Bringt neuer DAV-Chef den Frieden?

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Chef Josef Klenner.

München - Die mögliche Kooperation mit Toyota, die Unterstützung für Olympia 2018 und der abrupte Rücktritt von Präsident Heinz Röhle: Wie die tz berichtete, beuteln interne Debatten seit Monaten den Deutschen Alpenverein (DAV).

Am Donnerstag Abend wollen der neue Präsident Josef Klenner und Hauptgeschäftsführer Thomas Urban erstmals öffentlich dazu Stellung nehmen. An der Sache mit Toyota „stört mich am meisten der Vertrauensmissbrauch“, schimpft der Sektionsvorsitzende von Tölz, Martin Pfund. Sponsoring sei ja in Ordnung. „Wir brauchen Geld. Wenn das für die Jugendarbeit und den Umweltschutz ausgegeben wird, passt alles. Aber jede Werbung muss als solche erkennbar sein“, sagt er. „Hier wird der Eindruck erweckt, dass wir Toyota geprüft hätten und jetzt als umweltfreundlich anpreisen. Das ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Umweltfachmann. Unsere Arbeit wird unglaubwürdig gemacht.“

Hauptgeschäftsführer Urban hingegen verweist auf eine „intensive Diskussion im Präsidium“, die der schon vor drei Jahren besiegelten Kooperation vorangegangen sei. „Natürlich ist es die Frage: Ist eine Kooperation mit einem Autohersteller sinnvoll – neben einer Kooperation mit der Bahn?“

Aber: Ins Gebirge komme man oft nicht ohne Wagen, und Toyota baue relativ umweltfreundliche Autos. „Wir bewerben die Hybridfahrzeuge.“ Toyota ist nur eines der Themen, die den mit 850 000 Mitgliedern weltgrößten Bergsteigerverband vor eine Zerreißprobe stellen. Naturschutz versus Sportverband, Macht und Einfluss versus unbequeme Umweltziele – die Richtung des stetig wachsenden DAV scheint vielen nicht mehr klar.

Und auch die kommerzielle Reise-Tochter Summit Club war manchem von Anfang an ein Dorn im Auge. Kann der neue Präsident Josef Klenner jetzt Frieden bringen? Der 60-Jährige führte den DAV schon von 1992 bis 2005. Doch die Kluft reicht tief in die Mitgliederschaft hinein. „Ich wünsche mir einen DAV, der klar und deutlich Ja sagt zum Schutz und Erhalt der Bergwelt. Gerne auch auf Kosten von Mitgliedern, die diesen Weg nicht mitgehen wollen“, verlangt etwa ein Mitglied im DAV- Internetforum. Eine Projektgruppe sei jetzt zur Überarbeitung und Überprüfung des Leitbildes ins Leben gerufen worden, sagt Geschäftsführer Urban.

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