Nach Rauswurf aus Disco

Mann (42) versucht Türsteher anzuzünden

München - Brandanschlag auf zwei Türsteher: Ein 42-Jähriger hat seine Opfer mit Benzin übergossen und versucht, sie anzuzünden. Warum aus der Anklage wegen Mordversuch Körperverletzung wurde.

Er musste die Disko verlassen, sein Eintrittsgeld bekam er nicht zurück – das wollte Emilian P. einfach nicht akzeptieren. Weil der Rumäne daraufhin zwei Türsteher mit Benzin übergoss und anzünden wollte (wir berichteten), wurde der 42-Jährige am Montag vom Münchner Landgericht zu vier Jahren Haft wegen schwerer Körperverletzung verurteilt. Ein vergleichbar mildes Urteil für den Trockenbauer, der ursprünglich wegen versuchten Mordes angeklagt war.

Rückblick: Es war die Nacht vom 5. auf den 6. November 2011. Emilian P. besuchte gemeinsam mit einem Freund die Münchner Diskothek „Insomnia“ an der Wilhelm-Hale-Straße. Weil er dort Bier verschüttete und fälschlicherweise für eine zerbrochene Flasche verantwortlich gemacht wurde, mussten P. und sein Begleiter die Disko schon bald verlassen. Vor der Tür des Tanzlokals kam es daraufhin zu einer Diskussion mit den Türstehern. Schließlich verließ P. den Ort des Geschehens und steuerte geradewegs auf eine nahegelegene Shell-Tankstelle zu. Er füllte eine Bierflasche mit Benzin, kaufte ein Feuerzeug und kehrte zur Disko zurück. Hier bespritzte er die zwei 34 und 35 Jahre alten Türsteher mit einem Teil des Benzins und versuchte erfolglos sein Feuerzeug zu zünden. Daraufhin gelang es dem älteren der Türsteher, P. mit einem Schlag ins Gesicht außer Gefecht zu setzen. Der 35-Jährige wurde durch das Benzin am Auge verletzt, sein Kollege hatte mit psychischen Folgen zu kämpfen: Er gab seinen Job als Türsteher auf.

Nach der Urteilsverkündung wandte sich der zuständige Richter an Emilian P.: „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht.“ Insbesondere die Frage, ob es sich im vorliegenden Fall um ein versuchtes Tötungsdelikt gehandelt habe, sei lange diskutiert worden. Schließlich sei die Strafkammer jedoch zu dem Schluss gekommen, das kein bedingter Tötungsvorsatz erkennbar sei. Unter anderem sei die Benzinmenge sehr klein gewesen und hätte sich nicht durch den kleinsten Funken entzünden lassen. Zudem sei bei den jungen, kräftigen Opfern damit zu rechnen gewesen, „dass sie sich reaktionsschnell schützen würden“.

Bei der Bemessung des Strafmaßes hätte sich etwa das Teilgeständnis des Angeklagten strafmildernd ausgewirkt. Er hatte zugegeben, die Männer überschüttet zu haben und sich bei ihnen entschuldigt. Zudem stand er unter Alkohol- und geringem Amphetamin-Einfluss. Zum Nachteil gereichten P. etwa die Ausnutzung des Überraschungsmoments und der Umstand, dass die Tat nicht spontan ablief. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Alexandra Müller

Rubriklistenbild: © dpa

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