Prozessauftakt gegen die Bogenhausenerin

Praxis in Flammen! Ärztin unter Verdacht

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Großeinsatz in Bogenhausen: Am 22. August 2014 stand eine Praxis in Flammen. Laut Staatsanwaltschaft hat sie die Ärztin (r.) in Brand gesteckt.

München - Zahnärztin Dr. Julia W. (62) soll in einem Jugendstil-Anwesen in der Mauerkircherstraße Feuer gelegt haben. Der Grund: Ihr drohte der finanzielle Ruin.

Die Zwangsräumung ihrer noblen Wohnung (133 Quadratmeter) und ihrer Praxis (165 Quadratmeter) stand unmittelbar bevor. Der Bogenhausener Zahnärztin Dr. Julia W. drohte der finanzielle Ruin. Und offenbar wusste sie im August 2013 keinen anderen Ausweg mehr: Laut Staatsanwaltschaft hat die 62-Jährige in dem Jugendstil-Anwesen in der Mauerkircherstraße Feuer gelegt! Am Montag sollte ihr der Prozess gemacht werden – doch plötzlich klagte sie über Übelkeit und Durchfall.

Dem Absturz war ein Rosenkrieg vorangegangen. Ihr Mann, der ebenfalls Zahnarzt ist, ließ sich scheiden. Dr. Julia W. betrieb die zuvor gemeinsame Praxis alleine weiter, konnte aber ihren finanziellen Verpflichtungen an ihren Ex offenbar nicht mehr nachkommen. Die Wohnung wurde versteigert, ihr Mann erhielt den Zuschlag. Danach saß Dr. Julia W. auf einer halben Million Euro Schulden und musste nun endgültig raus.

Laut Anklage kaufte Julia W. in einem Großmarkt sieben Kanister mit je drei Liter Brennspiritus. Diesen schüttete sie zusammen mit 5 Litern Diesel in der Wohnung und der Praxis aus. Gegen 8 Uhr legte sie der Anklage zufolge Feuer und verließ seelenruhig das Anwesen. Dass sich in dem Haus Menschen befanden, „nahm sie billigend in Kauf“.

Die Bewohner bemerkten den Brand zum Glück rasch, so dass die Feuerwehr die Flammen in kürzester Zeit ersticken konnten. In Wohnung und Praxis entstand ein Schaden von über 200 000 Euro, aber das Haus wurde gerettet.

Die Zahnärztin ergriff die Flucht und wurde vier Tage später in ihrem BMW X5 in der Pfalz gefasst. Sie war psychisch am Ende, kam in Haft und befindet sich inzwischen im Bezirkskrankenhaus Taufkirchen.

Zwei Polizisten brachten sie gestern in den Gerichtssaal. Ihr gehe es schlecht, erklärte ihr Anwalt Hermann Borchert. Seine Mandantin könne wegen gesundheitlichen Problemen der Verhandlung nicht folgen. Die Polizeibeamten bestätigten, dass sich Julia W. während der Fahrt übergeben musste. Nach einer ärztlichen Untersuchung setzte das Gericht den Prozess aus.

E. Unfried

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