Stadtimkern auf dem Dach

Mitten in der Stadt: Hier entstehen 400 Kilo Honig

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Arbeit im Hochsicherheitstrakt: Nikolaus Dengler (links) und Nick Dany mit ihren Bienen auf dem Dach von Giesecke + Devrient. 

Unten Hightech, oben Natur: Auf dem Dach des Technologiezentrums von Giesecke + Devrient produzieren Stadtimker jährlich 400 Kilogramm Honig.

München - Ganz vorsichtig hebt Nick Dany die Abdeckung des Bienenstocks an, da kommen schon die ersten Brummer aus dem Kasten geschwärmt. Heute sind sie etwas unruhig, ein Wetterumschwung steht an. „Da sind die Bienen sehr feinfühlig“, sagt Dany und geht vorsichtshalber erst mal aus der Fluglinie. Der 33-jährige Imker will nach dem Rechten sehen, denn die zehn Bienenstöcke, die auf dem Technologiezentrum der Banknotendruckerei Giesecke + Devrient stehen, werden bald von den Winterbienen bevölkert.

Seit Juni 2016 hat der Hauptsitz des Münchner Konzerns für Sicherheitstechnologie bereits Nick Danys Bienen auf dem Dach – „einem der sichersten Orte Münchens“, lacht der Brandschutzbeauftragte und Sicherheitstechniker Heinrich Meister. „Um auf das Dach des Technologiezentrums zu gelangen, müssen mehrere Sicherheitsschleusen passiert werden; alles ist videoüberwacht.“

Schon in den 60er Jahren Stadtimker

„Ich bin sehr froh, dass das Bewusstsein für die große Bedeutung der Bienen in den letzten Jahren stetig gewachsen ist“, sagt Nick Dany. Die Leidenschaft für die fleißigen Insekten, deren Dienst für die Menschen so wichtig ist, hat der Geschäftsführer der DANY Bienenwohl GmbH von seinem Vater geerbt. Der war schon in den 60er-Jahren als Stadtimker in München tätig und hat sogar ein Bienen-Arzneimittel auf den Markt gebracht.

Laut Dany befindet sich die Landwirtschaft derzeit in einem Debakel: Einerseits sei die Anzahl an Nutzpflanzen, die auf Bestäubung angewiesen sind, in den letzten 50 Jahren um rund 300 Prozent gestiegen. Andererseits nähmen die Bestände vieler Bestäuber wie zum Beispiel der Honigbiene durch eingeschleppte Parasiten und Krankheiten, aber auch durch die Folgen des Klimawandels und den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft signifikant ab.

Zusammen mit seinem Schulfreund Nikolaus Dengler ist der 33-jährige Unternehmer auf die Idee gekommen, Münchner Firmen für die Bedeutung der Honigbiene zu sensibilisieren. Mit Erfolg: Seit Sommer 2016 betreuen Dany und Dengler acht Standorte in München; mit an Bord sind neben Giesecke +Devrient die Marken Linde Gas Therapeutics in Oberschleißheim sowie die Allianz Real Estate an der Ganghoferstraße.

Honig für die Mitarbeiter

Bei Giesecke + Devrient musste Dany nicht lange drängen. „Wir haben schon zuvor vom Stadthonig gehört und fanden die Idee toll, selbst Honigbienen zu halten“, berichtet Kirsten Peter, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Giesecke  +  Devrient. Trotzdem war die Umsetzung wohl überlegt. Bei rund 2000 Mitarbeitern musste zunächst eruiert werden, ob Risiken für Allergiker bestehen könnten, dann galt es einen geeigneten Standort zu finden. Auf dem Flachdach des zweistöckigen Gebäudes sind die Bedingungen nun ideal: „Die Bienen sind hier auf einer Höhe mit den Baumwipfeln der umstehenden Kastanien, Linden und Ahornbäume und finden auf dem Flachdach zudem zahlreiche Wildblumen“, erklärt Dany. „Die Bienen scheinen sich hier jedenfalls sehr wohlzufühlen. Zumindest geben sie guten Honig ab“, ergänzt der Brandschutzbeauftragte Heinrich Meister. Allein im letzten Jahr habe man vom Dach des Technologiekonzerns 400 Kilogramm Honig geerntet.

„Der Honig wird an die Mitarbeiter verkauft oder als kleine Werbegeschenke verteilt“, berichtet Peter. Dass er bald auch in der Kantine Verwendung findet, sei nicht auszuschließen – die Nachfrage sei groß. „Der Honig schmeckt wie in den Erinnerungen meiner Kindheit“, erzählt Meister. „Er hat ein ganz besonderes Aroma – so, wie er eben früher war“.

Besonders aromatischer Honig

„Stadthonig schmeckt besonders aromatisch“, bestätigt Nick Dany. Durch die vielen Wildblumen hat er eine ‚wilde‘ Note, ganz anders als reiner Sortenhonig“.

Befürchtungen, der Honig könne Schadstoffe des Stadtverkehrs enthalten, zerstreut der Unternehmer: „Die Bienen haben den natürlichen Vorteil, Schwermetalle perfekt zu filtern.“ Messungen hätten keine Belastungen des Honigs gezeigt. „Dies freut uns besonders, weil es zeigt, dass wir sogar an kritischen Stellen wie hier am Hauptsitz von Giesecke + Devrient, direkt an der Prinzregentenstraße und damit dem Beginn der Passauer Autobahn, super Honig produzieren können.“

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Unterstützung erhielt das junge Unternehmen vom Landwirtschaftsministerium. Ministerialrätin Regina Eberhart stand Dany mit ihrem Rat zur Seite. Dies half ihm, Vorbehalte der Betriebsräte auszuräumen. „Heute bekommen wir ein sehr positives Feedback: Die Mitarbeiter haben durch den firmeneigenen Honig das Gefühl, in einem engeren Kontakt zur Natur zu stehen“, erzählt Dany.

Ähnliche Projekte bei anderen Unternehmen

Ähnliche Erfahrungen machte die Versicherungskammer Bayern, die auf dem Dach ihres Giesinger Standorts an der Warngauer Straße bereits seit 2015 Bienenstöcke unterhält. „Die Idee dazu kam im Rahmen unserer firmeninternen Nachhaltigkeitswoche von Küchenchef Helmut Bittl“, erklärt Birgit Kattau von der Unternehmenskommunikation. Heute wird der Honig in der eigenen Kantine verwendet und von den Mitarbeitern sehr gern verzehrt. Gepflegt werden die rund 720.000 Insekten in 18 Behausungen von Arno Bruder, der staatlicher Fachberater für Imkerei im Bezirk Oberbayern ist.

Besonders im Vergleich zum importierten Honig schätzt Dany seine eigene Ernte: „In unserem Honig findet man eben das ganze heimische Pollenspektrum. Er wird produziert wie zu Großvaters Zeiten und schmeckt auch noch so.“ Die Philosophie kommt an. So gibt es Danys Honig seit diesem Jahr schon bei Feinkost Käfer zu kaufen.

Nicht nur in Bogenhausen auch in der Altstadt sumt es auf einem Dach - nämlich bei der Münchner Polizei

Nicole Adami

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