Riskante Operation in München

Bub wurde mit halbem Herz geboren: Ärzte retten dem kleinen Faustus das Leben 

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Mutter Fanny Beeger und der kleine Faustus.

Faustus Beeger ist mit einem halben Herzen geboren worden – eigentlich ein Todesurteil. Doch ein Kardiologen-Team rettete dem Baby in München das Leben – mithilfe eines weltweit einmaligen Eingriffs.

Faustus Beeger kam am 27. Oktober 2017 zur Welt, pünktlich in der 40. Schwangerschaftswoche: 2900 Gramm, 52 Zentimeter, blaue Augen. Alles schien normal. Doch in Faustus’ Brust schlug nur ein halbes Herz. Es war der komplizierteste angeborene Herzfehler, den die Kinderkardiologen des Deutschen Herzzentrums München je gesehen haben. Einen Eingriff am offenen Herzen schlossen die Ärzte aus. Trotzdem konnten sie das Baby retten – mithilfe eines weltweit einmaligen Eingriffs.

Kinderkardiologe Peter Ewert vom Deutschen Herzzentrum München erklärt Mutter Fanny Beeger, wie er ihr Baby mit zwei hauchdünnen Herzkathetern behandelt hat.

„Wir haben etwas versucht, was noch niemand zuvor gewagt hatte“, sagt Professor Peter Ewert, Klinikchef des Münchner Herzentrums. Mithilfe zweier hauchdünner Katheter und winzigen Draht- röhrchen ist es dem Kardiologen gelungen, Faustus’ Herz an die Blutgefäße anzuschließen, von denen es aufgrund einer Laune der Natur getrennt gewesen war.

Das Drama hatte schon während der Schwangerschaft begonnen

„Wir hatten uns innerlich schon von Faustus verabschiedet“, gesteht seine Mutter Fanny (29). Für die Grundschullehrerin aus Dresden hatte das Drama bereits während der Schwangerschaft begonnen – während einer Routineuntersuchung im fünften Monat. „Der Doktor meinte, er könne das Herz meines Ungeborenen nicht richtig erkennen“, erinnert sie sich, „also schickte er mich zu einem Spezialisten.“ Auch der überwies sie weiter. Vom Uniklinikum bis nach München. Schließlich stand fest: Faustus hat sieben Herzfehler. Die Experten waren ratlos.

Ewert setzte dem kleinen Faustus zwei Stents in dessen walnussgroßes Herz, um die Lungenvene mit dem Herzvorhof zu verbinden. Die Katheter führte er von oben durch die Halsvene und von unten durch die Leistenvene ein.

Auch Peter Ewert hat einen vergleichbaren Fall noch nie zuvor gesehen: Faustus Beeger hatte nur einen Vorhof und eine funktionierende Herzkammer. „Anfänglich schaffte es das kleine Herz zwar noch, über Umwege genügend Sauerstoff in den Körper zu transportieren“, erklärt Ewert. Fest stand aber auch: Dieser Zustand hält nicht lange an – eine Operation war unausweichlich.

Weil das Baby einen Eingriff am offenen Herzen allerdings höchstwahrscheinlich nicht überlebt hätte, beschloss Peter Ewert, völliges Neuland zu betreten.

Über die Leistenvene schob er gemeinsam mit seinem Team einen Katheter bis in den Vorhof von Faustus’ Herz. Gleichzeitig gelangten die Spezialisten mithilfe eines zweiten Katheters über die Hals- in die Lungenvene. Ultraschallgeräte und Röntgenschirme zeigten die genaue Position der Katheter an. Die Bilder befähigten die Ärzte schließlich, eine Art Tunnel zu bohren. „Nach drei Stunden war der Eingriff beendet“, berichtet Ewert, „danach konnte das sauerstoffreiche Blut endlich direkt in Faustus Herz fließen.“

Heute ist Faustus Beeger ein richtiger Sonnenschein. Kein Mensch sieht ihm an, wie krank er noch vor wenigen Wochen war. Lächelnd schmiegt er sich in den Arm seiner Mutter. Sie sagt: „Ich hätte nie zu hoffen gewagt, dass unser Faustus mit seinem halben Herzen so viel Glück haben kann.“

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