Streit vor Gericht

Pool-Posse um die Thomas-Mann-Villa

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Ein Nachbar stört sich an dem Pool auf diesem Grundstück, weil Thomas Mann einst erklärt hatte, dass der Garten wirklich nur als Garten genutzt werden darf. Gilt das heute noch?

München - Was würde Thomas Mann dazu sagen? Die Frage stellt sich wirklich: Das Oberlandesgericht beschäftigt sich derzeit mit dem Nachbau seiner Villa am Herzogpark – vor allem aber mit dem Pool im Garten.

Der Vorsitzende Richter Stefan Antor unternimmt eine Zeitreise: Warum hat der große Dichter und Denker vor über 100 Jahren versichert, dass der Garten nur als Garten genutzt werden wird und darin keine genehmigungspflichtigen Bauten errichtet werden? Und wäre ein Pool nach der Münchner Stadtbauordnung von 1908 erlaubt gewesen? Fast schon Stoff für eine Novelle – auch wenn es am Ende doch nur ums Geld geht!

Es geht um diese Begebenheit: Deutschlands mächtigster Finanzmanager Alexander Dibelius (Goldman Sachs) hat das Grundstück 2001 gekauft – und die alte Villa originalgetreu nachgebaut. Allerdings kamen im Garten eine Treppe und ein Pool dazu.

Nachbar Irving Weiss­mann ärgert sich darüber und fordert den Abriss. Er pocht auf die Erklärung Manns – eine so genannte Grunddienstbarkeit. Er will eine intensivere Nutzung des Gartens auch zugunsten seiner Erben verhindern. „Vielleicht sind die Fundamente nur der erste Schritt hin zu einem Bungalow?“, sagte er gestern vor Gericht.

Alexander Dibelius selbst erschien nicht. Schon 2010 hat er vor dem Landgericht Recht bekommen. Gestern erklärte sein Anwalt in der nächsten Instanz, dass der Pool aus dem Nachbarhaus kaum zu sehen sei, auch die Richter hatten sich am Vormittag ein Bild vor Ort gemacht. Es gehe Weissmann wohl ums Prinzip.

So selbstverständlich wollten die Richter da nicht mitgehen: Sie gaben Dibelius’ Anwalt zu verstehen, dass sie Treppe und Pool womöglich für unzulässig halten, ihnen ein Abriss aber zu weit ginge. Richter Antor sagte: „Ein Vergleich kann nur lauten: Duldung gegen Zahlung.“ Die in den Raum gestellten fünf Millionen Euro Entschädigung seien aber „völlig illusorisch“. Jetzt wird verhandelt. Das Urteil soll am 22. September fallen.

David Costanzo

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