Bruno Jonas zeigt Lehrern, wie man lustig ist

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Der Kabarettist Bruno Jonas (stehend) bringt Lehrkräften am Donnerstag im Museumspädagogischen Zentrum in München Satire bei.

München - Auch Satire will gelernt sein: Der Meister-Kabarettist Bruno Jonas hat Lehrer aus Bayern geschult. Und das auf Einladung des Kultusministeriums. Satire? Nein, Tatsache.

Am Anfang war die Suche nach einem Thema. Also Euro, Libyen, die ganzen Krisen, „das lassen wir jetzt alles mal weg“, sagt Bruno Jonas zu seinen 13 Schülern. Schweigen in Raum 053, einem schlichten Seminarraum im Amt für ländliche Entwicklung München. Die Stiftung „art. 131“, eine Einrichtung des Kultusministeriums, hat sich zwei Tage lang eingemietet – für ein Seminar mit Bruno Jonas. Wie geht Satire? – das ist der Arbeitsauftrag des Kabarettisten. Seine Schüler: Lehrer aus ganz Bayern, zumeist leiten sie nebenbei eine Theater-AG.

Also: „Wo ist das Thema, über was regen Sie sich auf? Ohne Unzufriedenheit kann man nicht satirisch schreiben“, sagt Jonas, und hilft auf die Sprünge: Wie es denn um die eigenen Arbeitswelt bestellt sei?

Offenbar ein gutes Stichwort. Die Wut über die Arbeitsbedingungen bricht sich sogleich offen Bahn. „Ich bin durch die Hölle gegangen“, berichtet ein Lehrer aus Bamberg freimütig. Jonas staunt. Der Lehrer kommt nicht etwa aus Fukushima, sondern er hat ein zweijähriges Referendariat überlebt. Eine Kollegin aus Nürnberg berichtet, dass sie vor lauter Verzweiflung beinahe umgesattelt und einen Bratwurststand aufgemacht hätte. Der Lehrer – das arme Würstchen.

Aus dem Allgäu wird berichtet, dass Grundschullehrerinnen über grüne Blätter in 20-facher Ausfertigung verzweifeln – Bürokratiewust. Und erst der Gesundheitscheck für Lehrer! Sogar eine Gewichtskontrolle müssen die Pädagogen vor der Vollzeit-Verbeamtung überstehen. Schlimm.

Ein anderer doziert über Auffangklassen für gescheiterte Gymnasiasten an den Realschulen. „Wie hieß das? Auffangklassen?“, jubelt Jonas, „das klingt ja wie Abklingbecken. Herrlich.“ Aber die Lehrer sollen ja nicht jammern, sondern ihre Misere ironisch umbrechen. Satire heißt, so doziert Jonas, die Situation drastisch zu überzeichnen, ins Phantastische zu treiben. Schluss mit dem Gejammer – ist doch alles nur Theater. Flugs werden nun alternative Beschäftigungsprogramme für Lehrer entworfen – Redenschreiber, Abgeordneter, Versicherungsagent und andere sinnvolle Tätigkeiten. Auch der Wettbewerb der Schulen um ihre Schüler wird auf die Schippe genommen. „Großartige Idee“, lobt Altmeister Jonas. Da wird die Abiturfahrt nach China zum Lockmittel. Oder wie wäre es mit einem automatischen Abholdienst für die Schüler? Auch nicht schlecht.

Zwischendrin berichtet Jonas über seine eigene Schulzeit. Dass er am Adalbert-Stifter-Gymnasium in Passau kein sehr guter Schüler war (O-Ton Lehrer: „Machen Sie doch eine Lehre“); dass er das große Latinum trotzdem geschafft hat und dass er das Abitur gleich drei Mal machte – zwei Mal mit seinen Kindern.

Wobei er wieder beim Thema wäre – Nachhilfe. Die gibt es „schon ab der 2. Klasse“, berichtet ein Lehrer aus Erding. Und die Bildungsanstalt? Kümmert sich um andere Dinge. Eine Lehrerin berichtet über den denkwürdigen Tag, als der Nürnberger Schulbürgermeister ihre Schule heimsuchte und die Lehrer einen Tag vorher angewiesen wurden, ihre Zimmerpflanzen für dekorative Zwecke zur Verfügung zu stellen. „Ist das wahr? Ist ja unglaublich!“, staunt Jonas. Manchmal ist die Schule halt doch Realsatire.

Dirk Walter

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