige Gruppierung den Ideenwettbewerb komplett ablehnte. Auch der Antrag der Grünen, ein möglichst autofreies Quartier zu entwickeln, wurde mehrheitlich bewilligt – allerdings gegen die Stimmen der CSU.

Parallel zu dem Wettbewerbsverfahren will die Stadt bei drei Veranstaltungen in den Dialog mit den Grundstückseigentümern und allen Bürgern eintreten. Die erste findet Mitte März statt. Die Anregungen fließen in den Wettbewerb ein, der in einer ersten Stufe bis zu zehn Entwürfe hervorbringen soll. Bis zum ersten Halbjahr 2020 soll ein Preisgericht eine Rangfolge der besten Entwürfe herausbilden. Dies ist dann die Grundlage für den Einstieg in die weitere Planung.

Klagen, dass Bürger nicht gehört werden

Die CSU hatte beantragt, das Thema zu vertagen. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Hans Podiuk sagte, der Stadtrat solle eine Informationsveranstaltung am 21. Februar abwarten. Das SEM-kritische Bündnis Nordost hat zu diesem Termin unter anderem die Fraktionsvorsitzenden der drei großen Stadtratsparteien CSU, SPD und Grüne eingeladen. Das CSU-Ansinnen wurde jedoch abgelehnt. Die planungspolitische Sprecherin der SPD, Heide Rieke, sagte, es gehe bei der heutigen Sitzung nicht um den Abschluss der SEM, sondern um die Einleitung eines Wettbewerbs. Von der Veranstaltung am 21. Februar sei kein Erkenntnisgewinn zu erwarten. Podiuk entgegnete, es gebe viele Klagen, dass die Bürger in diesem Prozess nicht gehört würden. Insofern sei es das falsche Signal, den Vertagungantrag abzulehnen.

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OB Reiter musste sich vor allem von den Grünen Kritik gefallen lassen. Es sei ein „kapitaler Fehler“, dass sich die Stadtspitze der Diskussion vor Ort bisher nicht gestellt habe, erklärte Stadtrat Herbert Danner. Dadurch habe sich die Stimmung aufgeheizt. Kritik übte Danner aber auch an der Drohkulisse des Bauernverbandes, der zu Beginn der Woche juristische Schritte angedeutet hatte und die Stadt des „Raubrittertums“ bezichtigte. „Die Stadt hat stets Enteignungen ausgeschlossen“, so Danner.

Reiter erklärte, er werde bei den kommenden Veranstaltungen präsent sein. „Sobald es Modelle gibt, über die man diskutieren kann, macht das Sinn.“ Bislang sei die Entwicklung im Nordosten nur „ein Stochern im Nebel“. Umso wichtiger sei es, den Ideenwettbewerb auf den Weg zu bringen. Reiter sagte an die Adresse der Bürgerinitiative Heimatboden und des Bauernverbandes, er habe oft betont, dass es keine Enteignungen geben werde und auch Landwirtschaft weiterhin möglich sei. „Aber ich kann sagen, was ich will: Sie glauben mir nicht.“

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