Parküberwachungsfirma angeklagt

Abschlepp-Abzocke immer schlimmer!

Hier wartet der Abschlepper auf seinen nächsten Einsatz

München - Was ist da bloß am städtischen Klinikum in Bogenhausen los? Seit Monaten gibt es Ärger wegen einer Parküberwachungsfirma, die horrende Summen von Autofahrern verlangt.

Was ist da bloß am städtischen Klinikum in Bogenhausen los? Seit Monaten gibt es Ärger wegen einer Parküberwachungsfirma, die horrende Summen von Autofahrern verlangt, bevor sie ihr abgeschlepptes Auto wiederkriegen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Chef der Firma und einen ehemaligen Mitarbeiter erhoben – in 17 Fällen!

Das Klinikum Bogenhausen hält an dem umstrittenen Abschleppunternehmen fest

Das Klinikum lässt die Zufahrt zur Notaufnahme sowie zehn Parkplätze, an denen man 30 Minuten stehen bleiben darf, von der Parkräume KG überwachen. Die lässt die Autos wiederum von einem dritten Unternehmen abschleppen. Die Autos werden irgendwo am Straßenrand wieder abgestellt. Anfang Juli wurde die Klinik dazu verdonnert, Abschlepp-Opfern Geld zurückzuzahlen (siehe unten). Das war für das Klinikum aber kein Grund, den Vertrag zu kündigen. Jetzt kommt es noch dicker für den Chef der Parkräume KG, Joachim G. und seinen Ex-Mitarbeiter: „Wir haben Anklage beim Landgericht München I erhoben. Gegenstand sind unter anderem 17 Fälle der Erpressung und 12 Fälle der versuchten Erpressung“, bestätigt Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch der tz.

Der Grund: überhöhte Preise und die zweifelhafte Praxis, den Standort der abgeschleppten Autos erst dann preiszugeben, wenn gezahlt wurde. Außerdem sollen Kosten für Leerfahrten in Rechnung gestellt worden sein. Nach tz-Informationen werfen die Ankläger den Beschuldigten auch vor, Parkkrallen verwendet zu haben. Diese seien kein geeignetes Mittel, gegen Falschparken vorzugehen.

Die Rathaus-CSU fordert das Klinikum Bogenhausen in einem Antrag jetzt auf, innerhalb von 14 Tagen den Vertrag mit der Parkräume KG zu kündigen. Ansonsten wollen die Stadträte Robert Brannekämper und Eva Caim Strafanzeige wegen Beihilfe zur Erpressung bzw. versuchter Erpressung stellen! Möglicherweise wird sich das Klinikum nun aber doch von G.’s Firma trennen: „Unabhängig von der heutigen CSU-Anfrage hat die Geschäftsführung vor geraumer Zeit ein neues Parkraumnutzungskonzept für alle Standorte der Kliniken in Auftrag gegeben. Das Konzept beinhaltet auch eine zeitnahe Ausschreibung für Abschleppunternehmen“, hieß es gestern in einer Pressemitteilung. Joachim G. selbst wollte sich zu den Strafverfahren nicht äußern.

Diese Münchner wehren sich

Die Abschlepp-Abzocke vor dem Klinikum Bogenhausen – die tz hat mit zwei Opfern gesprochen! Der Ismaninger Andreas B. (24) musste 2011 im Mai 297,50 Euro bezahlen, um sein Auto wiederzubekommen. Er hatte seinen Vater Wolfgang (52) aus der Klinik abgeholt. Das Amtsgericht München entschied: Nur 120 Euro sind angemessen. „Die Kosten für die Überwachung der Parkplätze darf die Parkräume KG nicht dem Autofahrer aufbrummen“, erklärt Rechtsanwalt Dirk Gründler, der das Urteil erstritt. Da die Klinik Auftraggeber der Parkräume KG ist, musste sie das zu viel kassierte Geld zurückzahlen. Im Falle einer Gehbehinderten, die trotz Behindertenausweises abgeschleppt worden war, verknackte das Amtsgericht München das Klinikum dazu, 322,50 Euro zurück zu zahlen.

Auf seine eigene Art wehrte sich der Gilchinger Günter P. (66): „Der Herr von der Abschleppfirma hatte meiner Frau 140 Euro abgenommen, weil ihr Auto an der Einfahrt stand. Sie hatte eine gehbehinderte Patientin gebracht und musste einen Rollstuhl holen.“ Obwohl sie gar nicht abgeschleppt wurde, habe sie der Mann von der Parkräume KG dazu gezwungen, sofort das Geld zu bezahlen, sonst dürfe sie nicht wegfahren. Günter P.: „Angeblich war der Abschleppwagen schon unterwegs.“

Die Abschlepp-Opfer Andreas und Wolfgang B.

Am nächsten Tag setzte sich Günter P. mit einem Klappstuhl an den Parkplatz, um die Besucher des Klinikums vor dem Abschleppdienst zu warnen. „Ich wurde schließlich des Geländes verwiesen.“ Der Sprecher des städtischen Klinikums, Raphael Diecke, verweist gegenüber der tz darauf, dass es einen „Tumult im Rahmen eines Abschleppvorgangs“ gegeben habe. Günter P. bestreitet dies – und fühlt sich von der Firma verfolgt: „Am Abend fuhr der Herr von der Parkräume KG vor meiner Haustüre in Gilching auf und ab!“ Auf tz-Anfrage erklärte Geschäftsführer Joachim G.: „Es wurde aufgrund des Verhaltens von Herrn P. eine Überprüfung in Gilching vorgenommen.“ Mehr wollte er dazu nicht sagen.

Rechtsanwalt Gründler zufolge gibt es rund 6000 weitere Betroffene, die von der Parkräume KG – auch auf Supermarktparkplätzen – abgeschleppt worden seien. Seit dem jüngsten Urteil hätten sich schon mindestens elf weitere Betroffene beim Klinikum gemeldet, die Geld zurück fordern. Johannes Welte

J. Welte

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