Ausweichplan für Tram in Überlegung

Ärger in Bogenhausen: Jetzt mischen MVG-Chef und Bürgermeister Schmid mit

Was war, was ist und was sein könnte: Die Streckenführung der neuen Steinhausen-Tram (Endstation: S-Bahnhof Berg am Laim) und die der vormaligen und neuen Buslinie 191. Die MVG bietet jetzt an, die Tram statt nach Grünwald in die Innenstadt weiterzuführen, um die Bürger im Osten zu beruhigen.

Weil die Beschwerden über die Trambahn nach Steinhausen nicht abreißen, hat MVG-Geschäftsführer Ingo Wortmann das Thema nun zur Chefsache erklärt. Es gibt bereits Ausweichpläne.

München - Die Bürger wollen ihren alten Bus 191 zurück, so viel ist klar – und daran ließen sie auch bei der Sitzung im Bogenhauser Verkehrsausschuss am Dienstagabend keinen Zweifel. „Das primäre Thema ist der Bus zum Max-Weber-Platz“, erklärte ein Bogenhauser unter tosendem Applaus. Rund 80 Bürger waren gekommen und bliesen den Vertretern der MVG kräftig den Marsch für die aus ihrer Sicht absolut verkorkste ÖPNV-Situation. Die Linie 191 führte früher vom Zamilapark zum Max-Weber-Platz. Heute fahren alle Busse wegen der neuen Tram nach Steinhausen über den Bahnhof Berg am Laim und von dort zur Ostbahnhof-Rückseite an der Friedenstraße oder zum Michaelibad. „Das braucht doch niemand, es soll alles wieder so werden wie vorher“, schimpften etliche Anwesende.

Auch Bürgermeister Josef Schmid (CSU) hat das Thema mittlerweile aufgegriffen. Er bittet die MVG, „den nachvollziehbaren Beschwerden Rechnung zu tragen“. In erster Linie soll geprüft werden, ob der 191er wieder auf die alte Linienführung zurückgelegt werden kann. Ein weiterer Punkt: die Optimierung der Umsteigezeiten zwischen Bussen und Tram beziehungsweise S-Bahn an der Haltestelle Berg-am-Laim Bahnhof.

Freude und Leid: Im linken Bild sieht man MVG-Chef Ingo Wortmann (re.) mit seinem Vorgänger Herbert König bei der Einweihung der Tram nach Steinhausen.

Bei der MVG überlegt man mittlerweile, ob man die Tram statt nach Grünwald in die Innenstadt weiterfahren lässt. Dann könnten sich viele Fahrgäste ein weiteres Umsteigen sparen. Allerdings bräuchte die MVG dazu zwei zusätzliche Fahrzeuge, so MVG-Planer Florian Bunse, der zur Veranstaltung gekommen war. „Das geht nicht von heute auf morgen, wir haben nicht einfach Fahrzeuge auf dem Hof rumstehen.“

Arbeits- und Schulwege nun doppelt so lang

Letztendlich ist dies aber ohnehin keine Idee, mit der die Bürger zufrieden wären. Vor der Trameröffnung sei es sehr viel einfacher gewesen, in die Innenstadt zu fahren, sagen sie. Nicht nur müsse man heute meist zweimal umsteigen – der lange Weg durch den Tunnel am Ostbahnhof zur U-Bahn sei eine Zumutung, so einige ältere Damen und Herren. Für viele Zamdorfer und Daglfinger habe sich der tägliche Weg in die Arbeit nun verdoppelt. 35 Mittelschüler der Stuntzschule aus dem Bereich Zamilapark bräuchten jetzt statt 15 Minuten eine Dreiviertelstunde, beschwerte sich Rektor Torsten Bergmühl.

„Das hören wir zum ersten Mal“, erwiderten die MVG-Vertreter erstaunt. Offenbar sind diverse Beschwerdebriefe bei Referaten der Stadt hängen geblieben. Auch aus Schmids Bürgermeister-Büro seien einige Schreiben erst jetzt bei ihr angekommen, entschuldigte sich MVG-Projektleiterin Brigitte Gemmer. Auch so gebe es eine beeindruckende Zahl an Zuschriften. Trotzdem ergebe es keinen Sinn, einen Bus parallel zur Tram zum Max-Weber-Platz zu schicken. Davon wollten die erbosten Anwesenden nichts wissen. Wenn die MVG nichts ändere, „dann gehen wir nächste Woche auf die Straße und blockieren die Eggenfeldener Straße“, drohte Kilian Mentner von der Nachbarschaftsinitiative Zamdorf unter großem Beifall.

Rechts erboste Bürger aus Zamdorf, die sich durch die neue Linie nun von der Innenstadt abgeschnitten fühlen.

Frust schiebt auch MVG-Planer Bernd Fichtl. Denn an der Truderinger Unterführung steht sich die MVG quasi selbst im Weg. Die Vorrangschaltung der querenden Tram lässt die Ampel auf Rot springen, dazu noch die Drückampel am Tunneleingang – das alles produziert ständige Staus. In dem stehen freilich auch die MVG-Busse. Die Folge: Unpünktlichkeit, verpasste Anschlüsse.

Es muss sich einpendeln

Bei einer Wiedereinführung der alten Linie 191 müsse man die Wirtschaftlichkeit prüfen, betonte Projektleiterin Gemmer. Schließlich finanziere sich das Angebot aus Fahrgasteinnahmen. Manch alte Gewohnheiten funktionierten nach einer Umstellung eben nicht mehr, es müsse sich einpendeln. „Sicher ist ein Teil auch negativ betroffen.“ Den Anwesenden waren solche Erklärungen recht egal. „Geben Sie uns eine Buslinie nördlich der Autobahn, und Sie haben Ruhe. Ansonsten beschweren wir uns, bis es anders wird.“

Carmen Ick-Dietl

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