Spielhallen, Bettler, Drogen

Brennpunkt Hauptbahnhof

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Der Hauptbahnhof gehört zu den Brennpunkten in München.

München - Er gehört zu den größten Brennpunkten der Stadt: der Hauptbahnhof. Spielhallen, Bettler, Drogen - Die tz zeigt, wo es derzeit besonders brennt.

In den umliegenden Straßen zeigt sich München nicht gerade von seiner schönsten Seite. Hier lungern die Bettlerbanden aus Südosteuropa auf den Gehwegen herum. Grölende Trinkergruppen stehen am Bahnhofsvorplatz und pöbeln Passanten an. Dazu kommen die Drogenabhängigen auf der Suche nach neuem Stoff. Außerdem gibt es im Bahnhofsviertel wohl keine Straßenzeile mehr ohne die obligatorische Spielhalle. Das alles schlägt sich auch in der Statistik der Münchner Polizei nieder. Die tz zeigt, wo es im Hauptbahnhofviertel derzeit besonders brennt:

Spielhallen: "Die Vielfalt geht verloren"

Wer regelmäßig am Hauptbahnhof unterwegs ist, hat das Gefühl, die Spielhallen schießen hier wie die Pilze aus dem Boden. Dieser Eindruck spiegelt sich in den offiziellen Zahlen wider: 1998 gab es im ganzen Stadtgebiet 59 Spielotheken. Heute sind es allein im Bahnhofsviertel schon 75. „In den Straßen um den Hauptbahnhof liegt der Schwerpunkt bei den Spielhallen“, bestätigt Daniela Schlegel vom KVR.

Am Bahnhof gibt’s die meisten Spielhallen.

Diese Konzentration ist vielen ein Dorn im Auge. „Es ist schlimm, dass so viele Quadratmeter in der Innenstadt von Jugendlichen nicht betreten werden können, weil dort Spielhallen sind“, sagt der Vorsitzende des zuständigen Bezirksausschusses 2, Alexander Miklosy. Fast jede Woche muss sich sein Gremium mit neuen Anträgen beschäftigen. „Das Schöne an der Gegend um den Bahnhof ist die Vielfalt. Wir haben eine wunderbare Mischung an Kulturen und Gewerbe. Die muss erhalten bleiben“, sagt Fritz Wickenhäuser, Hotelbetreiber und Vorsitzender des Vereins Südliches Bahnhofsviertel München e.V.

Damit sich die Mitglieder ein Bild machen können, wie eine Spielothek von innen aussieht, hat er gestern einen Rundgang organisiert. Spielhallenbetreiber Gerhard Strunz führte die Gruppe durch die Casinothek, das City Play und das Jokers. Im Laufe des Rundgangs entwickelte sich eine hitzige Diskussion mit den Teilnehmern. Eine Hotelbetreiberin beklagte sich über den schlechten Eindruck, den die Spielhallen bei Touristen hinterlassen. „Wir bekommen negative Bewertungen, weil nebenan Spielhallen sind und zwielichtige Typen herumlungern“, erzählt sie. Außerdem sei bei Kollegen schon eingebrochen worden, um die Spielsucht zu finanzieren.

Eine Geschäftsfrau berichtet: Viele Gammler

Tamara Ferstl

Seit über 30 Jahren arbeitet Tamara Ferstl (55) bei Tabak Arnold im Untergeschoss. Die Filialleiterin kennt den Hauptbahnhof in- und auswendig. Sie sagt: „Vor 25 Jahren habe ich mich hier sicherer gefühlt als heute.“ Ferstl findet, dass Anstand und Respekt abgenommen haben. „Erst kürzlich haben sich ein paar Jugendliche über einen Behinderten lustig gemacht und ihn sogar mit dem Handy gefilmt!“ Im Gebäude sei es relativ ruhig – auch wegen der Sicherheitskräfte. Ganz anders vor dem Haupteingang: „Da hängen viele Kiffer und Betrunkene rum.“ Früher seien dort fast nur Obdachlose oder ältere Trinker herumgelungert. „Heute sind viel mehr Jugendliche dabei, die bilden richtige Gruppen“, so die 55-Jährige.

Drogen und Bettler: 2000 Platzverweise im Jahr

Die Gegend um den Hauptbahnhof gibt häufig ein schäbiges Bild ab: Hier „lungert“ die Szene herum, belästigt Passanten oder verschmutzt die Tramhaltestellen.

Die Bettelbanden lungern in den Straßen rund um den Hauptbahnhof.

Etwa 2000 Platzverweise spricht die Münchner Polizei pro Jahr aus. „Wir kontrollieren die Leute pausenlos“, sagt Harald Kleesattel (53), stellvertretender Chef der zuständigen Inspektion 16. Nach einer Schwerpunkt-Aktion im Sommer sei das Problem zwar einigermaßen eingedämmt worden. „Zur kalten Jahreszeit kommen sie aber wieder verstärkt zurück, einige sogar ins Bahnhofsgebäude. Da gibt’s sofort ein Hausverbot oder wir nehmen sie in Gewahrsam“, berichtet Kleesattel. Ein weiterer Brennpunkt rund um den Hauptbahnhof ist die Drogenszene. Viele Kuriere kommen laut Kleesattel in den Zügen an – gedealt werde wegen der hohen Polizeipräsenz allerdings woanders.

In den so genannten Laufstraßen wie der Bayer- und Schützenstraße halten sich dagegen die organisierten Bettelbanden aus Osteuropa auf. Bis zu 100 Anzeigen pro Monat werden laut Polizeistatistik gegen sie erstattet.

arb/cb/bea

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