Brutale Drohbriefe aus dem Gefängnis

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JVA Stadelheim: Der Drohbrief kam ungehindert durch

München - Der Brief, der ungehindert die Kon­trolle der JVA Stadelheim passierte, hatte es in sich: Andrea D. (43) wurde darin brutal mit einer „Intim-Operation“ gedroht, falls sie in einem Prozess als Zeugin aussage.

„Noch mal die Cops, und du wirst es bitter bereuen“, erklärte der anonyme Verfasser weiter. Andrea D. wusste gleich, wer dahinter steckt: Thore André E. (35), der ihr eine zerbrochene Bierflasche in die Brust gestoßen und damit lebensgefährlich verletzt hatte. Nur die Handschrift, die passte nicht zu ihm.

Wie sich später herausstellte, hatte Thore André E. im Knast zwei „Ghostwriter“ angeheuert. Einer war Patrick M. (25), der wegen einer Drogensache in U-Haft saß. Er ließ sich mit zwei Päckchen Tabak und einem Feuerzeug ködern. „Hallo blondes Gift“, schrieb Patrick im Auftrag des Mitgefangenen auf, „ich werde dich und dein Heim besuchen …“

Er schrieb, das Opfer werde künftig mit einer hässlichen Narbe im Gesicht herumlaufen müssen – „sehr sexy für ein Piraten-Liebchen“. Außerdem drohte er, die Frau mit Industriekleber in Intimbereich zu traktieren. „Es stimmt, ich habe den Brief geschrieben“, gab Patrick M. am Mittwoch vor dem Amtsgericht zu. „Ich wurde im Knast angesprochen. Ich wollte unbedingt eine Zigarette haben.“

Dass er damit eine Straftat (Nötigung) begeht, habe er nicht bedacht: „Ich glaubte nicht, dass es auf mich zurückkommt.“ Andrea D. sagte am Mittwoch im Zeugenstand, sie habe gleich gewusst, wer hinter der Drohung steckt: Thore André E. „Wenn man seine Vorstrafen kennt, kriegt man Angst.“ Der tz sagte sie später: „Den haben die aus dem Knast wieder laufen lassen. Jetzt wird er per Haftbefehl gesucht.“ Das stimmt, bestätigte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch gegenüber der tz: „Er ist zur Festnahme ausgeschrieben.“

Wegen der beinahe tödlichen Attacke auf Andrea D. ist er vor einer großen Strafkammer angeklagt. Briefschreiber Patrick M. entschuldigte sich am Mittwoch vor Gericht bei seinem Opfer, das er zuvor nie gesehen hatte.

Die Staatsanwältin wollte ihn einsperren, doch die Richterin ließ den Verkäufer in Freiheit. Sie verurteilte ihn zu 90 Tagessätzen zu 35 Euro (3150 Euro). Er nahm das Urteil sofort an. Die Richterin: „Es ist schon dreist, aus der Haft heraus so eine Straftat zu begehen.“

Eberhard Unfried

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