Ältestes Gewerbe der Welt dicht

Auszeit für die Liebe: Münchner Bordelle dicht - Betreiber drohen mit Klage

„Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz“: Anwalt Christian Finke erwägt eine Klage
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„Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz“: Anwalt Christian Finke erwägt eine Klage.

Der Corona-Lockdown hat auch das älteste Gewerbe der Welt getroffen. Bordelle müssen nach wie vor geschlossen bleiben. Deshalb überlegen Betreiber sogar, nun zu klagen.

  • Aufgrund der Hygiene-Schutzbestimmungen haben Münchens Bordelle seit geraumer Zeit geschlossen.
  • Die Betreiber des ältesten Gewerbes der Welt ziehen eine Klage gegen den Freistaat Bayern in Erwägung.
  • Der Leidensdruck ist groß - wir haben uns bei den größten Clubs der Stadt umgehört.
  • Mehr zu diesem Thema gibt es in unserer App.

München - Flure voller Freier – so kennt man das Caesar’s World, Münchens größtes Laufhaus. Doch aktuell ist alles anders. Seit dem 17. März sind körperliche Liebesdienste verboten, die Gänge im Laufhaus entsprechend dunkel und leer. Vor der Tür steht jetzt ein Anwalt. „Rechtlich ist es nicht nachvollziehbar, dass Bordelle nicht öffnen dürfen“, sagt Christian Finke (44).

Wann dürfen Bordelle nach Corona wieder öffnen? Branche droht der Ruin

Der Jurist erwägt nun eine Klage gegen den Freistaat – denn noch immer ist unklar, wann die Dienste wieder angeboten werden dürfen. „Es gibt aktuell keine Prognose“, sagt Oliver Barnert, Sprecher der Münchner Polizei. Fitnessstudios und sogar Massagesalons dürfen aber wieder aufsperren. Ist das noch verhältnismäßig? „Nein“, sagt Finke. „Aus meiner Sicht liegt ein Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz vor.“ Dazu kommt: „Die so pauschal gehaltene Corona-Verordnung droht eine ganze Branche in den Ruin zu treiben.“ 

Das älteste Gewerbe der Welt: Aus Sicht des Anwalts lässt es sich nicht dauerhaft verbieten. „Man sieht ja, dass immer mehr Frauen sich jetzt illegal prostituieren.“ Die Polizei bestätigt das. „Im laufenden Bordellbetrieb, das zeigt die Erfahrung, können Polizei und Kreisverwaltungsreferat ihre Arbeit dagegen sehr gut kontrollieren.“

Für das Rotlichtmilieu ist die Schließung bitter. „Wir hatten bis jetzt mindestens 1,3 Millionen Euro an Umsatzeinbußen“, sagen Jürgen G. (56) und Wolfgang K. (50), die neben dem Caesar’s World auch den berühmten „Leierkasten“ betreiben. Dazu kommen noch Nebenkosten im fünfstelligen Bereich sowie die Miete. „Zum Glück sind uns die Vermieter entgegengekommen und haben uns unterstützt. Dafür sind wir dankbar.“

Münchens ältestes Bordell Leierkasten: Nun droht auch Wettbewerbsverzerrung

Der Leidensdruck bleibt trotzdem groß. Bei den Clubs, bei den Frauen – aber auch bei den Kunden. „80 bis 100 rufen täglich bei uns an und fragen, ob wir schon geöffnet haben“, sagt Jürgen G., der seit mehr als drei Jahrzehnten in der Branche arbeitet. „So eine Situation habe ich noch nicht erlebt. Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept entworfen, aber die Behörden lassen uns einfach nicht öffnen.“ Mit Anwalt Christian Finke prüfen die beiden Bordellbetreiber deshalb eine Klage.

Auch der Leierkasten ist schwer gebeutelt. Hunderte Kunden besuchen Münchens ältestes Bordell sonst täglich: 45 Zimmer stehen bereit. Im Keller steht Geschäftsführer Deniz M. jetzt zwischen Bergen von Plastiksäcken: Darin haben die Prostituierten ihre Sachen eingelagert.

Es ist ruhig geworden im Leierkasten. „Für uns ist das ein Riesenproblem“, sagt Deniz M. Er hat die Zeit für Renovierungen genutzt und die Bar umgebaut. Doch die Ungewissheit bleibt. Neuer Ärger könnte nun drohen, falls Bordelle in anderen Bundesländern früher öffnen dürfen als in Bayern. Jürgen G. sagt: „Das wäre Wettbewerbsverzerrung.“ Er will seine Flure wieder voll haben – wie früher.

Das Coronavirus ist für viele Branchen eine gefühlt unendliche Zerreißprobe. Dabei entstehen viele kreative Lösungen, um durch ungewöhnliche Wege das Geschäft zu beleben. Ein bayerisches Bordell bietet eine irre Lösung. Dieser Sommer wird für viele ein ganz anderer werden als gewohnt. Besonders vielen wird das Oktoberfest fehlen - doch ein spektakulärer Plan dürfte hellhörig machen.

Ein Münchner scheiterte 2017 an einem Türsteher, weil dieser ihn für zu alt hielt. Der damals 44-Jährige zog nun erneut vor Gericht - und hat einen kuriosen „Beweis“.

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