Er zog der Bombe den Stecker

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Er hat im wahrsten Sinne des Wortes einen Bomben-Job: Sprengmeister Martin Tietjen mit dem Zünder

München - Dieser Job ist niemals Routine“, sagt Sprengmeister Martin Tietjen vom Kampfmittelräumdienst. Er hat am Donnerstag die amerikanische Fliegerbombe an der Landsberger Straße entschärft!

Auch wenn tausende S-Bahnfahrgäste zwischen Donnersberger Brücke und Pasing lange warten und Autofahrer große Umwege in Kauf nehmen mussten: Die Sicherheit geht vor. Ein kleiner Fehler – und es rummst!

Ein Baggerfahrer hatte um 17.10 Uhr den Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg auf einer Baustelle zwischen der Bahnlinie und der Landsberger Straße aus dem Boden geschaufelt. „Es handelte sich um eine amerikanische 500-Pfund-Bombe“, so Tietjen. „Da sind 120 Kilogramm Sprengstoff drin.“ Diesen Bombentyp mittlerer Größe mit Aufschlagzünder hatten „Fliegende Festungen“ (Boeing B-17) zu tausenden über München abgeworfen. Die wichtige Bahnlinie zwischen Pasing und Hauptbahnhof wurde besonders häufig attackiert.

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In Absprache mit der Feuerwehr legte die Polizei einen Sperr-Radius von 500 Metern fest. 555 Menschen aus den umliegenden Gebäuden mussten evakuiert werden. Gegen 21.30 Uhr konnte sich Tietjen ans Entschärfen machen. Der verrostete Zünder enthielt wenig, aber hochbrisanten Sprengstoff. Dieser musste entfernt werden. „Da gehen wir Schritt für Schritt vor“, erklärt Tietjen. Gegen 22 Uhr, war es endlich geschafft: Entwarnung!

Was passiert jetzt mit der Bombe? „Die bringen wir nach Ingolstadt. Dort wird die Bombe aufgeschnitten, der Sprengstoff entsorgt.“ Wenn sich der Zünder einmal nicht entfernen lässt, muss Tietjen vor Ort sprengen: „Das ist die letzte Möglichkeit.“ Dies war am selben Tag an der Domagkstraße (Schwabing-Freimann) nötig, wo eine 550 Kilogramm schwere Bombe entdeckt worden war. Auf dem weitläufigen Gelände musste niemand evakuiert werden, Schäden gab es keine.

Schätzungen zufolge sind 10 bis 20 Prozent der von den alliierten Flugzeugen abgeworfenen Bomben nicht explodiert. Das heißt, dass in München wohl noch viele hundert Blindgänger unter der Erde liegen. Entdeckt werden die tückischen Sprengkörper gewöhnlich bei Baggerarbeiten.

Eberhard Unfried

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