Paar zu Haftstrafe verurteilt

Brutales Sex-Geschäft: Frau in München ausgebeutet

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Aylin P. (24) erhielt ein Jahr und acht Monate auf Bewährung. Murat T. (35) muss drei Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Bild links ist ein Symbolfoto.

München - Das brutale Geschäft mit dem Sex: Jetzt gibt ein Urteil am Amtsgericht tiefe Einblicke in die Machenschaften der Menschenhändler. Ein Zuhälter-Paar ist zu einer Haftstrafe verurteilt worden.

Im Dämmerlicht stehen sie an der Straße. Auf hohen Absätzen, mit Netzstrümpfen und viel Schminke im Gesicht. Sie bieten ihre Körper an – und nehmen Geld dafür. So arbeiten viele Liebesdamen in München. Nicht alle aber freiwillig: Denn immer mehr Frauen werden von Zuhältern aus dem Ausland angeworben. Sie versprechen ihnen Geld, Jobs oder die große Liebe – aber beuten die oft sehr jungen Frauen schamlos aus und schicken sie auf den Strich. Zur Not mit Gewalt und Drogen!

Das brutale Geschäft mit dem Sex: Jetzt gibt ein Urteil am Amtsgericht tiefe Einblicke in die Machenschaften der Menschenhändler. Zuhälter Murat T. (35, alle Namen geändert) und seiner Geliebten Aylin P. (24) wurde der Prozess gemacht, weil sie die arbeitslose Annelie N. (25) nach München gelockt und zur Prostitution gezwungen hatten. Murat T. muss deshalb sogar ins Gefängnis. Er wurde zu drei Jahren und acht Monaten Haft wegen zweier Fälle des schweren Menschenhandels und ausbeuterischer Zuhälterei sowie Körperverletzung verurteilt. Komplizin Aylin P. erhielt ein Jahr und acht Monate auf Bewährung.

Hinter diesen Urteilen stecken tiefe menschliche Abgründe. Denn schon seit 2011 lebte Aylin P. mit Murat I. zusammen, war seine Geliebte und arbeitete seit 2012 als Prostituierte. Der anderweitig verheiratete Zuhälter schickte sie auf den Strich und benutzte sie als Lockvogel beim Anwerben von potentiellen Opfern. Gemeinsam hatten sie es auf die arbeitslose Annelie N. (25) abgesehen, die in Deutschland arbeiten wollte, um Geld für ihre Familie zu verdienen. Beide trafen sie am 22. Juni 2014 in Berlin – und versprachen ihr eine Stelle als Putzfrau, Barfrau oder Bedienung in München. Sie willigte ein – und fuhr mit nach München. Zu dritt wohnten sie in einer Pension in der Situlistraße.

Tags drauf begann der Horror für Annelie N.! Murat T. sperrte sie ein und zwang sie, halbnackt Fotos machen zu lassen. Später erklärte er der jungen Frau, dass sie ab sofort anschaffen müsse. Geld, Handy, Pass: Alles nahm er ihr ab. Stattdessen Drohungen und Gewalt! Ein Schock für die junge Frau!

Die Zuhälter fuhren sie zu Freiern und überwachten die Liebesdieste. Aus Angst schlief Annelie M. mit zahlreichen Männern, musste sogar perverse Extrawünsche erfüllen – und verdiente in drei Monaten 10 000 Euro. Die Hälfte davon musste sie an ihre Zuhälter abführen. Lediglich einmal durfte sie 100 Euro behalten. Für ihr Kind, das in Bulgarien lebt! Regelmäßig prügelte Murat T. die junge Frau. Weil sie zu wenig Geld kassierte oder fliehen wollte. Erst eine Kontrolle der Sitte beendete ihr Martyrium.

Im Prozess streitet Murat T. später alles ab – und behauptet, Annelie N. habe freiwillig gearbeitet. Eine Lüge! Der wegen Vergewaltigung vorbestrafte Zuhälter wird verknackt. Weil Aylin P. gesteht und nur Komplizin war, erhält sie Bewährung. Es ist ein seltenes Urteil! Denn nur wenige solcher Fälle landen vor Gericht (siehe Text unten).

Andreas Thieme

„Dunkelziffer in München ist hoch“

Frauen, die aus dem Ausland für die Prostitution angeworben werden: in München trauriger Alltag! „Vergangenes Jahr hat das Landeskriminalamt 50 Ermittlungsverfahren geführt“, sagt Bernd Brinck von der Zentralstelle für Menschenhandel in Bayern. „Die Dunkelziffer ist sehr hoch.“ Denn: Der Großteil der Frauen kommt aus Rumänien, Bulgarien oder Ungarn. „Oft fühlen sie sich zunächst gar nicht ausgebeutet“, sagt Brinck. Denn selbst, wenn sie auf den Strich geschickt werden und den Großteil ihres Gehalts abgeben müssen, verdienen sie oft noch mehr als im Heimatland. Von der Abhängigkeit und Ausbeutung können sie sich selbst kaum befreien. Ein Teufelskreis!

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