Kunden: Wo sollen wir nun bloß hin?

Traurig: Traditionsgeschäft schließt nach fast 40 Jahren

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Räumungsverkauf bei Sport Kaindl: Brigitte und Fredy Kaindl sind traurig.

Seit fast 40 Jahren ist Sporthändler Fredy Kaindl (70) mit Leib und Seele für die Kunden da – in seinem Traditionsgeschäft TTS Sport Kaindl. Doch er muss schließen, weil er keinen Nachfolger findet. 

München - Er hat mehr als 50.000 Ski geschliffen, rund 20.000 Atemregler gewartet und etwa 15.000 Tennisschläger bespannt: Seit fast 40 Jahren ist Fredy Kaindl (70) mit Leib und Seele für die Kunden da – in seinem Sportgeschäft TTS Sport Kaindl an der Ismaninger Straße 136. Doch in drei Monaten ist Schluss. Da müssen Fredy und Brigitte Kaindl ihr Geschäft in Bogenhausen zusperren – weil sich kein Nachfolger findet. 

„Jeden Tag hören wir von den Kunden: ,Wo sollen wir denn hin, wenn ihr nicht mehr da seid?‘“, sagt Brigitte Kaindl (66). Angefangen haben die Kaindls – in der Freizeit Ski- und Tauchlehrer – im März 1980 mit einem 120 Quadratmeter großen Laden, der sich auf Tauchen, Tennis und Ski spezialisiert hatte (deshalb TTS). „Das waren goldene Zeiten“, erinnert sich Brigitte Kaindl. Zweimal wurde ausgebaut und das Angebot erweitert – hier lebte der Sport auf 550 Quadratmetern. 

Wenn Sportgeschäft Kaindl in München schließt, stirbt auch „ein Stück Service“

Inhaber Fredy Kaindl muss den Laden für immer schließen, weil er keinen Nachfolger findet. 

„Angefangen haben wir mit 700.000 Mark Jahresumsatz, jetzt liegen wir bei 1,4 Millionen Euro“, sagt die Münchnerin. Die Kunden schätzen den intensiven Service – dazu gibt es im Keller eine große Werkstatt für Ski- und Tauchsport. Unterwassersportler kommen aus ganz Südbayern zu Fredy Kaindl, damit er die Atemregler überprüft und die TÜV-Plaketten für die Pressluftflaschen besorgt. „Ich bin einfach gern Handwerker“, sagt Fredy Kaindl, gelernter Bootsbauer und Schreiner. Dass ab Februar Schluss ist, das mag er gar nicht so recht glauben. „Unser ganzes Wissen wird unwiederbringlich weg sein. Da stirbt ein Stück Service.“ 

Auch Brigitte Kaindl schluckt und sagt: „Natürlich freue ich mich, dass ich endlich mehr Zeit für meine Enkerl habe. Aber der Laden und das Büro waren wie unser Wohnzimmer.“ Seit gut eineinhalb Jahren suchen die beiden einen Nachfolger für das Geschäft – vergeblich. Passiert nicht noch ein Wunder, wird am 28. Februar Schluss sein. Da sperrt Fredy Kaindl nochmals um 9.30 Uhr auf. Und um 18.30 Uhr zu – zum letzten Mal nach fast 40 Jahren. 

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