Geschäftsleute klagen

Bombensperrung: „Die Umsatzeinbußen tun weh“

München - Die Ruhe vor der Detonation machte am Dienstag vor allem die Geschäftsleute und Gastronomen nervös. Sie mussten ihre Geschäfte, Cafes, Bühnen und Kinos geschlossen halten. Einige beklagten sich, sie seien nur ungenügend informiert worden.

Der Fund der Fliegerbombe an der Feilitzschstraße 7 hat auch die Geschäftsleute und Gastronomen in der unmittelbaren Umgebung in Atem gehalten. Die durch die Evakuierung erzwungenen Einnahmeverluste von wenigstens einem Tag treffen sie besonders hart.

Hier geht's zum Live-Ticker vom Dienstag!

Alleine in der Karstadt-Filiale an der Ecke zur Leopoldstraße arbeiten 250 Angestellte. „Wenn einem der Umsatz eines ganzen Tages flöten geht, aber die Personal- und übrigen Kosten weiterlaufen, tut das natürlich weh“, sagte Filialgeschäftsführer Thomas Bollmeyer gestern auf Anfrage, ohne den Verlust genau beziffern zu wollen.

Am Montagabend hatten seine Leute das Gebäude auf Geheiß der Polizei bis 20.30 Uhr räumen müssen – zwar nach Ladenschluss, aber: „Normalerweise verlassen wir das Haus wegen der fälligen Nacharbeiten erst um 21.30 Uhr.“ Eigentlich hoffte Bollmeyer, er könne die liegen gebliebene Arbeit am nächsten Morgen nachholen. „Aber gegen 6.30 Uhr bekam ich einen Anruf des Einsatzleiters, dass das Geschäft am Dienstag geschlossen bleiben muss.“ Mittels „Telefonketten“ habe man die Angestellten informiert. Doch die Mitarbeiter des Delikatessenmarktes Perfetto, die ihre Schicht früher beginnen, habe man nicht mehr erreicht. „Die standen dann vor verschlossener Tür.“ Nur sprichwörtlich, denn sie kamen gar nicht erst ins abgesperrte Gebiet.

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

Während sich Bollmeyer gestern nicht beschwerte, nannte Max Eisenrieder vom „Cafe Münchner Freiheit“ die offizielle Informationspolitik gegenüber den gastronomischen Betrieben „recht dürftig“. „Am Montag um 19.30 Uhr kam die Polizei und sagte, dass wir um 20.30 Uhr den Ausschank einstellen müssen – die Leute sind aber schon vorher gegangen, weil es ihnen zu ungemütlich geworden ist. Gegen 1.30 Uhr in der Nacht wurden die Personalwohnungen für unsere sechs Lehrlinge geräumt, und wann immer man jemand von der Polizei fragt, wie es weitergeht, sagen die: ,Hört Radio‘“, ärgerte sich der Konditor. „Dabei sind wir direkt betroffen. Wir müssen 20 Mitarbeiter bei Laune halten – unsere Task Force“, sagte er. Denn eine Stunde nach Ende der Sperrung sollte das Café wieder öffnen.

Auch Michael Kampschulte von der Kneipe „Barschwein“ an der Franzstraße 3 zeigte sich nicht begeistert. Er durfte sein Lokal am Montag um 18 Uhr gar nicht erst aufsperren. „Aber wir haben bis 5 Uhr morgens geöffnet, also standen meine Leute am Siegestor umsonst in Bereitschaft.“ Das habe „irre Kosten“ verursacht, „weil hier keiner Bescheid wusste“. Gestern ging die Ungewissheit weiter. Kampschulte: „Bei mir steht das Telefon nicht still, weil die Leute wissen wollen, wie es um ihre Reservierungen steht.“

Thomas Kuchenreuther bestätigte, dass sich viele Kunden telefonisch bei ihm erkundigten, ab wann sie denn nun ins Kino könnten. Kuchenreuther leitet zusammen mit seinem Bruder Steffen die Kinos an der Münchner Freiheit, die Leopold Kinos und das ABC Kino an der Herzogstraße 1a.

Evakuierung! Entschärfung! Bombenfund unter Schwabinger 7

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

Ganz bitter: Seit einem Jahr renovieren Kuchenreuthers das ABC, bringen den 1914 erbauten Saal auf den neusten Stand der digitalen Technik. Am heutigen Mittwoch sollte das Kino wieder aufmachen – nun muss verschoben werden: Der Eröffnungsfilm „360“ von Fernando Meirelles mit Anthony Hopkins, Jude Law und Rachel Weisz läuft erst am Samstag. „Das sind riesige Einbußen“, klagt Kuchenreuther. Acht Vorstellungen von „360“ fallen aus, mit jeweils etwa 300 Besuchern. Am Montagabend und gestern hat er die anderen beiden Kinos mit insgesamt sieben Sälen zugesperrt lassen müssen und so etwa 950 zahlende Zuschauer verloren.

Nebenan, an der Feilitzschstraße 6, sitzt die Filmproduktions- und -verleihfirma Constantin Film AG. Montags vermietet sie deutschlandweit Filme an Kinos – diesmal „Wer’s glaubt wird selig“ und den großen Neustart „Step Up 4“. Diese Arbeit habe man glücklicherweise noch erledigen können, sagte Vorstand Martin Moszkowicz. Gestern jedoch ging bei Constantin gar nichts mehr.

„Natürlich ist das höhere Gewalt“, betonte Moszkowicz. Doch auch er kritisierte insbesondere die Kommunikationspolitik der Stadt. „Wir hätten uns hier eine proaktivere Kommunikation gewünscht. Informationen bekommen wir nur über Zeitungen und Teletext.“ Selbst die Internetseite www.muenchen.de der Stadt habe erst dienstagmittags eine aktuelle Meldung geboten und die Hotline wisse nichts Neues.

Rathaussprecher Stefan Hauf wehrte sich gegen die Vorwürfe. Man wolle eben nur „konsolidierte Informationen verbreiten“. „Die Lage ist unübersichtlich, wir haben ein spezielles Problem und brauchen Spezialisten, die sich erst ein Bild machen müssen.“

Kleinkunst-Impresario Till Hofmann sieht die Dinge gelassener. Zwar ist er besonders betroffen – er leitet in dem Viertel das Lustspielhaus, die Lach- und Schießgesellschaft, das Vereinsheim, das Café Ringelnatz und die Galerie Truk Tschechtarow – und er musste gestern den Auftritt des Clowns Jango Edwards im Lustspielhaus absagen (der am heutigen Mittwoch soll stattfinden). Aber er sagte: „Hilft ja nichts – Hauptsache, niemand kommt zu Schaden.“

Johannes Löhr

Auch interessant

Kommentare