Bombendrohung am Pasinger Bahnhof

München - Eine Bombendrohung hat gestern dazu geführt, dass der Pasinger Bahnhof geräumt wurde. Der S-Bahn- und Zugverkehr in der Stadt kam weitgehend zum Erliegen. Nach mehr als einer Stunde hob die Polizei die Sperrungen auf: Es gab keine Bombe.

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Die Drohung, die explizit den Pasinger Bahnhof betraf, ging um 12.45 Uhr telefonisch in der Rettungsleitstelle ein. Sofort wurde die für die Bahn zuständige Bundespolizei alarmiert, deren Experten die Drohung als ernstzunehmend klassifizierten. Ein Notfallplan trat in Kraft: Der Zugverkehr wurde angehalten, Polizisten sperrten den Bahnhof weiträumig ab.

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Kurz nach 13 Uhr räumte ein Großaufgebot der Polizei das Bahnhofsgebäude und die Bahnsteige. Nur wenige Minuten blieben den Geschäftsleuten, ihre Läden zu verlassen. „Wir konnten nicht einmal mehr die Würstl vom Grill nehmen“, berichtet eine Mitarbeiterin an der Imbiss-Theke von „Yorma’s“. „Zum Glück war er ganz niedrig eingestellt.“ Filomena Gramaglia von der Rischart-Filiale im Bahnhofsgebäude bestätigt: „Wir haben alles stehen und liegen lassen. Es hieß: ,Einfach zu und raus!‘“

Während sich an den Absperrungen Schaulustige und Reisende drängten, durchstreiften Sprengstoffspezialisten mit drei Suchhunden das Gebäude. „Das dauert seine Zeit“, erläuterte Berti Habelt, Pressesprecher der Bundespolizei. „Es ist ein altes, verwinkeltes Gebäude mit vielen Läden. Da haben die Hunde natürlich zu kämpfen.“ Vor allem die Vielfalt der Gerüche vom Würstlgrill bis zu Tabakwaren verwirre die empfindlichen Nasen der Sprengstoffhunde. „Es hat aber auch keinen Wert, noch mehr Hunde in das Gebäude zu schicken. Die stören sich nur gegenseitig.“

Währenddessen ging auf den Schienen kaum noch etwas. Reisende im Regionalverkehr aus Garmisch strandeten in Tutzing, Züge aus dem Allgäu wurden in Geltendorf angehalten. Die wichtige Verbindung München–Augsburg war von 13.10 Uhr bis 14.21 Uhr in Mering gekappt. Bei der S-Bahn fuhren nur noch die Linien 1, 2 und 7 nach Plan. Von Westen kommend endeten die S 4 in Lochhausen, S 8 in Puchheim, S 5 in Germering-Unterpfaffenhofen und S 6 in Planegg. Für die Linien aus Osten war am Ostbahnhof beziehungsweise in Giesing Endstation. Nur die S 8 fuhr durch bis zum Hauptbahnhof. Tausende Schüler kamen nur auf Umwegen oder mit Verspätung nach Hause. Die S-Bahnhöfe zwischen Hauptbahnhof und Pasing wurden nicht mehr bedient. Wer hier unterwegs war, versuchte sein Glück in der parallel verlaufenden Tram 19. Weil deren Kapazität dem Ansturm nicht gewachsen war, setzte die Leitstelle kurzfristig Busse zur Verstärkung ein. Die kamen auf der Landsberger Straße jedoch nur schleppend voran, weil der Rückstau von den Absperrungen am Bahnhof den Verkehr behinderte.

Selbst Einsatzfahrzeuge, die aus der Innenstadt nach Pasing beordert wurden, hingen stellenweise im Stau fest.

Um 14.21 Uhr hatten die Sprengstoff-Spezialisten jeden Winkel des Pasinger Bahnhofs abgesucht und waren sicher: Hier gibt es ist keine Bombe. Ein Expertenteam, das um 14.19 Uhr mit Spezialausrüstung eingetroffen war, brauchte den ferngesteuerten Roboter gar nicht mehr aus dem Lkw zu holen. Die wartende Menge strömte wieder ins Bahnhofsgebäude – vorbei an Arkan Nazem Mohamed von Burger King, der im Geiste bereits seinen Verlust addierte. „Bestimmt 2000 Euro“, sagte er. „Wir haben das komplette Mittagsgeschäft verloren. Das ist für uns die wichtigste Zeit.“ Zwölf Kilogramm Pommes, fünf Dutzend Hamburger und mehr als 250 „Nuggets“ seien in der Sperr-Stunde unverkäuflich geworden.

Viel teurer wird der Alarm-Tag für den Urheber der Bombendrohung werden, den die Polizei nun fieberhaft sucht. 80 Beamte waren im Einsatz – und Polizei wie Bundespolizei sind fest entschlossen, die Kosten dem Verursacher in Rechnung zu stellen. Auch die Bahn behält sich Schadenersatzforderungen vor. Eine sechsstellige Summe ist da schnell beisammen. Dazu kommen strafrechtliche Konsequenzen. „In solchen Fällen verstehen wir keinen Spaß“, sagte Oberstaatsanwalt Anton Winkler. Hier sei durchaus auch eine Haftstrafe möglich.

Peter T. Schmidt

Rubriklistenbild: © Bodmer

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