Brutalo-Polizist trat schmächtigem Opfer ins Gesicht

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Der angeklagte Polizist Sven G. gibt die Tat zu, versucht sie aber zu beschönigen.

München - Die splitternden Kieferknochen seines Opfers hätte Sven G. spüren müssen, als er mit brachialer Gewalt zutrat. Doch die Erinnerungen des Polizeiobermeisters vor Gericht sind einseitig.

Der Beamte, der wegen versuchten Totschlags angeklagt ist, will sich nur an jene Details seiner brutalen Tat in der 089Bar am Maximiliansplatz erinnern, die ihn entlasten: „Ich habe seinen aggressiven Gesichtsausdruck gesehen.“

100 Kilogramm bringt Sven G. auf die Waage. Er trainiert häufig im Fitness-Studio, seine Muskeln hat er auch mit Chemie aufgepeppt. Der Beamte, der in der Polizeiinspektion 23 in Giesing seinen Dienst tat, gibt zu, dass er Dopingmittel in großen Mengen zu sich genommen hat.

Macht das aggressiver? „Man wird ungeduldiger“, sagt er auf die Frage des Vorsitzenden Richters Michael Höhne. „Die Zündschnur wird kürzer.“

Sven G., der schon wegen Gewalttätigkeiten gegenüber seiner Ex-Freundin ein Strafverfahren an der Backe hatte (wurde eingestellt gegen Zahlung eines Schmerzensgelds), hat ein weiteres Hobby: Er treibt sich gerne nachts in Bars und Diskotheken herum.

Am Abend des 3. Dezember 2009 feierte er im Los Bandidos mit seinen Kollegen, die Cocktails flossen literweise . Nach Mitternacht fuhr er mit dem Taxi zum Maximiliansplatz. Ihm sei ein Mädel aufgefallen: „Sie sah gut aus.“

Aber offenbar suchte nicht nur er das Gespräch mit ihr, sondern auch der Kellner Pasquale T. (36). Es kam zu einer kleinen Rempelei. Dann war erst mal Ruhe. Plötzlich schüttete jemand Sven G. ein Getränk über die Schulter: Es war nicht Pasquale T., doch Sven G. ging auf ihn los.

„Ich habe ihm einen Schubser gegeben“, so der Angeklagte. Wohl eine Untertreibung: Zeugen berichteten, er habe dem schmächtigen Pasquale mit der Faust ins Gesicht geschlagen, dass dieser rückwärts gegen eine Tür donnerte. „Dann habe ich zugetreten“, räumt der Angeklagte ein.

Warum? Der aggressive Gesichtsausdruck habe ihn dazu veranlasst. Richter Höhne: „Wie soll von so einem Krisperl noch Gefahr ausgehen?“ Der Angeklagte: „Ich hatte das Gefühl, er will mich angreifen.“ Pasquale T. erlitt einen mehrfachen Kieferbruch, unter dem er heute noch leidet. Er hat eine Narbe im Gesicht.

Der Täter machte sich durch den Hinterausgang aus dem Staub und konnte erst 14 Tage später ermittelt werden. Nun bemitleidet er sich: „Mein Leben ist am Arsch.“ Der Prozess geht weiter.

E. Unfried

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