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Was bringt Münchens neues Luxusviertel?

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Auf diesem Areal entsteht "The Seven".

München - In der Müllerstraße, mitten in der Stadt, entsteht ein neues Luxus-Wohnviertel. Die Verantwortlichen wehren sich gegen Kritik. Wir waren bei der Grundsteinlegung mit dabei.

Luxus – bei diesem Wort sehen immer mehr Münchner rot. Luxus können sich die Wenigsten leisten. Luxus verdrängt in den meisten Fällen alte Gebäude und alteingesessene Anwohner, Gaststätten oder Geschäfte. Spätestens seit der Ankündigung, dass die Schwabinger 7 einem Nobel-Bau weichen muss, entsteht gegen diese Entwicklung in immer mehr Vierteln Protest.

 Auch beim geplanten neuen Luxus-Quartier The Seven (Zahlen dazu unten) auf dem ehemaligen Heizkraftwerk-Gelände in der Müllerstraße gab es im Vorfeld Diskussionen mit Anwohnern. Am Mittwoch war Grundsteinlegung und ein großer Empfang zum Baubeginn. Die tz hat die Gelegenheit genutzt und nachgefragt, was die Bauherren über dieses Thema denken. Was bringt das neue Quartier den Münchnern überhaupt?

Der Abrissbagger bricht die letzten alten Wände am Rand des Areals ab. Unten, in der tiefen, 14 000 Quadratmeter großen Baugrube stehen die ersten schweren Maschinen bereit, um das Quartier The Seven rund um den Heizkraftwerk-Turm in die Höhe zu ziehen. Kein dringend benötigter bezahlbarer Wohnblock, sondern ein Viertel für Menschen, die mal eben bis zu 14 000 Euro pro Quadratmeter hinblättern können. Und der Münchner guckt in die Röhre. „Das stimmt nicht ganz“, rechtfertigte sich Bauherr Jörg Scheufele, Chef der alpa invest Projekt GmbH bei der Grundsteinlegung. „Im Gegenteil, jeder Münchner profitiert sogar davon.“

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Der Investor zeigt Verständnis für besorgte München-Nos-talgiker: „Natürlich verstehe ich die Verärgerung, wenn Kneipen wie die Schwabinger 7 weichen müssen und auch die grundsätzliche Angst, dass Viertel ihren Charme verlieren. Aber man darf hier nicht zwei Dinge in einen Topf werfen. Wir haben nichts extra abgerissen, wir schaffen auf brach liegendem städtischen Gelände neue Wohnflächen.“ Er versteht das Projekt als Ventil: „Wer Geld hat und in dieses Viertel investieren will, macht das doch besser hier - damit vertreibt er keine Altmieter.“

Auch das Argument, das Publikum werde sich verändern, lässt Scheufele nicht gelten: „Wir sind so süddeutsch, wie man es sich nur vorstellen kann.“ Der Großteil der Käufer bislang käme von hier. „Zum Beispiel Paare aus dem Landkreis und auch Singles und Familien aus dem Viertel.“ Etwa Dietmar Holzapfel und Josef Sattler, die das Hotel Deutsche Eiche nebenan betreiben und dieses fortan auch nach Feierabend von oben begutachten können. Die ’zig Millionen Euro - die genaue Summe bleibt geheim -, die aiP gemeinsam mit der LBBW Immobilien (Stachus UG, Palais an der Oper, Hofstatt) investiert hat, fließen in die Kasse der Stadt. Und die zieht auch gleich hier ein: Denn im Sockelbereich des Luxusturmes entsteht eine Kinderbetreuungseinrichtung mit zwei Kitas und zwei Krippen - und die sind öffentlich.

Ein Spielplatz wird ebenfalls öffentlich sein, außerdem darf der gemeine Münchner auch eine der drei insgesamt 6000 Quadratmeter-Grünanlagen nutzen. Im neuen Quartier sind auch Geschäfte geplant, die wohl eher Schnickschnack anbieten werden als Obst und Gemüse. Die vom Bezirksausschuss gewünschte Gastronomie für alle Münchner ganz oben auf dem mit 56 Metern höchsten Wohnturm der Innenstadt wird nicht kommen. Die Investoren versuchen, das mit einem Trostpflaster wieder gut zu machen: Zweimal im Jahr soll es quasi einen Tag des offenen Daches geben, an dem die Münchner die Aussicht genießen können. Angedacht ist zudem ein Durchgang zum Gärtnerplatz, nur der Durchschluss zu den angrenzenden Grundstücken fehlt. Viele Möglichkeiten für den Münchner also, Luxusluft zu schnuppern.

Und bei den Reichen zu spannen: So gibt es neben den edlen Wohnungen auch einen Concierge im Foyer des Turms, einen privaten Fitnessbereich mit Whirlpool, Saunen und Trainingsgeräten - für die Bewohner freilich umsonst - oder eine Tiefgarage mit XL-Plätzen und sportwagenfreundlicher Rampe.  Ende 2012 werden im Gärtnerplatzviertel Welten aufeinandertreffen. „Wir dürfen das nicht überbewerten“, sagt Investor Scheufele. „Der Anteil von Luxuswohnraum ist immer noch schwindend gering. Vielleicht braucht München diesem Luxus nicht. Aber es gibt Menschen, die ihn brauchen.“

Nina Bautz

Alle Fakten zu The Seven:

Ein halbes Jahrhundert stand hier in der Müllerstraße ein SWM-Heizkraftwerk. Ende 2009 begannen die Abrissarbeiten für das Luxus-Projekt "The Seven" (Fertigstellung Ende 2012), nur der 56 Meter-Turm ist geblieben. Es besteht aus drei Teilen: dem Luxusturm mit Wohnungen zwischen 95 und 700 Quadratmetern, die teils mehrstöckig sind, Dachterrassen und Loggien haben und einen einzigartigen Blick über die Stadt. Im viergeschossigen Atrium daneben entstehen 56 Stadtwohnungen zwischen 55 und 275 Quadratmetern. Sie bieten Ankleideräume vor den Schlafzimmern, französische Fenster, Balkone mit Ornamentbrüstungen und Deckenhöhen von zirka drei Metern. Der dritte Komplex beherbergt Büro- und Geschäftsräume und Einzelhandelsflächen.

Drumherum entstehen ein Atriumhof mit Wasserbassin und ein Gartenpark. Es gibt exklusive Service-Angebote wie ein 24-stündiger Concierge-Service oder einen privaten Spa- und Wellnessbereich. Der Großteil der Wohnungen kostet um 9000 Euro pro Quadratmeter, die exklusivsten gibt es für bis zu 14 000 Euro pro Quadratmeter. Mehr als 50 Prozent der Wohnflächen sind bereits verkauft.

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