Vergewaltigung im Englischen Garten

Video: Polizei fasst Serien-Sextäter durch Zufallstreffer

Fahndungserfolg für die Münchner Polizei: Ein 27-jähriger Türke, der als Asylbewerber nach Deutschland kam, soll im Dezember 2016 eine Joggerin im Englischen Garten vergewaltigt haben. Die Polizei erklärte, wie sie dem Täter auf die Schliche kam.

München - Diese zwei Taten schockten Bayern: Erst wurde im November 2015 eine 29-Jährige in Rosenheim vergewaltigt, dann schlug der gleiche Täter knapp ein Jahr später im Englischen Garten zu. Ist der brutale Täter gefasst? Für die Ermittler ist der Fall klar.

Das Polizeipräsidium München hat am Dienstagmittag Neuigkeiten zu dem Fall in einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Wir waren mit einem Team für Sie vor Ort. Hier gibt es das Video zum Nachschauen.

Die Kriminalpolizei hat einen Fahndungserfolg zu vermelden. Offensichtlich ist den Beamten der brutale Vergewaltiger ins Netz gegangen, der im November 2015 zuerst in Rosenheim und ein Jahr später, am 18. Dezember, auch eine Frau im Englischen Garten angegriffen hatte.

Die Karte zeigt den Tatort im Englischen Garten.

Was die Arbeit der Ermittler erschwerte: Der mutmaßliche Vergewaltiger war mit drei verschiedenen Identitäten unterwegs.  Die Familie kam im Oktober 2015 mit einem Baby mit den großen Flüchtlingsströmen aus Österreich über Kiefersfelden nach Bayern. Bei seiner Einreise gab Familienvater Murad A. (27) an, Syrer zu sein. Das war eine Lüge. Der Asylbewerber gab dann an, türkischer Staatsbürger zu sein. Inzwischen bezeichnet er sich als Kurde, der in der Oststürkei politisch verfolgt worden sei.

Die Familie zog zunächst in eine Asylbeweberunterkunft in Rosenheim. In diese Zeit fiel die erste Vergewaltigung der Rosenheimer Spaziergängerin im November 2015. Nur wenige Tage später wurde der Familie eine Asylbewerberunterkunft im Münchner Osten zugewiesen. Die Adresse gab die Polizei mit Rücksicht auf die Frau und die beiden Kinder nicht bekannt. Murad A.’s Ehefrau brachte im Frühjahr 2016 in München ihr zweites Kind zur Welt. Der Bub ist jetzt drei Jahre, das Mädchen ein Jahr alt.

Im Zuge der Ermittlungen kam der Mann als Zeuge in Betracht. Wie die Polizei dem Mann auf die Schliche kam, ist ein seltener Zufall:

In der Zwischenzeit war es Murad A. gelungen, einen Job als Hilfsarbeiter in einer Firma in der Lerchenstraße in Feldmoching zu ergattern. Der Chef dort ist ebenfalls Türke und gab dem 27-Jährigen eine Chance. In die Lagerhalle dieser Firma stiegen am Morgen des 14. Dezember 2016 zwei Räuber ein und nahmen einem Mitarbeiter im Büro mit Gewalt 1300 Euro ab. Die Spurensicherung sicherte am Tatort verschiedenste DNA-Spuren - auch von den Mitarbeitern. Vier Tage später, am 18. Dezember, wurde die Joggerin in St. Emmeram vergewaltigt. Beim Abgleich der DNA-Spuren aus dem Raubüberfall mit anderen ungeklärten Fällen dann der Treffer: Ende März verständigte die Rechtsmedizin die siebenköpfige Ermittlungsgruppe Emmeram bei der Münchner Mordkommission, dass es eine Übereinstimmung einer DNA-Spur aus dem Überfall mit der des unbekannten Vergewaltigers gibt! Alle Mitarbeiter der Firma hatten Mitte Februar freiwillig einem DNA-Abgleich zugestimmt. Auch Murad A., der sich völlig sicher zu fühlen schien. Am 31. März wurde er vor der Asylbewerberunterkunft verhaftet.

Am 19. Dezember 2016 suchten Polizisten in einem Waldstück in Oberföhring nach Spuren des Vergewaltigers.

Die Frau aus Rosenheim war damals am Inndamm von hinten überfallen worden, eine genaue Täterbeschreibung war deshalb nicht möglich. Doch der Mann hatte DNA-Spuren hinterlassen. Und das gleiche Erbmaterial wurde im Dezember 2016 in Oberföhring festgestellt, wo eine 45-jährige Joggerin in der Nähe des Wirtshauses Emmeramsmühle vergewaltigt und danach herzlos am Wegesrand liegen gelassen worden ist. Kurz danach wurde bekannt, dass der Angreifer sein Opfer bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt hatte.  Weil die Wahrscheinlichkeit groß war, dass die Frau den Überfall bei den vorwinterlichen Temperaturen nicht überlebt, hat die Mordkommission die Ermittlungen aufgenommen.

Deshalb wurde der Haftbefehl dem 27-Jährigen auch wegen versuchten Mordes ausgestellt. Beamte der Münchner Mordkommission haben den Türken bereits vernommen. Er bestreitet bislang konsequent, etwas mit den Taten zu tun zu haben. „Aber aus unserer Sicht ist die Spurenlage eindeutig“, sagte Markus Kraus.

Wie es der schwerverletzten Joggerin aus dem Englischen Garten heute geht, wollte Markus Kraus nicht sagen. „Ich denke, es ist verständlich, wenn diese Dinge nicht öffentlich gemacht werden. Die Frau ist gerade dabei, wieder in die Normalität zurückzukehren.“

Video: snacktv

Rubriklistenbild: © Ralf Kruse

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