Inferno in London

Münchner Brandrat über London: „Dieses Feuer hätte niemand löschen können“

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Brandrat Jochen Herrmann.

Bei der Brandkatastrophe in einem Hochhaus in London waren Berichten zufolge rund 200 Feuerwehrleute und 40 Löschfahrzeugen im Einsatz. Doch was tun im Brandfall? Wir haben uns umgehört.

München – Mit Entsetzen hat Brandrat Jochen Herrmann das Großfeuer in London im Fernsehen verfolgt. Der 44-Jährige ist bei der Münchner Feuerwehr zuständig für vorbeugenden Brandschutz. Im Interview erklärt er, warum ein solches Inferno bei uns nicht vorstellbar ist:

Innenminister Joachim Herrmann (CDU) will nach dem Großbrand die energetische Gebäudesanierung in Deutschland überprüfen lassen. Könnte es denn auch bei uns zu so einem unlöschbaren Feuerinferno in einem Hochhaus kommen?

Herrmann: Für den Bau und den Betrieb von Hochhäusern ist der Brandschutz streng geregelt. Bei uns gibt es so hohe Anforderungen an Brandschutzanlagen, Feuerwiderstand und Löschanlagen, dass so ein Feuer eher auszuschließen ist. Tragende Gebäudeteile eines jeden Hochhauses müssen 60 Minuten Feuerwiderstandsdauer aufweisen, ab 60 Metern Höhe sind es 120 Minuten. Man kann sagen, je höher das Hochhaus, desto strenger die Anforderungen an den Brandschutz. Diese strengen Vorgaben, etwa dass die Feuerwehr in jedem Stockwerk Löschwasser entnehmen können muss oder dass Fassaden von Häusern über 22 Metern seit den 80er-Jahren nicht aus brennbarem Material sein dürfen, sind richtig und gut, auch wenn ihre Einhaltung Geld kostet. Bei uns sind ab 60 Metern Sprinkleranlagen Pflicht, bei kleinen Hochhäusern entweder Sprinkleranlagen oder feuerfeste Trennwände, da kommt es auf die Bauart an.

Ab welcher Höhe spricht man denn von einem Hochhaus?

Herrmann: Ab 22 Metern können wir Personen nicht mehr mit den Drehleitern erreichen. In solchen Häusern müssen zwei Treppenräume bestehen, die nicht miteinander in Verbindung stehen und die gegen Rauch und Feuer abgesichert sind. Damit stehen zwei Fluchtwege zu Verfügung.

Was kann der einzelne Mieter für den Brandschutz tun?

Herrmann: Wichtig ist es, dass die Brandschutzvorrichtungen auch in der Praxis funktionieren können. Wir erleben immer wieder, dass Brand- oder Rauchschutztüren mit Holzkeilen oder Seilen offengehalten werden – im Brandfall ist das fatal. Ebenso, wenn brennbar Dinge in Fluchtwegen gelagert werden. Und man kann es nicht oft genug betonen: Brandmelder retten Leben. Je früher man aufmerksam wird, desto besser kann man reagieren – sich in Sicherheit bringen oder sogar vielleicht den Ausgangsbrand löschen.

Was tue ich im Brandfall?

Herrmann: Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren. Zunächst sollten die Bewohner in ihren Wohnungen bleiben, außer natürlich, in dieser brennt es. Wenn sie ein Gebäude verlassen müssen, ist es wichtig, nicht den Aufzug zu benützen, sondern die gekennzeichneten Fluchtwege.

Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als sie die Bilder aus London sahen?

Herrmann: Man stellt sich die Frage, wie kann so etwas überhaupt passieren? In Deutschland hat es so einen Hochhausvollbrand nie gegeben, geschweige denn in München. Dieses Feuer hätte niemand löschen können. Man sieht die Bilder im Fernsehen, und weiß, dass es vor Ort noch viel entsetzlicher ist, denn im Fernsehen bekommt man von der Hitze und den Geräuschen nichts mit. Die Leistung der Londoner Feuerwehrleute ist immens, psychisch und physisch.

Interview: Susanne Sasse

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