87.000 Euro in Mietwohnung

Münchner Handwerker findet Geldschatz hinter Steckdose: Er und Mieterin bekommen keinen Cent - Sie sind zu ehrlich

Hinter dieser Steckdosenwand steckte der Schatz.
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Hinter dieser Steckdosenwand steckte der Schatz.

Ein Elektriker findet 2016 hinter einer Steckdose in München 87.000 Euro - und doch soll er keinen Cent davon bekommen. Das steht jetzt endgültig fest. Er und die Mieterin der Wohnung waren damals wohl einfach zu ehrlich.

München - Handwerk hat goldenen Boden, heißt es. Und in diesem Fall war es zunächst tatsächlich so: 87.000 Euro hat Elektriker Oliver Jungtäubl (54) im Dezember 2016 in einer Mietwohnung in München*-Steinhausen entdeckt. Die Geldscheine befanden sich hinter einer Steckdose – zum Teil in einer Salzdose, zum Teil in losen Bündeln (wir berichteten). Nun steht fest: Weder Jungtäubl noch die damalige Mieterin der Wohnung bekommen auch nur einen Cent davon. Sie hatten den Geldsegen damals ordnungsgemäß den Behörden übergeben.

„Die ganze Sache ist natürlich g’scheid ärgerlich“

„Die ganze Sache ist natürlich g’scheid ärgerlich“, sagt der ehrliche Finder. Jungtäubl hatte den Kampf inzwischen aufgegeben, doch die Mieterin war weiter vor Gericht gezogen. Immerhin einen Teil des Geldes (1500 Euro) als Finderlohn hatte sich die Krankenschwester erhofft. Doch das Münchner Amtsgericht entschied jetzt: Bei dem Geld handelt es sich um keine Fundsache im rechtlichen Sinn.

Das Geld landete damals zunächst im Fundbüro. Schnell kam die Frage auf: Wem gehören die 87.000 Euro? Antwort: Offenbar dem Vormieter. Der Mann lebte bis zu seinem Tod im Alter von 69 Jahren im Jahr 2010 in der Wohnung. Und tatsächlich: Im Februar 2018 treffen wir Schauspieler Axel Scholtz, einen Freund des Verstorbenen. Er sagt, sein Kumpel habe ihm von Ersparnissen an einem geheimen Ort erzählt. Auch das Fundbüro ordnete das Geld dem Vormieter zu – wegen des Datums auf der Salzdose.

Mindestens ein FInderlohn für den Elektriker?

Das Geld ging daraufhin an eine Nachlasspflegerin. Dennoch war unklar, was damit passiert. Es bestand sogar die Möglichkeit, dass Jungtäubl und die Krankenschwester sich die 87.000 Euro teilen könnten. Dank unserer Berichterstattung wollte ein Anwalt Jungtäubl kostenlos mindestens zum Finderlohn verhelfen. Aber: „Die Rechtslage war zu unklar“, so der Elektriker. Er gab auf.

Die Mieterin klagte indes gegen die Erben (vertreten durch die Nachlasspflegerin). Auch wenn noch nicht alle Erben ermittelt wurden, steht fest: Ihnen gehört das Geld. Finderlohn? Fehlanzeige! Das Gesetz regelt eigentlich, dass jedem Finder ein Finderlohn zusteht. Aber: Weil das Geld versteckt und nicht verloren wurde, greifen die Fundvorschriften nicht. L. FELBINGER -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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