Skurriler Fall vor Gericht

Prügel-Protz lügt Nachbarn in den Knast

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Boguslaw K. (l.) brachte seinen unschuldigen Nachbarn Damiano D. in den Knast.

München - Erst wurde Damiano D. vom Nachbarn Boguslaw K. brutal zusammengeschlagen. Dann landete er unschuldig im Knast - wegen einer miesen Lüge. Am Donnerstag musste sich der eigentliche Täter vor Gericht verantworten.

Boguslaw K. (39) ist ein Mann wie ein Schrank – und wenn er trinkt, dann wird er aggressiv. Er weiß: „Ich habe ein Problem mit Alkohol.“ Für seine jüngsten Ausraster musste er sich gestern vor dem Amtsgericht verantworten. Denn der gebürtige Pole verprügelte seine Lebensgefährtin und einen Nachbarn – und sorgte dann dafür, dass die Polizei den unschuldigen Mann stundenlang festhielt. Vor Gericht gab Boguslaw K. alles zu – in der Hoffnung, noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon zu kommen. Das gelang nicht: Der mehrfach vorbestrafte Trockenbaumeister wurde zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.

Die Begegnung mit seinem Opfer im Gerichtssaal war Boguslaw K. sichtlich unangenehm. Der 42-jährige Damiano D., der in Neuaubing in derselben Straße wohnt wie der Angeklagte, hatte in der Nacht auf den 20. August 2012 die Alkohol-Launen des Polen zu spüren bekommen. Der saß mit Freunden im Garten, hatte gegen 1.15 Uhr mehr als zwei Promille im Blut. Weil es zu laut wurde, riefen Nachbarn die Polizei – und K. ging irrtümlich davon aus, dass es Damiano D. gewesen sei.

Vor dessen Haus ging er auf den Italiener los, schubste ihn zu Boden, schlug ihn mit der Faust ins Gesicht und verpasste seinem am Boden liegenden Opfer noch einen Tritt. Der Italiener erlitt unter anderem eine Rippenprellung und etliche Schürfwunden.

Weil Boguslaw K. fürchtete, dass Damiano D. Anzeige erstatten würde, stiftete er seine Lebensgefährtin zu einer folgenschweren Falschaussage an: Sie erzählte der Polizei, Damiano D. habe versucht, sie auf der Toilette des Hauses zu vergewaltigen. Die Polizisten nahmen den verletzten Mann um 2.30 Uhr vorläufig fest. Erst am nächsten Mittag durfte er das Polizeipräsidium wieder verlassen. Eine verschämte Entschuldigung von Boguslaw K. wollte Damiano D. vor Gericht nicht annehmen: „Ich war am ganzen Körper verletzt“, sagte er. „Und es ist nicht schön, zehn Stunden lang unschuldig in einer Gefängniszelle zu sitzen.“

Wegen der falschen Beschuldigung muss sich auch die Lebensgefährtin des Polen demnächst vor Gericht verantworten. Sie hatte ebenfalls unter seinen Gewaltausbrüchen zu leiden: Rund vier Wochen vor der nächtlichen Prügelei war die Polizei gegen 12 Uhr mittags schon einmal zum Wohnhaus von Boguslaw K. gerufen worden. Zeugen meldeten eine „blutüberströmte Frau“ auf der Straße – es war die Freundin des Polen. Er, mit Blutspuren auf der Hose und geschwollenen Knöcheln, ging dann auch noch auf die Polizisten los. Sein Alkoholpegel lag damals knapp unter zwei Promille.

Vor Gericht beteuerte er nun, eine Therapie machen zu wollen. Er habe schon „im Internet geschaut“, aber noch keinen Platz gefunden. Das Gericht kaufte ihm diesen Vorsatz nicht ab. „Sie hätten sich längst mit Ihrem Anwalt besprechen können, wie man weiter vorgeht“, sagte die Vorsitzende Richterin. „Ihre Sozialprognose ist äußerst problematisch.“ Boguslaw K. nahm das regungslos zur Kenntnis – ihm bleibt die Möglichkeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen.

Ann-Kathrin Gerke

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