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Helfende Hände für die Pflegekräfte: 67-jährige Rentnerin packt in Münchner Klinik mit an

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Von: Katrin Woitsch

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Mit dem Essenswagen von Zimmer zu Zimmer: Für unser Foto hat Ilona Rank die FFP2-Maske kurz abgenommen.
Mit dem Essenswagen von Zimmer zu Zimmer: Für unser Foto hat Ilona Rank die FFP2-Maske kurz abgenommen. © Marcus Schlaf

Ilona Rank ist Rentnerin. Einen Teil ihrer Zeit verbringt sie im Krankenhaus in München – um Pflegekräfte bei der Arbeit zu entlasten.

München – Der Essenswagen ist voll beladen, als Ilona Rank ihn vor dem Schwesternzimmer der Station 22 parkt. Ihre Schicht hat gerade begonnen – pünktlich zur Abendessenszeit hier auf der Urologie der München Klinik in Bogenhausen. Doch bevor sie die Tabletts verteilen kann, muss Rank bei den Pflegekräften nachfragen, ob es frisch operierte Patienten gibt, die nichts essen dürfen. Sie geht mit einer Krankenschwester alle Namen durch.

Bevor Rank den Essenswagen los schiebt, lädt sie noch ein paar Flaschen Wasser auf. „Das spart Wege“, sagt sie. Effektiv zu arbeiten, hat sie längst gelernt. Obwohl ihre Schicht nur drei Stunden dauert, zeigt ihr Schrittzähler abends manchmal die Zahl 10.000. „Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Schritte Pflegekräfte nach einer Acht-Stunden-Schicht gelaufen sind“, sagt sie und macht sich auf den Weg zum ersten Patientenzimmer.

Bogenhausen: München Klinik sucht helfende Hände, um Pflegekräfte zu entlasten

Rank ist 67, eigentlich könnte sie sich ihren Hobbys widmen und den Ruhestand genießen. Stattdessen fährt sie dreimal die Woche ins Klinikum, zieht die weiße Arbeitskleidung an – und unterstützt die Pflegekräfte bei deren Arbeit. Sie macht all das, wofür keine medizinische oder pflegerische Ausbildung nötig ist. Essen verteilen, Betten neu beziehen, Lager auffüllen, desinfizieren – manchmal setzt sie sich auch einfach zu jemandem ans Bett und hört zu, wenn sie merkt, dass ein Patient etwas Beistand braucht.

Ilona Rank ist eine der helfenden Hände, die die München Klinik sucht, um Pflegekräfte zu entlasten. Das Projekt begann vor drei Jahren. „Es war leicht, Menschen zu finden, die in Voll- oder Teilzeit im Krankenhaus helfen wollen“, berichtet Barbara Stierstorfer, die Projekt-Koordinatorin in Bogenhausen. Noch leichter wurde es in der Corona-Zeit, als in vielen Branchen Jobs wegbrachen. Inzwischen ist aus dem Pilotprojekt das unbefristete Programm „100 helfende Hände“ geworden. Die München Klinik investiert in 55 Vollzeit-Stellen an den insgesamt fünf Standorten. Da viele Helfer wie Ilona Rank in Teilzeit arbeiten, werden bald mehr als 100 Servicekräfte – so lautet die offizielle Bezeichnung – im Einsatz sein.

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Vor allem Senioren haben sich bereits gemeldet, berichtet Stierstorfer. Aber auch schon einige Studenten oder Mütter, die mit einem dieser Minijobs wieder ins Berufsleben einsteigen wollen. Die Arbeitszeiten sind flexibel. „Eine Pflege-Ausbildung müssen die Helfer nicht mitbringen“, betont Stierstorfer. „Gute Laune ist wichtig und Empathie. Sie müssen selbstständig arbeiten und Prioritäten setzen können.“ Die Pflegekräfte werden durch die Helfer gezielt entlastet – und haben mehr Zeit für pflegerische Tätigkeiten.

Rentner, Studenten und Mütter helfen im Krankenhaus aus

Ilona Rank betritt das erste Patientenzimmer. Zwei Herren lächeln ihr entgegen, sie kennen sie bereits. „Ich bringe das Abendessen“, ruft Rank fröhlich und stellt die Tabletts auf den Nachttischen ab. „Möchten Sie noch ein Wasser?“, fragt sie einen der Patienten. In diesem Zimmer geht es schnell. Die beiden Männer können selbst essen, sie haben keine Extrawünsche. Manchmal muss Rank das Essen für die Patienten auch klein schneiden. Wenn sie gefüttert werden müssen, muss sie eine Pflegekraft holen, das darf sie nicht übernehmen.

Sie bringt das Essen und bekommt von den Patienten oft ein Lächeln zurück: Ilona Rank ist Servicekraft im Klinikum Bogenhausen. Sie entlastet mit ihrem Einsatz die Pflegekräfte.
Sie bringt das Essen und bekommt von den Patienten oft ein Lächeln zurück: Ilona Rank ist Servicekraft im Klinikum Bogenhausen. Sie entlastet mit ihrem Einsatz die Pflegekräfte. © Marcus Schlaf

Die beiden Männer in Zimmer 21 sind nicht die einzigen, die Ilona Rank an diesem Abend ein dankbares Lächeln schenken. „Würden Sie mir einen Kaffee mit drei Stück Zucker bringen?“, fragt ein Patient, der nicht aufstehen kann. Rank nimmt sich kurz die Zeit, bevor sie den zweiten Essenswagen holt. „Ich will kein Lob für das, was ich hier tue“, sagt sie. „Aber es ist schön, dass es gesehen wird.“ Die Dankbarkeit ist groß, erzählt sie. Sie kommt von den Pflegekräften, aber auch von den Patienten. „Ich habe das Gefühl, dass ich mit dieser Arbeit etwas Sinnvolles tue“, sagt sie und nimmt auf dem Weg zum Schwesternzimmer einen leeren Joghurtbecher und eine Tasse mit, die ein Patient auf einem Tisch im Gang abgestellt hat.

Minijob in München Klinik: Rentnerin nimmt sich auch mal Zeit für Patienten

Vor zwei Wochen saß Rank abends lange am Bett einer Frau, die sehr ängstlich war, erzählt sie. „Ich hab mir ein bisschen Zeit für sie genommen.“ Sie hat zugehört, abgelenkt – über die Krankheit hat sie nicht mit der Frau gesprochen. „Dazu könnte ich ja gar nichts sagen.“ Manchmal ist es eben einfach das bisschen Beistand, für das im Pflegealltag die Zeit fehlt.

Ilona Ranks Alltag hat sich durch ihren Minijob verändert. Nicht nur, weil sie jetzt oft auf 10.000 Schritte pro Tag kommt. „Man bekommt einen anderen Blick auf das Leben – und auf den Wert von Gesundheit“, sagt sie, als sie die letzten Essenstabletts eingesammelt hat. Sie hat das Gefühl, dass sie ihre freie Zeit hier im Krankenhaus sinnvoll einbringt. Kurz bevor sie an diesem Tag nach Hause geht, ruft ihr eine Schwester zu „Danke, dass du da warst!“ Ilona Rank lächelt. Sie ist noch nie nach Hause gegangen, ohne dass jemand diesen Satz gesagt hat.

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