Ärger in Zamdorf

Schildbürgerstreich: Das ist eine Baum-Haltestelle

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Mitten auf dem Gehweg stand am Bushalt „Zamdorf Siedlung“ einige Wochen lang ein Baum und behinderte die Passagiere beim Ein- und Aussteigen.

Nachdem verärgerte Bürger bei der Stadt zunächst abgeprallt waren, wurde das Gehölz nun plötzlich ganz schnell wieder ausgebuddelt.

München - In München kämpfen Bürger oft um jedes Gehölz. Die Pflanzung eines Baumes in Zamdorf sorgte jedoch für Kopfschütteln: Denn er steht direkt an einer Bus-Haltestelle. Die Erkenntnis, dass dies eher ungünstig ist, reifte im Gartenbauamt allerdings nur langsam. Doch nun wurde er auf unsere Recherche wieder ausgebuddelt – ganz schnell.

An der Haltestelle „Zamdorf Siedlung“ gab es schon früher einen Baum. Er stammte noch aus den Zeiten vor der Verlängerung des Bushalts. Doch nun zeigte der alte Baum Merkmale des Verfalls – weshalb er im Frühjahr vom Gartenbauamt gefällt wurde. Wie in München üblich, wurde ein paar Wochen später ein neuer Baum gepflanzt. Genau an derselben Stelle und somit äußerst ungünstig, direkt an der Bus-Haltestelle „Zamdorf Siedlung“.

„Schilda lässt grüßen“, dachten sich Passagiere und Anwohner wie Karlheinz Schützler. Denn die Busse sind mit den Jahren immer länger geworden, da der Einzugsbereich der dort verkehrenden Linien 190 und 191 ebenfalls immer größer wurde. „Die langen Busse können die Haltestelle nun nicht mehr ordentlich anfahren, weil eine der Türen durch den Baum verstellt wird“, sagt Schützler. Regelmäßig müssten die Busse deshalb den Haltepunkt korrigieren. Mütter mit Kinderwagen oder Behinderte würden am Einstieg gehindert, Fahrgäste müssten den Baum über das angrenzende Rasenstück umgehen. Schützler: „Ein Sicherheitsrisiko und eine absolute Zumutung!“

Inzwischen wurde das störende Gehölz auf unsere Recherche hin wieder ausgegraben.

Hätte man bei der Stadt ein wenig mehr nachgedacht, hätte man den Baum auch neben das Wartehäuschen pflanzen können. Direkt auf den Grünstreifen. Als der Zamdorfer dies im Gartenbaureferat artikulierte, bekam er eine Drei-Satz-Antwort: „Sehr geehrter Herr Schützler, dort stand schon immer ein Baum. Dieser musste im Frühjahr 2017 entfernt werden, da er im Absterben begriffen war. Wie in München üblich, haben wir daraufhin einen neuen Baum als Ersatz gepflanzt.“ Ortskenntnis spielte bei der Entscheidung sichtlich keine Rolle.

Überrascht reagierte man auch bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ob des Baumes an der Haltestelle. Zwar sei dort vorher schon einer gestanden, doch der hatte Schutzplatten im Wurzelbereich, war also begehbar. Dass nun ein Erdhaufen an der Station aufgeschüttet wurde, sorgt für Erstaunen: „Das ist so nicht zielführend“, erklärt MVG-Pressesprecher Matthias Korte auf Anfrage unserer Zeitung. „Wir sind auf die Kollegen der Stadt zugegangen und warten auf eine Erklärung.“

Und siehe da: Vom Baureferat kommt auf Nachfrage unserer Zeitung die Information, man wolle den Baum nun auf den angrenzenden Grünstreifen versetzen. Und das plötzlich sogar ganz schnell: Am Dienstagmorgen wurde der Baum wieder ausgegraben. Das Loch im Gehweg ist bereits auch schon frisch zugepflastert.

Carmen Ick-Dietl

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