Botox-Opfer klagt an: "Ich leide bis heute!"

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Marianna L. (39) traute sich nach der „Behandlung“ von Halil H. (32) nicht mehr vor die Tür.

München - Die Frauen pilgerten zu Botox-Arzt Halil H. (32, Name geändert), um schöner zu werden. Allerdings spielte H. ein falsche Spiel, denn er hatte keine Zulassung.

Sie sind nun für ihr Leben gezeichnet. Zum Beispiel Marianna L (39, Name geändert): Nach einer Spritze bildeten sich in ihrem Gesicht eine großflächige Entzündung, Knötchen, Schwellungen und Abszesse. „Ich hab mich nicht mehr vor die Türe getraut.“ Inzwischen sind die Blutergüsse und Entzündungen zwar abgeklungen, aber loswerden wird Marianna L. sie ihr ganzes Leben lang nicht mehr.

Weil sich der Kunststoff Aquamid nie mehr aus ihrem Gewebe unter der Haut entfernen lässt. Seit Freitag muss sich Halil H. nun vor Gericht verantworten. Irre: Der Mann, der sich als Botox-Arzt ausgab, ist nur Kosmetiker! Spritzen hätte er überhaupt nicht verabreichen dürfen. Nadelstreifenanzug, gegelte Frisur – im Gerichtsaal war sofort klar, dass der 32-Jährige viel Wert auf Äußerlichkeiten legt. Die fünf Monate in Untersuchungshaft ließ er sich nicht anmerken.

Wichtig war ihm auch, zu sagen, dass er „Gefallen an der Verschönerung hat. Ich wollte deshalb unbedingt unterspritzen“. In einer Erklärung räumte er ein, an mehr als 25 Patienten (darunter auch ein Mann) Schönheitsbehandlungen per Spritze vorgenommen zu haben. Fügte dann aber frech hinzu, er habe geglaubt, die Spritzen setzen zu dürfen, weil er doch Zahnmedizin studiert habe und sich zum Heilpraktiker ausbilden ließ.

Dagegen spricht allerdings, dass der 32-Jährige auch noch unbeirrt weiterspritzte, als ihm 2010 das Amtgericht München per Eilbeschluss verbot, medizinisch oder kosmetisch tätig zu werden. Denn schon damals litten sechs Frauen schwer unter den Folgen seines Pfusches. „Wenn das so ist, tut es mir leid“, erklärte er lapidar.

Für Nebenklägerin Karin M. (Name geändert) ist das nicht genug. „Ich habe noch immer Schmerzen und werde oft auf die Knötchen unter meinen Augen angesprochen“, berichtete die 59-jährige Maskenbildnerin.

Zwischen 100 und 150 Euro hat sie für eine Behandlung bei dem Pfuscher ausgegeben, die Nachoperationen haben sie inzwischen 2500 Euro gekostet. Das Urteil wird für Montag erwartet.

Susanne Sasse

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