Die unglaubliche Geschichte von Christa J.

Münchnerin verjagt Räuber aus der Wohnung

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Christa J. zeigt auf die Stelle, an der die Einbrecher sie überraschten.

München - Christa J. erzählt ihre unglaubliche Geschichte. Zuerst wird sie von zwei Einbrechern überrascht, dann kann sie die beiden in die Flucht schlagen.

Schon im Badezimmer beschleicht sie eine böse Vorahnung. „Mein Gott, die Balkontür!“ Christa J. (73) hastet zurück ins Wohnzimmer und schließt erleichtert die offene Tür: nichts passiert. Sie setzt sich an den Tisch und zündet sich eine Zigarette an. Es ist zwei Uhr in der Nacht zum Dienstag, eine geliebte Cousine ist gestorben, das raubt der Bogenhausenerin den Schlaf.

Dann öffnet sie die Tür doch, sie braucht frische Luft. Ein Fehler. Denn wenige Minuten später stehen zwei Einbrecher in ihrem Wohnzimmer! Ein Mann und eine nur 1,32 Meter große Frau. Die droht mit einem Messer in der rechten Hand. Der Mann sagt nur ein Wort: „Geld!“

Die Täter kletterten offenbar über die kleine Mauer unter dem Balkon in den ersten Stock. Christa J. hatte davon nichts gehört. Unter Schock sagt sie: „Ich kann euch 20 Euro geben.“

Die Täter kletterten geräuschlos über den Balkon nach oben.

Die beidenEinbrecher folgen der Rentnerin in den Flur. „Ich brauche etwas zum Zuschlagen!“, schießt es ihr durch den Kopf. Dann: „Ich muss die Polizei rufen.“ Telefon und Handy haben ihr die Räuber aber bereits abgenommen. Was die beiden nicht wissen: Im Schlafzimmer hat Christa J. ein zweites Telefon. Die Kleinwüchsige schreit „Sind Sie allein?“ und stürmt ins Gästezimmer. Doch Christa J. lebt allein. Sie kramt mit zitternden Händen in ihrer Geldbörse, der Mann reißt ihr die 20 Euro aus der Hand und einen weiteren Hunderter aus dem Geldbeutel. Anschließend flüchten die beiden Ganoven zurück auf den Balkon.

Jetzt ins Schlafzimmer und die Polizei rufen? Nein, die ehemalige Geschäftsfrau Christa J. tickt anders: Langsam kocht die Wut in ihr hoch. „Was fällt denen überhaupt ein?“ Die Rentnerin hat jahrelang in den USA gelebt und mit ihrem Mann eine internationale Foto-Agentur betrieben. Als ihr Gatte vor 18 Jahren starb, zog sie allein in ein großes Haus mitten im Wald. Angst war ihr schon damals fremd.

Die Täter nahmen ihre Handtasche und zwei Telefone mit

Und jetzt wollen ausgerechnet diese beiden Anfänger sie ausrauben? Der Zorn wächst und wächst – und ist plötzlich größer als die Angst. Sie rennt den Einbrechern hinterher. Auf dem Balkon versucht die Kleinwüchsige gerade über das Geländer zu klettern, aber Christa packt sie am Schlafittchen: „Du Miststück! Nicht mit mir!“ Der Mann ruft seiner Komplizin „Benutz die Haustür!“ nach oben und klettert selbst wieder hinauf. Dann stürmen die Einbrecher zur Wohnungstür. Auf dem Weg greift sich die Frau die Handtasche der Rentnerin, dann entkommen beide durch das Treppenhaus.

Jetzt erst benutzt Christa J. das Telefon im Schlafzimmer und ruft die Polizei: „Mein Mund war ganz trocken, ich konnte kaum sprechen.“ Fünf Minuten später fährt der erste Wagen mit Blaulicht vor. Fünfzehn Minuten später ist die Flucht der beiden Einbrecher zu Ende – die Polizei schnappt die drei Täter (eine weitere Frau stand draußen Schmiere) nahe des Landtags.

Bis auf das Geld hat Christa J. alles wieder zurück. Die Polizisten hat sie gefragt, wie sie sich in Zukunft schützen könne: Ob ein Golfschläger vielleicht die richtige Waffe sei? Die Beamten rieten ihr ab. Sie empfahlen ihr die weniger brachiale Variante: Pfefferspray.

Den Tätern droht lange Haft

Die mutige Seniorin Christa J. (73) wurde offensichtlich ein Zufallsopfer dieser drei Beschaffungskriminellen, die in der Nacht zu Dienstag in Bogenhausen auf der Suche nach einem vermeintlich leichten Opfer die günstige Gelegenheit nutzten. Dafür spricht auch das große Küchenmesser, das der 19-jährigen Münchnerin gehörte und das sie ihrer kleinwüchsigen Komplizin (19) für den Raubüberfall lieh. Die Täter werden dem Drogenmilieu zugerechnet, fielen bereits wegen Eigentumsdelikten auf. Die nur 1,32 Meter große, hochaggressive Holländerin gilt als Wortführerin des Räuber-Trios. Sie hat in Deutschland keinen Wohnsitz – ebenso wie ihr 20-jähriger Begleiter, der mit ihr zusammen in die Wohnung eindrang. Die zweite Täterin ist in München gemeldet. Sie stand draußen Schmiere. Alle drei wurden dem Haftrichter vorgeführt und müssen mit mehrjährigen Haftstrafen wegen schweren Raubes rechnen.

Tobias Scharnagl

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