Seniorenheim

Nach Ärger um Pläne: Kultusgemeinde darf in Bogenhausen bauen

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Der Mann mit dem Bauplan: CSU-Stadtrat Marian Offman am Rande der BA-Sitzung in Bogenhausen.

Ein Pflegeheim mit Seniorenwohnen, Begegnungsstätte und Synagoge will die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) München bauen. Jetzt gab es grünes Licht – trotz erheblicher Überschreitung des Baurechts.

München - Nach intensiver Beratung verzichteten die Stadtteilpolitiker nun doch auf ihre ursprüngliche Forderung nach Änderung des Bebauungsplans für das Gebiet an der Eugen-Jochum-Straße. „Es geht um dringend benötigte Pflegeplätze, sämtliche betroffenen Nachbarn haben ihre Zustimmung erteilt, die Abstandsflächen werden eingehalten und wir werden durch die zusätzlichen Pflegeplätze wohl keinen großen Parksuchverkehr kriegen“, zählte CSU-Sprecher Xaver Finkenzeller die Argumente auf, die zu dieser BA-Entscheidung geführt hatten.

Finkenzeller betonte, die ursprüngliche BA-Forderung habe nichts mit Antisemitismus zu tun. „Wir haben von unserem Recht Gebrauch gemacht, uns die Pläne vorlegen zu lassen, sie in Ruhe anzuschauen und zu diskutieren.“ Dies habe rein planungsrechtliche Gründe gehabt – ohne Blick auf den Bauherrn.

Die anfänglichen Planungen wurden stark aufgestockt

Die Kultusgemeinde hatte ihre anfänglichen Planungen aufgestockt, nachdem festgestellt wurde, dass man mit dem Betrieb in dieser Größe zu tief in die roten Zahlen rutschen würde. Deshalb setzte man auf die vier Geschosse ein weiteres Staffelgeschoss, erweiterte von 70 auf 108 Pflegeplätze und vergrößerte den öffentlichen Raum im Erdgeschoss von 300 auf 1000 Quadratmeter.

Die rund 25-prozentige Überschreitung des vorhandenen Baurechts hatte auf der jüngsten BA-Sitzung für Diskussion und zu einer intensiveren Behandlung im Planungsunterausschuss gesorgt. Sie sei auch dem Umstand geschuldet, dass für das Grundstück eigentlich Wohnbau vorgesehen ist, man ein Pflegeheim jedoch anders organisieren müsse und deshalb eine andere Gebäudetiefe brauche, erläuterte Brigitte Meier, die ehemalige Münchner Sozialreferentin und jetzige Geschäftsführerin der Kultusgemeinde.

Die Mega-U-Bahn-Baustelle verhinderte den Bau am Sendlinger Tor

Doch die IKG braucht das Grundstück unbedingt. „Wir benötigen dringend Ersatz für unser derzeitiges Pflegeheim in Schwabing“, so Meier. Die Einrichtung sei veraltet, weshalb ihnen dort schon die Heimaufsicht im Nacken sitze. Ein Grundstück für einen Neubau, noch dazu für einen akzeptablen Preis zu finden, sei jedoch nicht einfach gewesen. „Wir haben eine Odyssee hinter uns.“ Eigentlich wollte die IKG der Stadt eine Fläche Ecke Blumen- und Pestalozzistraße am Sendlinger Tor abkaufen – doch die Mega-U-Bahn-Baustelle kam dazwischen. Zwei Baustellen nebeneinander wären zu viel gewesen, die IKG musste ausweichen. Nun sei man sehr froh über die Entscheidung des BA, sagte Meier. Zudem sei Bogenhausen der präferierte Standort der jüdischen Gemeindemitglieder, von denen viele im Stadtteil leben, erklärte Marian Offman, CSU-Stadtrat und IKG-Vorstandsmitglied.

Die Kultusgemeinde will das neue Heim nicht abschotten, auch wenn es aus Sicherheitsgründen eine Eingangsschleuse mit Concierge geben wird. So soll die Hälfte der Betten im Pflegebereich auch an nicht-jüdische Senioren vergeben werden können. Im Erdgeschoss soll ein Treff entstehen, der auch der Bevölkerung in Bogenhausen offen steht. Man habe der Stadt das Angebot gemacht, das Alten- und Service-Zentrum für Bogenhausen dort zu integrieren, betonten Meier und Offman, doch das soll im geplanten Bürger-Kultur-Treff Prinz-Eugen-Park bleiben. Wenn die Planungen weiter fortgeschritten seien und man auch schon eine Fassadengestaltung zeigen könne, werde man wieder in den Bezirksausschuss kommen.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Bogenhausen – mein Viertel“.

Von Carmen Ick-Dietl

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