Große Polizei-Serie

PI 22 Bogenhausen: Dienst in der Einbrecher-Hochburg

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Die Chefin an ihrem Lieblingsplatz: Andrea Ortmayr blickt durch das Fenster im Landtag auf die Maximilianstraße.

Sie sind täglich für die Münchner im Einsatz, die Frauen und Mäner der Münchner Polizei. Je nach Stadtbezirk bewältigen sie dabei ganz unterschiedliche Aufgaben. In einer Serie stellen wir Münchner Polizeiinspektionen vor. Heute: Bogenhausen.

München - Zwischen Landtag und Trabrennbahn – der Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Bogenhausen ist einer der vielfältigsten in München. Wir begleiteten die Chefin Andrea Ortmayr und Polizeihauptkommissar Daniel Schuhmann durch ihr Revier. 

Das noble Bogenhausen ist Einbruchs-Schwerpunkt

Es war kurz vor Weihnachten 2014, als bei Christa J. Einbrecher über den Balkon einstiegen. Die Tür stand offen – eine Einladung für die Täter, einen Mann und eine Frau. Sie bedrohten die Rentnerin mit einem Messer, wollten Geld. Seitdem sie Opfer dieses Raubüberfalls wurde, fühle sie sich in ihrer eigenen Wohnung nicht mehr sicher, erzählte die 75-Jährige damals.

Christa J. ist kein Einzelfall in Bogenhausen. Kein Wunder: Noble Villen mit großzügigen Gärten reihen sich hier aneinander. Der Herzogpark – durch die Montgelas- und die Oberföhringer Straße begrenzt – gilt heute als eines der vornehmsten Münchner Wohnquartiere. Im Innern der luxuriösen Anwesen vermuten die Ganoven nicht selten zurecht reiche Beute. Hauptsächlich wählen sie Häuser innerhalb des Mittleren Rings für den Einbruch. Durch die Nähe zur Autobahn sind die Täter schnell über alle Berge.

Unterwegs zwischen noblen Villen: Andrea Ortmayr, Leiterin der Inspektion, und Hauptkommissar Daniel Schuhmann in Bogenhausen.

Bogenhausen ist in der Stadt demzufolge seit Jahren das beliebteste Ziel von Einbrechern. „Da sind wir leider Spitzenreiter“, sagt Polizeidirektorin Andrea Ortmayr, seit mehr als sieben Jahren Leiterin der Inspektion 22. „Aber sonst sind wir einer der sichersten Stadtteile in der sichersten Großstadt Deutschlands“, betont die 43-Jährige und lacht. Einbrüche machen den Löwenanteil der Straftaten im 13. Stadtbezirk aus: 109 Fälle waren es 2015, die Zahl ist seit Jahren gleichbleibend hoch. Insgesamt registrierte die Inspektion 2856 Straftaten (2014 waren es noch 3073).

Mit Software wird auf Einbrecher gelauert

Ortmayr betont, dass jeder eine Menge tun kann, um den Kriminellen das Leben schwer zu machen. „Mit Alarmanlagen, Querriegeln an Türen und einer Fenstersicherung kann jeder so nachrüsten, dass es schwer ist, einzudringen.“ Kontaktbeamte informierten darüber oft an Infoständen. Die Beamten geben auch andere Tipps, etwa: Lasst den Schlüssel nicht unter der Fußmatte liegen. „Da gibt es wirklich nichts, was es nicht gibt“, sagt die 43-Jährige. Dabei hilft guter Schutz nachweislich: Fast jeder zweite Einbrecher scheitert. Auch die Opfer-Nachsorge ist den Beamten der PI 22 wichtig, denn die Chefin weiß, dass es vielen hinterher so ergeht wie Christa  J.. „Ein Einbruch in die eigene Wohnung ist für die Psyche belastend.“

Bilder: Auf Streife mit der Polizeiinspektion Bogenhausen

Damit es gar nicht so weit kommt, setzt die Polizei auf verstärkte Präsenz. Sie ist uniformiert und in zivil unterwegs. Oft radeln die Beamten durch die ruhigen Wohngegenden. Auch viele Prominente und besonders Reiche wohnen in Bogenhausen. „Die haben aber oft eigene Sicherheitsleute angestellt und sehr gute Alarmanlagen“, sagt Ortmayr. „Dort passiert wenig.“

Neben den Streifengängen setzt die Polizei auf die Hilfe der Software „Precobs“. Der Name steht für „Pre Crime Observation System“. Das Programm berechnet, wo und wann in der Stadt in naher Zukunft die nächsten Einbrüche zu erwarten sind. „Das ist eine sehr gute Ergänzung“, sagt Ortmayr.

Die Bogenhauser schwören auf den Drahtesel 

Nicht nur im Kampf gegen Einbrecher – ganz generell spielt das Fahrrad für die Beamten der PI 22 eine große Rolle. „Wir waren die erste Polizeiinspektion, die die Idee einer Radlstreife hatte“, sagt Ortmayr. „Das ist eine ganz tolle Sache.“ Bei Bedarf können sich die Beamten auf ihre Drahtesel schwingen und die zahlreichen Radler im Viertel „auf Augenhöhe“, wie sie sagen, auf Fehler hinweisen. Besonders am Herzen liegt der PI-Chefin, dass die Anzahl der Unfälle zurückgeht. Im Jahr 2016 verletzten sich bei 2781 Unfällen 301 Menschen – nahezu jeder Dritte war ein Radler.

Immer wieder werden in Bogenhausen auch Räder geklaut – oft sehr hochwertige. 283 waren es im Jahr 2015, immerhin 16 Prozent weniger als im Vorjahr. 141 Mal wurden Wertsachen aus Fahrzeugen oder gleich ganze Autos gestohlen (38 Prozent weniger als im Vorjahr).

Sehr viel Zeit verbringen die Polizisten in Bogenhausen mit „Objektschutz“. 21 784 Stunden waren sie damit beschäftigt, die 15 Berufs- und zehn Honorarkonsulate sowie neun Residenzen im Zuständigkeitsbereich zu schützen.

Die erste Inspektion, die in München Radlstreifen einführte, war die in Bogenhausen.

Vier Polizisten stehen außerdem abwechselnd am Eingang des Landtags in Haidhausen, dem „Highlight in unserem Dienstbereich“, wie Ortmayr sagt. Sie freut sich schon jetzt auf den Antrittsbesuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) Ende April. Dann wird sie oben an ihrem Lieblingsplatz am großen Panoramafenster im Landtag stehen, auf die gesperrte Maximilianstraße hinunterschauen und die Eskorte auf sich zukommen sehen. „Im Landtag sind viele Einsätze repräsentativ“, sagt sie.

Ein Fall, der berührte: das Landtags-Baby „Maxi“

Ein Schicksal, das Bürger und Polizeibeamte immer noch zutiefst berührt, ist das des Landtagsbabys Maxi. Das Kind war eingewickelt in Plastiktüten in der Grünanlage hinter dem Maximilianeum abgelegt worden – und überlebte nicht. Die stark verweste Leiche wurde im Oktober 2009 hinter einem Baum gefunden. Bis heute weiß niemand, wer die Mutter des Mädchens ist. Ein groß angelegter Gentest brachte keine Ergebnisse.

Nicht weniger bekannt als der Landtag ist der Friedensengel, der die Grenze zwischen Bogenhausen und Haidhausen markiert – viele Münchner stoßen hier auf ein neues Jahr an. Und viele Polizisten sorgen in der Silvesternacht für Ordnung. Ähnlich viele Beamte sind nur in der Innenstadt und auf dem Tollwood-Gelände im Einsatz. „Es sind zwar viele im Dienst, aber es passiert wenig“, sagt Ortmayr. „Alle feiern friedlich. Heuer waren etwa 3000 Menschen da.“

Nach außen hin wird es dörflich im Stadtbezirk

Dörflicher geht es in den außerhalb gelegenen Bereichen Oberföhring, Denning, Englschalking, Steinhausen, Zamdorf, Daglfing und Johanneskirchen zu. Neben größeren Wohnanlagen stehen dort kleine Einfamilien- und Reihenhäuser. Weitläufige Grünflächen locken Erholungssuchende und Jogger. Einsätze sind hier nicht sehr häufig. 

An den letzten großen erinnern sich die Beamten nur ungern: Im Dezember überwältigte ein noch immer Unbekannter eine 45-jährige Joggerin mit großer Brutalität, schlug sie nieder und missbrauchte sie. Dann ließ er sie liegen. Die Frau rettete sich in die Sankt Emmeramsmühle. Die Mordkommission ermittelt. „Fälle, bei denen ein Unbekannter aus dem Nichts auftaucht und eine Frau überfällt, sind wirklich extrem selten“, sagt Andrea Ortmayr. 29 Sexualdelikte registrierte sie 2015, davon fünf Vergewaltigungen. In den meisten Fällen kannten sich Täter und Opfer.

Dennoch: Andrea Ortmayr will ihren Zuständigkeitsbereich mit keinem anderen tauschen. Nicht nur das Dienstgebäude ist etwas Besonderes. „Mit den Highlights und der dichter bebauten Innenstadt bis hin zur Trabrennbahn in Daglfing ist die PI 22 an Vielfältigkeit kaum zu überbieten.“

Der Fall aus dem Viertel: Erfundene Entführung

Mehrere Tage lang hat der einstige Tankstellen-Unternehmer Peter M. die Polizei Anfang 2011 auf Trab gehalten. „Das war eine richtige Räuberpistole“, erinnert sich Polizeihauptkommissar Daniel Schuhmann, der mit dem Fall zu tun hatte. Der damals 48-Jährige, dem die Aral-Tankstelle an der Richard-Strauss-Straße gehörte, hatte hohe Schulden angehäuft und seine eigene Entführung inszeniert. Mit seinem weißen Porsche fuhr er zur Hypovereinsbank am Herkomerplatz, angeblich wollte er 2000 Euro Einnahmen einzahlen. Dann verschwand er spurlos, zurück ließ er einen Fleck seines Blutes an der Fahrertür des Porsches. Fünf Tage später tauchte Peter M. dann plötzlich wieder auf. Die Polizei durchschaute die Lüge der Entführung allerdings schnell. Der damals 48-Jährige hatte sein Leben durch Lügen und Betrügen finanziert. Irgendwann kam er dann auf die Idee, seine Entführung zu inszenieren. M. wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt. 

Das Haus der Inspektion: Ein historisch belasteter Ort

Die 90 Beamten der PI Bogenhausen rücken im Jahr zu etwa 13.000 Einsätzen aus. In ihrem Zuständigkeitsbereich leben etwa 94.000 Bürger auf einer Fläche von 25,4 Quadratkilometern. Die Dienststelle hat ihren Sitz am Prinzregentenplatz 16. Damit ist sie an einem historisch belasteten Ort untergebracht. Denn im zweiten Stock des Jugendstil-Eckhauses bewohnte Adolf Hitler in den Jahren 1929 bis 1945 eine Neunzimmerwohnung. Er zahlte für die 397 Quadratmeter Wohnfläche 4176 Mark Jahresmiete. Auch Angela „Geli“ Raubal, Hitlers (Halb-)Nichte (und möglicherweise Geliebte) zog in die Wohnung ein. Im September 1931 soll sie sich mit Hitlers Pistole in der Wohnung erschossen haben. Bis heute gibt es Zweifel an dem Suizid. Laut Grundbuchamt München wurde Hitler am 27. Dezember 1938 Eigentümer des gesamten Gebäudes. Bislang ist bekannt, dass unter anderem auch eine Wachmannschaft der SS in dem Haus wohnte. Nach dem Krieg erbte der Freistaat Bayern den ehemaligen NSDAP-Besitz. Die Polizeiinspektion 22 zog am 21. April 1998 in dieses – wie sie Beamten es nennen – „Schmuckkastl“ ein. 

Eine besondere Atmosphäre herrscht im zweiten Stock der Inspektion. Das alte Eichenholzparkett und der Kamin sind noch aus der Zeit, in der Hitler hier wohnte.

Das sind die weiteren Folgen:

Pasing:  Einbrecher und der Verkehr prägen die Polizeiarbeit.

Maxvorstadt: Das Studentenviertel kämpft mit Dieben und Rasern.

Sendling: Der starke Verkehr beherrscht den Arbeitsalltag der Beamten.

Au & Haidhausen: Tag und Nacht Einsätze in Haidhausen, am Ostbahnhof und in der Kultfabrik.

Perlach: Streitereien, Ruhestörungen und Ladendiebstähle kommen hier oft vor.

Trudering-Riem: In der Messestadt trifft sich die Welt. Auch ein Ort sozialer Spannungen.

Westend & Ludwigsvorstadt: Das Südliche Bahnhofsviertel und der Gärtnerplatz halten die Beethoven-Wache auf Trab.

Giesing: Das Viertel der Geschichte und Geschichten. Fußball ist allgegenwärtig – auch bei der Polizei.

Altstadt: Touristen, Taschendiebe und die Feierbanane machen der Polizei Arbeit.

Olympiapark: Hier sind die Schwerpunkte die vielen Veranstaltungen.

Neuhausen: Einbrüche, Trickdiebstähle und das Strafjustizzentrum sind hier Schwerpunkte.

Planegg: Grüne Idylle mit schwarzen Fleckchen. Einbrüche sind hier das Problem.

Grünwald: Die Isar und ihre zahlreichen Sport- und Freizeitmöglichkeiten bestimmen den Arbeitsalltag der Polizei.

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