Neue Kirche für Russen

Orthodoxe Gemeinde plant Mini-Kreml in München

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So soll die Kirche aussehen, das Gemeindezentrum wird etwas kleiner.

München - An die Christ-Erlöser-Kathedrale nahe des Kreml in Moskau erinnert die orthodoxe Kirche, die in Englschalking entstehen soll. In dem Bau soll auch ein Kindergarten untergebracht werden.

Eine schneeweiße Fassade, eine große goldene und vier kleine Kuppeln, viel Stuck und Arkaden: Wie eine kleine Version der Christ-Erlöser-Kathedrale nahe des Kreml in Moskau sieht sie aus, die neue russisch-orthodoxe Kirche, die an der Knappertsbuschstraße in Englschalking gegenüber der Grundschule entstehen soll.

Die Stadt hat jetzt Amen gesagt und die Baugenehmigung für das Gotteshaus erteilt, nachdem der Bezirksausschuss Bogenhausen gegen das Projekt interveniert hatte. Das brachliegende Grundstück hatte der katholischen Kirche gehört, im Flächennutzungsplan war ursprünglich auch ein katholisches Gotteshaus vorgesehen.

2010 reichte die Tihon-Stiftung die ersten Pläne ein. Damals sollte die Kuppel 36 Meter hoch werden. Die Stiftung plant das Gotteshaus für die dem Moskauer Patriarchat unterstehende russisch-orthodoxen Gemeinde der Auferstehung Christi in Dachau und München. Derzeit finden die Gottesdienste der 1994 in der KZ-Gedenkstätte Dachau gegründeten Gemeinde im Kolpinghaus in der Innenstadt statt.

Generalkonsul erschien vor zwei Jahren persönlich im Rathaus

Vor zwei Jahren erschien der Generalkonsul der Russischen Föderation, Andrej Grozow, persönlich im Rathaus, um das in traditionellen Formen gehaltene Gotteshaus in der Stadtgestaltungskommission zu verteidigen. Zwar hätte die Kommission einen Architektenwettbewerb gewünscht, doch man fügte sich den Wünschen der Russen.

Die Kirche soll aber jetzt 6,5 Meter niedriger werden. Auch das Gemeindezentrum wurde um ein Stockwerk auf ein Obergeschoss eingestampft. Es soll eine Fläche von 555 Quadratmeter haben. In dem Bau sollen eine Kindergarten- sowie eine Kindergruppe für 37 Mädchen und Buben untergebracht werden. Außerdem wurde die Zahl der Parkplätze erhöht. Die Kirche soll rund 15 Millionen Euro kosten, wann gebaut wird, steht noch nicht fest. Neben der russisch-orthodoxen Auferstehungsgemeinde gibt es die im Jahr 1921 als Exil-Kirche gegründete Gemeinde der Kathedrale der Neumärtyrer und Bekenner Russlands im Fasangarten.

Russen in München

Seit 200 Jahren gehören die Russen zur Münchner Gesellschaft: Ein Denkmal im Finanzgarten erinnert an Dichter Fjodor Tjuttschew (1803-1873), der in München Botschafter war. Malergenie Wassily Kandinsky (1866-1944) gründete in München die Künstlervereinigung Blauer Reiter. Auch Wladimir Iljitsch Lenin (1870-1924) lebte 1900 bis 1902 an der Isar.

Unvergessen ist Väterchen Timofej (1894 -2004), der im Olympiapark die Ost-West-Friedenskirche baute. Nächstes Jahr soll der Russe Valery Gergiev (61) Chef der Philharmoniker werden. Heute sind 7802 Russen in München gemeldet, die ihre eigenen Kirchen wie die den Hl. Neumärtyrern Russlands geweihte Kathedrale im Fasangarten (Foto) haben.

Johannes Welte

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