Strecke zum Flughafen

Kostenexplosion! Münchner S-Bahn-Tunnel wird zum Milliardengrab

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Auf dieser Strecke soll die S-Bahn zum Flughafen unterirdisch und vierspurig verlaufen – an der Oberfläche soll ein neues Viertel entstehen. Doch nun sind die Kosten für den Tunnel erheblich gestiegen.

Die Kosten für die Express-S-Bahn-Trasse im Münchner Osten explodieren. Die von der Stadt favorisierte Variante mit einem Tunnel wird nunmehr auf 2,3 Milliarden Euro beziffert.

München - Das ist ein Schock für den Stadtrat, war man bis dahin doch von weniger als der Hälfte ausgegangen.

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher ist ein alter Hase im Geschäft. Er hat unter anderem Verkehrsplanung studiert, sitzt für die Grünen als ausgewiesener Fachmann seit 2008 im Stadtrat und besitzt zudem einen Lehrauftrag zum Thema Verkehr und Mobilität an der LMU. Paul Bickelbacher – so kann man sagen – haut in Sachen Nahverkehr so schnell nichts um. Bis gestern im Planungsausschuss.

Er sei regelrecht erschrocken, als er die neuen Kostenberechnungen für den viergleisigen Ausbau der S-Bahn-Trasse zwischen Daglfing und Johanneskirchen gesehen habe. Die Deutsche Bahn kalkuliert für die vom Stadtrat favorisierte Tunnel-Variante nun mit einem finanziellen Aufwand von rund 2,3 Milliarden Euro. Da darf sich auch ein alter Hase wie Bickelbacher mal schütteln: Zuletzt war das Projekt auf rund 970 Millionen Euro taxiert worden.

Städteplanerische Gründe sprechen für teure Variante

Der Stadtrat hatte sich bereits mehrfach für diese Variante ausgesprochen. Alternativ bestünde die Möglichkeit, die Trasse der S8 zum Flughafen oberirdisch viergleisig auszubauen oder in einem Trog. „Wir hatten ja Gründe für die Tunnel-Lösung“, sagte SPD-Stadträtin Heide Rieke. Der oberirdische Ausbau wäre zwar der kostengünstigste, weil bei der sogenannten Amtslösung Bund und Freistaat den Löwenanteil der mittlerweile geschätzten 757 Millionen Euro gestemmt hätten – auch bei diesen Kosten war die Bahn zuletzt nur von rund 400 Millionen Euro ausgegangen. Der Stadtrat hatte sich aber vor allem aus stadtplanerischen Gründen für die teurere Variante ausgesprochen. Denn auf einem Tunnel könnten noch Wohnungen entstehen. Die Troglösung bewegt sich laut Rieke nur unwesentlich unterhalb der Kostenschätzung für den Tunnel.

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Michael Mattar (FDP) sagte: „Man muss bei der Troglösung aber auch noch mögliche Landschaftsbrücken mit einbeziehen.“ Diese würden die eigentlich nach oben offene Bauweise überspannen und etwa Platz für Wege bieten. Der Tunnel sei gleichwohl „die beste Alternative“.

Unstrittig ist: Der Ausbau muss kommen   

Dass der Ausbau kommen muss, ist im Stadtrat unstrittig. Denn derzeit teilen sich Güterverkehr und S-Bahn die zwei Gleise auf etwa fünf Kilometern zwischen Johanneskirchen und Daglfing. Durch den langsameren Güterverkehr gilt die Flughafen-Strecke der S-Bahn als störanfällig. Zudem würde der Ausbau den Weg für eine Express-S-Bahn zum Flughafen freimachen.

Auf Wunsch der Grünen wird die Verwaltung nun prüfen, ob auf der Strecke ein zusätzlicher Haltepunkt mit U4-Verbindung vorgesehen werden kann. CSU-Chef Manuel Pretzl warnte allerdings: „Wir sprechen hier immer von einer Express-S-Bahn und reduzieren das ,Express‘ aber, wenn wir einen weiteren Haltepunkt einplanen.“

Bis Tunnel oder Trog gebaut sind, wird es noch einige Zeit dauern. Die Deutsche Bahn geht derzeit davon aus, dass eine Inbetriebnahme der Strecke frühestens 2037 erfolgen könnte.

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Schneller könnte es andernorts gehen. Der Planungsausschuss hat sich gestern auf eine Priorisierung beim Ausbau des Bahnknotens München festgelegt, um mit dem Freistaat Bayern gezielt über die Realisierungen verhandeln zu können.

Ein Projekt höchster Priorität ist demnach der viergleisige Ausbau der S4 zwischen Pasing und Buchenau. „Die S4 wird im Münchner Westen laufend durch andere Züge ausgebremst“, sagt CSU-Stadtrat Johann Sauerer. In dem Zusammenhang soll auch der Aubinger Bahnhof neu gebaut werden. Zudem steht der Bau eines neuen S-Bahnhalts an der Berduxstraße ganz oben auf der Liste. „Die Bewohner im Neubaugebiet Paul-Gerhardt-Allee brauchen eine gute Anbindung an den ÖPNV.“

Weitere Ausbauvorschläge: der DB-Nordring und der Regionalzughalt Poccistraße. Entscheiden muss aber letztlich die Deutsche Bahn, was zuerst gebaut wird.

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Kommentare

SeppiAntwort
(0)(0)

"Oh mann , der Transrapid wäre so toll gewesen." Da sind sehr viele aber ganz anderer Meinung - abgesehen von dem gigantischen Energieverbrauch, der alleine schon dazu benötigt wird, so eine Magnetschwebebahn "schweben" zu lassen, ohne dass das Ding auch nur einen Meter gefahren ist.

MünchnerAntwort
(0)(0)

Der Transrapid hätte diese Bahnstrecke auch nicht unter die Erde gebracht. Die ist ja nicht nur für die S-Bahn wichtig sondern auch für die Güterzüge Richtung Österreich/Italien.

Nozomi07Antwort
(0)(0)

"Geil" und "Nützlich" sind für mich zwei verschiedene Dinge. Geil war an dem Magnetdings nur das Preisschild.