Wanderhure: Wie wild war Mittelalter-Sex in München?

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Auch "Rache der Wanderhure" war ein Quotenerfolg

München - Millionen sahen den zweiten Teil der "Wanderhure" am Dienstag auf Sat.1. Wie wild ging es im Mittelalter bei käuflichem Sex in München zu?

Triebhaft, brutal und ungezügelte Sexualität sind die gängigen Klischees für das düster Mittelalter, wie sie Dienstag Abend in der „Rache der Wanderhure“ des Sat.1-Quotenhits in voller Breite zu sehen waren. Aber nicht nur am Bodensee, wo die Geschichte der Wanderhure spielt, war die Prostitution im Mittelalter in voller Blüte. Auch in München wurden in der Mitte des 15. Jahrhunderts die ersten Bordelle eröffnet – von Kirchenmännern heftig bekämpft, aber von Staatsmännern als „notwendiges Übel“ von Amts wegen geduldet.

Heinz Gebhardt

1433 eröffnete das erste offizielle Bordell

Der Anger auf einem Gemälde von Otto von Ruppert: Hier ist die Stelle, an der im Mittelalter das erste Bordell Münchens stand

Das erste Münchner Freudenhaus für die „gemeinen Dochderlein“ wurde 1433 auf Initiative der Herzöge Ernst und Wilhelm III. in der Mühlgasse am Anger zwischen der heutigen Hauptfeuerwache und der Schrannenhalle eröffnet, „ daz dadurch vil ybels an frawen und jungkfrawen verhindert werde“, oder anders ausgedrückt: Das „notwendige Übel“ des ausserehelichen Geschlechtsverkehr sollte in geregelte Bahnen gelenkt und unter Kontrolle gehalten werden. Das erste Bordell hatte zwölf Zimmer und wurde einem „Frauenmeister“ oder einer „Frauenmeisterin“ geleitet, die vom damaligen Stadtrat ernannt und vereidigt wurden. In ihrer Dissertation über die „Prostitution und Sittenpolizei im München der Jahrhundertwende“ fand die Historikerin Dr. Sibylle Kraft sogar die Namen von Münchens ersten Puff-Müttern heraus: 1569 leitete Apolonia Reinhard, 1571 Barbara Schwarzin und 1576 Magdalena Greynerin das Freudenhaus.

Der Henker beschützte die Freudenmädchen

Die ersten Lustdirnen wohnten am Sendlinger Tor

Die ersten Münchner „Lustdirnen“ um das Jahr 1425 standen nicht nur unter der Kontrolle des Scharfrichters, sondern wohnten auch in dessen unmittelbaren Nachbarschaft am Sendlinger Tor. Zum einen waren sie durch ihn und seine Henkersknechte vor Übergriffen geschützt, zum anderen signalisierte ihr Aufenthaltsort auch ihre Stellung am den Rand der Münchner Gesellschaft.

Harte Strafen für geheime Prostitution

Der Scharfrichter überwachte die ersten Prostituierten in der Stadt

So diszipliniert geregelt das Leben in Münchens erstem Bordell war, so heftig wurde gleichzeitig die geheime Prostitution, die „Winkelhurerey“, verfolgt und bestraft: So wurden 1533 „mehrere liederliche, öffentliche Unzucht treibende Weibspersonen“ an den Pranger gestellt, ausgepeitscht und der Stadt verwiesen. Mit der Reformation, der Gegenreformation und der ungeheuren Ausbreitung der Syphilis ein Jahrhundert später endet auch der mittelalterliche Bordellbetrieb in München durch neue Gesetze: Die Reichspolizeiverordnung von 1530 verbot jeden außerehelichen Beischlaf“.

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Stadtrat regelte das Leben der Prostituierten

Prostituierte und Spieler – sie gehörten zum Leben im oft zügellosen Mittelalter

In der „Frauenwirts-Ordnung“ von 1563 legte der Münchner Stadtrat detailliert Rechte und Pflichten der Prostituierten fest: So durften die Wohngebühren von 2 Silberpfennigen pro Kunde ausschließlich zum Unterhalt des Bordells und zu Reparaturen verwendet werden. Der Frauenmeister oder die Frauenmeisterin musste die Mädchen täglich mit drei ausreichenden Mahlzeiten versorgen, wobei eine Frau während der Menstruation Anspruch auf eine zusätzliche Ration Eiern hatte. Geschenke von ihren Freiern durften die Freudemädchen behalten, außerdem durften sie sich mit beliebig viel Wein eindecken und am Sonntag zur Heiligen Messe gehen.

Hofbräu-Gründer stoppt die „gemeyne Hurerey“

Herzog Wilhelm V. gründete das Hofbräuhaus – doch Freudenhäuser mussten raus

Das letzte Münchner Bordell, diese „Freistatt der Zügellosigkeit“, wurde vom Gründer des Hofbräuhauses, Herzog Wilhelm V., 1579 geschlossen. In den folgenden Epochen war Prostitution in München einerseits stillschweigend geduldet und andererseits aber auch hart bestraft, wie zum Beispiel im „Codex Juris Bavarici Criminalis“ von 1751: „Gemeyne und offenbare Hurerey, welche mit jedermann ohne Scheu um Gewinns willen betrieben wird, oder auch in Gestalt der Ehe gepflogener Beyschlaf, ist mit der Landesverweisung oder noch schärfer zu bestraffen.“ Erst als nach der Französischen Revolution und als Bayern von Napoleon zum Königreich erhoben worden ist, erlebte München als Königliche Haupt- und Residenzstadt einen wahren Ansturm von Prostituierten und Bordellen.

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